+
Bund und Länder sollen mehr Medikamente und Impfstoffe bereithalten. Foto: Uwe Zucchi

Neuer Notfallplan für Katastrophen und Terror

Ob Chemiewaffen-Angriff, Flut oder Erdbeben: Die Bundesregierung will auf jeden Katastrophenfall vorbereitet sein. Jetzt gibt es ein neues Zivilschutzkonzept, das der veränderten Bedrohungslage gerecht werden soll.

Berlin (dpa) - Nach mehr als 20 Jahren legt die Bundesregierung ein neues Notfallkonzept für Katastrophen und große Terroranschläge vor. Es soll unter anderem die Versorgung mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Öl und Strom oder auch die Lagerung von Impfstoffen oder Antibiotika regeln.

Nach Angaben des Innenministeriums befindet sich der Entwurf noch in der Ressortabstimmung, das Kabinett werde aber "zeitnah" darüber entscheiden. Die Neukonzeption sei bereits seit langem geplant und habe nichts mit aktuellen Terrorgefahren zu tun, hieß es.

Das gültige Konzept für "zivile Verteidigung" stammt von 1995. Die "Bild"-Zeitung zitierte am Donnerstag unter anderem folgende Punkte aus dem 69-seitigen Entwurf für eine Neuauflage:

- Eine Trinkwasserversorgung für 14 Tage soll über den Bau von Brunnen sichergestellt werden.

- An 140 Standorten sollen Erdölreserven für 90 Tage gelagert werden.

- Bund und Länder sollen ein "Gesamtkonzept Notstrom" erarbeiten, um die Minimalversorgung an Energie zu sichern.

- Es werde geprüft, ob ein Vorrat von Schutzanzügen und -masken für biologische, chemische oder nukleare Kampfstoffe angelegt werden soll. Bei einem Angriff oder Anschlag mit sogenannten ABC-Waffen sollen vor Krankenhäusern Dekontaminationsstellen eingerichtet werden.

- Künftig sollen im Katstrophenfall nicht nur über Radio, Fernsehen, Sirenen und Lautsprecherdurchsagen, sondern auch per SMS und Internet Warnungen verbreitet werden.

- Ein Drittel der Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks soll innerhalb von 24 Stunden einsetzbar sein.

Das Innenministerium wollte sich zu den Inhalten des Entwurfs nicht äußern. Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka begrüßte das neue Zivilschutzkonzept: "Die Katastrophenszenarien für Deutschland haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich verändert", erklärte er. "Die Zivilbevölkerung oder auch staatliche Institutionen sind nicht zuletzt aufgrund terroristischer Bedrohungen neuartigen Gefahren ausgesetzt."

Zivile Verteidigung

Jahresbericht Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Starker Andrang von Migranten: Essener „Tafel“ greift zu drastischem Mittel
75 Prozent der Kunden der Essener „Tafel“ waren zuletzt Migranten. Jetzt reagiert die Hilfsorganisation, die Lebensmittel an Bedürftige verteilt, darauf. 
Starker Andrang von Migranten: Essener „Tafel“ greift zu drastischem Mittel
Essener Tafel nimmt nur noch Deutsche auf
Essen (dpa) - Die Essener Tafel nimmt vorerst nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kartei auf. Grund sei, dass der Anteil der Migranten zuletzt auf drei …
Essener Tafel nimmt nur noch Deutsche auf
Kremlkritiker Nawalny vorübergehend in Moskau festgenommen
Moskau (dpa) - Der Kremlkritiker Alexej Nawalny ist rund drei Wochen vor der Präsidentenwahl vorübergehend in Moskau festgenommen worden. Ein Polizist habe ihn nach …
Kremlkritiker Nawalny vorübergehend in Moskau festgenommen
EuGH: Schwangere sind nicht vor Massenentlassungen sicher
Während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes sind Frauen vor Kündigungen geschützt - eigentlich. Doch es gibt Ausnahmen, wie ein europäisches Urteil zeigt. …
EuGH: Schwangere sind nicht vor Massenentlassungen sicher

Kommentare