+
Studenten der Soziologie verfolgen an der Universität Bremen eine Vorlesung zum Thema Statistik. Foto: Ingo Wagner/Symbol

Reform gegen Kurzzeitverträge an Hochschulen

Berlin (dpa) - Nachwuchswissenschaftler in Deutschland haben künftig mehr Planungssicherheit für Karriere und Privatleben. Der Bundestag verabschiedete mit Koalitionsmehrheit die Reform des umstrittenen Gesetzes über Zeitverträge.

In den vergangenen Jahren verursachte das Gesetz über Zeitverträge häufig für prekäre Beschäftigungsverhältnisse an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) beklagte bei der Parlamentsdebatte, die bisherigen Möglichkeiten zur Befristung seien ausgenutzt worden. Nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW hatten zuletzt neun von zehn wissenschaftlichen Uni-Mitarbeitern lediglich Zeitverträge.

Wichtigster Leitsatz für das neue "Wissenschaftszeitvertragsgesetz": Gegen "Fehlentwicklungen" wie Kurzfrist-Kettenverträge soll sich der Befristungsrahmen an Projektlaufzeiten und Qualifizierungszielen der Mitarbeiter orientieren - in der Regel mehrere Jahre.

Zunächst war die Befristung bei Drittmittelprojekten nur an die Mittelbewilligung gebunden. Auch wird sich die maximale Dauer wissenschaftlicher Hilfstätigkeiten auf sechs Jahre erhöhen. Der Bildungsausschuss des Bundestages brachte beide Änderungen auf Vorschlag des rot-grün dominierten Bundesrats erst im Dezember im Gesetz unter.

Für die Opposition greift die schwarz-rote Reform zu kurz. "Der Entwurf der Bundesregierung lässt auch nach jahrelanger Debatte die größten Missstände bestehen", sagte Nicole Gohlke von der Linken. "Nach wie vor sind kurze Vertragslaufzeiten und Kettenbefristungen möglich." Ihr Grünen-Kollege Kai Gehring ergänzte: "Union und SPD riskieren damit, dass junge Talente der Wissenschaft weiter "Lebewohl" sagen."

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013

HIS-Studie zu Auswirkungen des Gesetzes

Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 28.10.15

GEW zu Bundesrats-Vorschlägen

"Zeit Online"-Umfrage beim wissenschaftlichen Nachwuchs (5.12.15)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tausende erinnern an ermordeten russischen Oppositionellen
Vor drei Jahren wurde der russische Kremlkritiker Boris Nemzow erschossen. Die Mörder sitzen, doch die Hintergründe bleiben unklar. Drei Wochen vor der Präsidentenwahl …
Tausende erinnern an ermordeten russischen Oppositionellen
Innenminister de Maizière zweifelt an Seehofers Eignung als sein Nachfolger
In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung konnte sich Innenminister Thomas de Maizière einige Spitzen Richtung München nicht verkneifen. 
Innenminister de Maizière zweifelt an Seehofers Eignung als sein Nachfolger
Wie weit rückt Italien nach rechts?
Mitte-Rechts ist das einzige Bündnis, das in Italien eine regierungsfähige Mehrheit erreichen könnte. Um die nötigen Stimmen zu gewinnen, nutzt vor allem Berlusconis …
Wie weit rückt Italien nach rechts?
Nordkorea angeblich zu Gesprächen mit den USA bereit
Neue Sanktionen, neues Säbelrasseln. Trotz der harschen Worte im Konflikt um Nordkoreas Atomrüstung verkündet Südkorea plötzlich, dass Nordkorea mit den USA reden wolle. …
Nordkorea angeblich zu Gesprächen mit den USA bereit

Kommentare