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Einmal tauschen, bitte: Michael Kretschmer (re.) kommt, Stanislaw Tillich geht.

Michael Kretschmer soll Ministerpräsident werden

Regierungswechsel in Sachsen: Gegenkurs zur Kanzlerin

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Mit Michael Kretschmer setzt die CDU in Sachsen ausgerechnet auf einen großen Wahlverlierer. Als neuer Ministerpräsident soll er die Wähler von der AfD zurückholen, ohne das bürgerliche Lager zu verprellen. Eine riskante Aufgabe.

München – Er hat das alles schon mal erlebt. Als die CDU 2004 in Sachsen krachend abgestürzt war, minus 13 Prozent bei der Landtagswahl, folgte Michael Kretschmer den Rufen seiner Parteichefs. Sie machten ihn zum Generalsekretär. Jetzt, nach dem nächsten Absturz, minus 16 Prozent bei der Bundestagswahl, folgt er wieder. Diesmal soll er Ministerpräsident werden. Auch wenn er das nie so sagt: Die Niederlagen der CDU sind Kretschmers große Siege.

Das Parteipräsidium hat sich festgelegt, auch die Landtagsfraktion ist nach einem Treffen einverstanden: Nach dem angekündigten Rückzug von Stanislaw Tillich soll Kretschmer, 42, ledig, zwei Söhne, am 9. Dezember das Amt des CDU-Landesvorsitzenden und vier Tage später des Regierungschefs übernehmen. Bei der Wahl braucht er auch fünf Stimmen vom Koalitionspartner SPD, dann wäre er einer der jüngsten Ministerpräsidenten. Nur Helmut Kohl (bei Amtsantritt 39) und Sigmar Gabriel (damals 40) waren früher dran. Klingt prima, doch Kretschmer ist in Wahrheit nicht nur Hoffnungsträger. Er ist mitverantwortlich für das Wahldebakel, er selbst hat sein Direktmandat an einen AfD-Kandidaten verloren. Wer ist der Mann, dem die CDU die Trendwende zutraut? Kann er regieren?

Für Kretschmer spricht, dass er ein Taktiker ist. Das kennen sie in Sachsen parteiübergreifend. Ihm gelingt das Kunststück, bei den Gemäßigten genauso beliebt zu sein wie bei den wütenden Merkel-Gegnern. Er agiert rechts, wird aber trotzdem als bürgerlich wahrgenommen: als Wirtschaftsliberaler, der auch mal Ungarn für den Grenzzaun gegen Flüchtlinge loben darf. Der die CDU für ihre Handlungsunfähigkeit gegenüber Pegida kritisiert und gleichzeitig im Pegida- und AfD-Jargon fordert, dass die Deutschen ihren „Schuldkult“ ablegen müssen. Er ist ein Mann, der Widersprüche vereint.

Dennoch: Bei der Bundestagswahl nützte das nichts. Kretschmer ist einer von dreien, die ihr Direktmandat an die AfD verloren. Ausgerechnet in Görlitz, seiner Heimatstadt, nach acht Jahren im Bundestag, vertrauten die Wähler lieber dem Malermeister Tino Chrupalla, einem unbekannten Gesicht, von vielen Medien als „Mister No-Name“ betitelt. Auf einmal war der gefeierte Generalsekretär, der sogar für das kommende Bundeskabinett gehandelt worden war, das große Opfer.

Kretschmer dachte eher an das Karriereende als an eine Beförderung. Sie ist aber ein kluger Schachzug. Die CDU in Sachsen hat wenige junge Köpfe, schon gar nicht so talentierte und gut vernetzte. Der Ziehsohn von Tillich habe „Charisma, stammt von hier“, sagt Bundesinnenminister Thomas de Maiziére, zunächst selbst als Ministerpräsident im Gespräch. „Ein echter Generationswechsel.“

Kretschmer versteht es, Netzwerke aufzubauen und zielstrebig zu sein. Seine Begeisterung für Politik begann mit den Friedensgebeten kurz vor der Wende 1989. Fünf Jahre später, mit 19 Jahren, saß er im Görlitzer Stadtrat. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen, machte Karriere in der Jungen Union, gewann 2002 sein Direktmandat. Eine Bilderbuchkarriere. „Er trifft den richtigen Ton“, sagt einer aus der CSU, der ihn gut kennt. „Alle dort waren schockiert, dass ausgerechnet er aus dem Bundestag geflogen ist.“

Nun muss der Hoffnungsträger den Kurs der CDU neu ausrichten, wenn nicht sogar erstmal festlegen: Tillich blieb ohne Kanten und bundespolitisch blass. Er war nicht für Merkel, aber auch nicht gegen sie. Er machte keine Fehler, war aber auch nie so ein beliebter Landesvater wie Kurt Biedenkopf, zuletzt ein erbitterter Tillich-Gegner. Auch Biedenkopf ist übrigens, wie sollte es anders sein, ein Kretschmer-Freund. Ihm gefällt der konservative Kurs. „Deutsche Werte“ und einen starken Rechtsstaat brauche es jetzt, sagt Kretschmer. Die CDU müsse zurück in die Mitte rücken – also nach rechts. Das klingt, als könnte es auch für Merkel unangenehm werden, als würde er versuchen, wieder die sächsische Stimme im Bund zu etablieren.

Eineinhalb Jahre Zeit hat Kretschmer für seine Rettungsmission, AfD-Wähler in Sachsen zurückzuholen. Dann sind Landtagswahlen. Ein drittes Mal dürften sie bei einer Niederlage nicht nach ihm rufen.

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