Delle oder Ungleichgewicht?

Rente mit 63 bremst Arbeitsmarkt

München – Neue Zahlen zur Rente mit 63 sorgen für Unruhe in der Koalition. Laut Bundesagentur für Arbeit bremst die Möglichkeit zur Frühverrentung den Aufschwung am Jobmarkt für Ältere.

Zuletzt gingen nur 0,45 Prozent mehr Ältere regulär arbeiten. Die Bundesregierung spricht von einer „Delle“. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagt, ihre Befürchtungen seien bestätigt.

Ende September 2014 gingen 1,79 Millionen Menschen zwischen 60 und 65 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, wie die „FAZ“ berichtete. Das waren nur noch 0,45 Prozent mehr als Ende Juni 2014. Im Vorjahr lag das Plus noch bei 2,8 Prozent.

Ein Sprecher von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte: „Dass die Rente mit 63 punktuell und vorübergehend eine gewisse Delle produziert, war völlig erwartbar.“ Längerfristig sei man „weiter auf dem Weg in eine Gesellschaft des längeren Arbeitens“. Zudem rücke der mögliche Beginn der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren stetig nach hinten. Ab 2016 gelte die Rente ab 63 Jahren und 2 Monaten.

Aigner warnte gegenüber unserer Zeitung, „ältere Fachkräfte mit ihrem Wissen und Können“ seien unverzichtbar. Sie forderte weitere Anreize für ein längeres Arbeiten im Alter. Sie klagte, es gebe in Berlin „in der letzten Zeit ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Sozial- und Wirtschaftspolitik“. Es sei an der Zeit, „sich wieder auf die wirtschaftspolitischen Notwendigkeiten zu konzentrieren“.

Der Münchner Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan, Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, merkt sarkastisch an, dass das Gesetz seinen Zweck genau erfüllt habe. Es sei allerdings paradox, dass die Regierung einerseits eine hohe Beschäftigung Älterer wolle, aber andererseits einen derartigen Anreiz für Frühverrentung setze. „Das ist ein großer beschäftigungspolitischer Fehler.“

Insgesamt haben bis Ende Februar 255 000 Menschen einen Antrag auf die abschlagsfreie Rente mit 63 gestellt.          

pew

Rubriklistenbild: © dpa

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