+
Maskierte Menschen stehen Wache vor einer Kirche. Foto: Carlos Herrera

Nicaragua versinkt in Gewalt

Regierungsanhänger attackieren Priester und Journalisten

Das mittelamerikanische Land versinkt in Gewalt. Tag für Tag kommen Menschen bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, regierungsnahen Paramilitärs und der Polizei ums Leben. Der umstrittene Präsident Ortega will die Macht aber nicht abgeben.

Diriamba (dpa) - Mutmaßliche Anhänger der Regierung von Präsident Daniel Ortega haben in Nicaragua Geistliche und Journalisten angegriffen.

Die Täter drangen am Montag in die Basilika in Diriamba und schlugen auf ihre Opfer ein, wie der Fernsehsender Canal 15 berichtete. Der Weihbischof von Managua, Silvio Báez, und ein Reporter des Senders wurden dabei verletzt. "Was wir Bischöfe erlitten haben, ist aber nichts verglichen mit dem, was das Volk von Nicaragua in den vergangenen Tagen erlitten hat", sagte Báez.

Zuvor waren der Apostolische Nuntius in Nicaragua, Waldemar Sommertag, Kardinal Leopoldo Brenes und weitere Bischöfe nach Diriamba gereist, um sich ein Bild von den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Sicherheitskräften und regierungsnahen Schlägertrupps zu machen.

Bei den heftigen Tumulten wurden mehreren Journalisten zudem ihre Kameras und Telefone weggenommen. "Es gibt keine Worte, um das zu beschreiben. Sie haben keinen Respekt vor unseren Bischöfen und bestehlen Journalisten", sagte der Leiter der Menschenrechtsorganisation ANPDH, Álvaro Leiva. Auch in der Stadt Jinotepe griffen Regierungsanhänger eine Kirche an und warfen Büromaterial und Kirchenbänke auf die Straße.

"Die Regierung hat mit ihrer Unterdrückung alle Grenzen des Vorstellbaren überschritten. Das sind Kriminelle", sagte Azáhalea Solís von der Oppositionsbewegung Alianza Cívica. Die Regionalchefin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Erika Guevara-Rosas, verurteilte den Angriff auf die Priester und Journalisten.

Der Konflikt zwischen der Regierung und der Opposition in dem mittelamerikanischen Land eskaliert immer weiter. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten, Sicherheitskräften und bewaffneten Regierungsanhängern kamen am Sonntag mindestens zwölf Menschen ums Leben. Unter den Opfern waren auch zwei Polizisten. "Heiliger Gott. So viel Tod, so viel Schmerz. Stoppt diese Barbarei", schrieb der Bischof von Matagalpa, Rolando Alvarez, auf Twitter.

Vorgezogene Neuwahlen, wie von der Opposition gefordert, lehnt Präsident Ortega ab. "Wir können die Regeln nicht von einem Tag auf den anderen ändern, weil es einer Gruppe von Putschisten gerade so einfällt", sagte Ortega zuletzt vor Anhängern. Der Dialog zur Beilegung des Konflikt dürfte damit vorerst beendet sein.

Die jüngsten Proteste gegen die Regierung hatten sich im April an einer geplanten Sozialreform entzündet. Mittlerweile fordern die Demonstranten allerdings den Rücktritt von Ortega, ein Ende der Gewalt und eine freie Presse. Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften, regierungsnahen Paramilitärs und Regierungsgegnern kamen nach Angaben von Menschenrechtlern bereits mehr als 300 Menschen ums Leben. Die Regierung spricht von 47 Toten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Demonstrationen in neun Städten gegen Erdogan
Berlin (dpa) - Knapp eine Woche vor dem Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland wollen in neun Städten Gegner der türkischen Politik …
Demonstrationen in neun Städten gegen Erdogan
Papst besucht Baltikum - auch Gedenken an Holocaustopfer
Rom/Vilnius (dpa) - Papst Franziskus bricht heute (07.30 Uhr) zu seiner ersten Reise in die baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland auf.
Papst besucht Baltikum - auch Gedenken an Holocaustopfer
Was macht der nochmal? Wirtschaftsministerium blamiert sich mit Tweet
Neuer Umfrage-Schock für die große Koalition, die AfD ist dagegen weiter im Aufwind. Protest regt sich gegen SPD-Chefin Nahles. Angela Merkel trifft sich unterdessen mit …
Was macht der nochmal? Wirtschaftsministerium blamiert sich mit Tweet
Wegen Erdogan-Besuch: Fallen sogar Bundesligaspiele aus?
Der türkische Präsident Erdogan besucht Ende September Angela Merkel und hat eine Währungskrise zu meistern. Nun drohen sogar Bundesligaspiele auszufallen. Der …
Wegen Erdogan-Besuch: Fallen sogar Bundesligaspiele aus?

Kommentare