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Identitäre Bewegung Bayern.

Vom Verfassungsschutz beobachtet

Rechtsextreme in Lederhosen: Die „Identitäre Bewegung“ in Bayern 

Rechtsextreme, Bundeswehr-Studenten und Heimatverliebte: Die „Identitäre Bewegung“ ist ein Sammelbecken verschiedener Anhänger. In den sozialen Netzwerken gibt sie sich friedlich und zivilisiert - und ist gerade deswegen besonders gefährlich.

München - Sie lichten sich im Trachtengewand ab, posten Bilder von Berggipfeln oder einer zünftigen Halben am Stammtisch. Der bayerische Ableger der „Identitären Bewegung“ (IB) scheint in den sozialen Netzwerken beliebt zu sein. Unter Schlagworten wie #lederhosenrevolte präsentiert sie sich als heimatverbundene und vermeintlich friedliche Widerstandsbewegung.

Vom Verfassungsschutz beobachtet

Doch die IB wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie wendet sich gegen eine angebliche Überfremdung der Gesellschaft durch Flüchtlinge. Der Militärische Abschirmdienst ermittelt gegen mehrere Studenten der Bundeswehr-Universität in Neubiberg bei München, die Verbindungen zu der Gruppe haben sollen. Ein Sprecher der Universität bestätigt Ermittlungen, nennt jedoch keine Einzelheiten.

Die Anhänger der Bewegung beschreiben sich auf ihrer Facebook-Seite als „weder radikal noch extremistisch“. „Mia Bayern warn scho immer a bisserl gmiatlicher“, liest man dort. Im Internet präsentieren sie sich gerne mit langen Bärten, hippen Mützen und schicken Filtern auf Instagram: #ibster ist ein anderer beliebter Hashtag der IB - in Anlehnung an „Hipster“.

„Rechtsextremismus in neuem Gewand“

Ein Sprecher des bayerischen Verfassungsschutzes warnt: „Die „Identitäre Bewegung“ ist Rechtsextremismus in neuem Gewand.“ Ihre völkische Ideologie versuche sie hinter einem studentischen Auftreten und einer neuen Sprache zu verschleiern, die man von Rechtsextremisten so bisher nicht kenne.

Auf Facebook hat der bayerische Ableger mehr als 11.000 Fans. Auf Instagram und Twitter sind es jeweils rund 700. Das sind im Vergleich zu anderen Bundesländern auffallend viele - nur in Sachsen gibt es noch mehr.

Nur 100 wirklich Aktive - aber gute Selbstvermarktung

Dahinter steckt nach Überzeugung des bayerischen Verfassungsschutzes vor allem eine erfolgreiche Selbstvermarktung. „Wir gehen davon aus, dass die IB kommerzielle Möglichkeiten nutzt, um ihre Inhalte stärker zu verbreiten. Durch eine scheinbar starke Reichweite wollen sie eine große Bewegung suggerieren“, so der Sprecher. Zum aktiven Personenkreis zählen demnach nur rund 100 Personen. Darunter seien Neonazis, die früher in inzwischen verbotenen Gruppen aktiv waren.

Die IB ist eine Gruppe, wie sie erst das Internet möglich gemacht hat. Rechtsextreme Inhalte können sich online schneller und effektiver verbreiten. „Die Schnelligkeit der Kommunikation in der digitalen Welt macht eine Überwachung schwierig, außerdem sinken die Hemmschwellen“, sagt der Bamberger Politikwissenschaftler Michael Görtler.

Neonazis in der Bewegung

Macht man sich die Mühe, den Fans der IB Bayern bei Instagram zu folgen, zeigt sich: Auch hier gibt es Neonazis, die sich offen als „Nationalsozialisten“, „Revisionisten“ oder „arische Soldaten“ bezeichnen. #wehrteuch ist ein weiterer beliebter Hashtag der „Identitären“.

In den vergangenen Wochen mauerten Mitglieder nicht nur den Eingang des bayerischen Flüchtlingsrats in München ein Stück weit zu. Sie unterstützten auch den Versuch, mit Hilfe eines kleinen Boots die Seenotrettung von Flüchtlingen im sizilianischen Küstenort Catania zu blockieren. Anhänger der IB versuchten außerdem, ins Bundesjustizministerium einzudringen.

„Die „Identitäre Bewegung“ hat ein klares rechtsextremes Verständnis“, sagt auch der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke. Weil die Anhänger ihren Anschluss ans bürgerliche Spektrum nicht verlieren wollten, riefen sie nur indirekt zur Gewalt auf. Dadurch seien sie besonders gefährlich - „jedenfalls so lange, bis das nicht von allen erkannt wird.“

dpa

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