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Anträge von einem Tag bei der Registrierung in Presevo: Dieses Bild twitterte Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt Ende Oktober aus Serbien.

Westbalkan-Länder überfordert

Wo die Registrierung der Flüchtlinge hakt

München - Flüchtlinge auf der Westbalkan-Route: In fast jedem Land werden Migranten erfasst, aber das Verfahren ist höchst ineffizient.

Balkan sucht Neustart in Flüchtlingskrise

Balkan sucht Neustart in Flüchtlingskrise

Wie konnte ein Attentäter offenbar als vermeintlicher syrischer Flüchtling bis nach Paris gelangen? Offiziell werden die Flüchtlinge auf der Westbalkan-Route zwar quasi lückenlos registriert. Doch das stimmt nur bedingt: Alle Westbalkan-Länder sind mit einer ordentlichen Registrierung offensichtlich überfordert.

Zwar werden die Personalien in fast allen Ländern festgestellt. Auf der griechischen Insel Lesbos etwa hat die EU einen „Hotspot“ eingerichtet, wo Frontex-Beamte registrieren. Berichten zufolge läuft das Verfahren jedoch schleppend. Dabei müsste Griechenland als erstes EU-Einreiseland eigentlich eine ausführliche Registrierung vornehmen.

Das nächste Land, das kleine Mazedonien, registriert die Ankommenden gar nicht, sondern lässt sie ohne Erfassung weiterreisen. Im serbischen Presevo hingegen werden sie registriert – und warten stunden-, tagelang im Freien, weil zu wenig Beamte im Einsatz sind. Nur wer erfasst ist, bekommt für 35 Euro eine Busfahrkarte, die ihn bis Belgrad bringt. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Bundes-Grünen, twitterte kürzlich ein Foto, wie sich in Presevo nach nur einem Tag meterhoch Registrierungsanträge stapeln.

Von dort fahren die Flüchtlinge weiter nach Kroatien. Nur in Slavonski Brod scheint die Registrierung bislang systematisch zu funktionieren. 20 Beamte, drei Minuten pro Person: knapp drei Stunden für 1000 Flüchtlinge. In Slowenien und in Österreich hakt es hingegen enorm. Der neue Stacheldraht an Österreichs und an Sloweniens Grenze soll den Flüchtlingsstrom kanalisieren, so dass besser kontrolliert werden kann.

Registrierung bedeutet dabei nur: Name, Herkunft, Fingerabdrücke – es wird nicht überprüft, ob die Daten stimmen, und es es gibt keinen sofortigen Abgleich mit internationalen Datenbanken. Das geschieht oft erst in Deutschland im Zuge des Asylgesuchs.

Helfer von Nichtregierungsorganisationen fragen sich, warum Flüchtlinge in jedem Land, auch wenn es nur der Durchreise dient, ihre Daten angeben müssen. Das bremse den Durchfluss und führe dazu, dass Menschen lange unter schlimmsten Bedingungen warten müssten. Stattdessen solle die Registrierung in Griechenland oder der Türkei ausgebaut werden, fordern sie. Zudem sollten Länder und Behörden endlich effizient Informationen austauschen.

Fragt man serbische Beamte, warum sie registrieren, sagen sie: „Internationale Verpflichtung.“ Helfer vermuten, Serbien genüge einer EU-Forderung, um seinen Status als EU-Kandidat nicht zu gefährden. Warum registriert Kroatien? „Das ist unser Eigeninteresse“, sagt Jelena Bikic, kroatische Polizeisprecherin. „Jedes Land tut das.“  

chu

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