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Das Leben genießen -  immer mehr Menschen interessieren sich für die sogenannte Rente ab 63.

Verlockendes Angebot

Die Rente mit 63 boomt: Das müssen Sie wissen

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Mehr Zeit auch für die Enkel - auch das ist ein Anreiz, wenn es um die sogenannte Rente ab 63 geht. Doch es gibt Fallstricke. VdK-Experte erklärt, was Sie wissen müssen.

München - Arbeiten bis ins hohe Alter oder lieber als möglichst rüstiger Rentner noch ein bisserl das Leben genießen – sofern es die Gesundheit zulässt? Immer mehr Menschen interessieren sich für die sogenannte Rente ab 63. Bei dieser Variante können Versicherte, die mindestens 45 Jahre lang Rentenbeiträge bezahlt haben, ab 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Jetzt ist bei der Zahl der Anträge die Millionen-Marke geknackt worden.

Genauer gesagt haben seit Einführung der gesetzlichen Regelung zum 1. Juli 2014 bis Ende April dieses Jahres 1.005.777 Anwärter entsprechende Unterlagen abgegeben. In 985.299 Fällen wurde die vorgezogene, abschlagsfreie Rente genehmigt. „Die Nachfrage ist groß – auch in unserer Region“, bestätigt Jan Paeplow, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bayern-Süd, gegenüber der tz.

Das Schlagwort „Rente ab 63“ hat allerdings eher Symbolcharakter. Denn aufgrund einer Jahrgangs-Staffelung können Interessenten heute frühestens mit 63 Jahren und sechs Monaten, im ungünstigsten Fall sogar erst mit 65 Jahren den Job an den Nagel hängen (siehe Tabelle). Aber immerhin: in der Regel zwei Jahre früher als beim regulären Renteneintritt – für die Jahrgänge ab 1964 erst mit 67.

Insofern wird die „Rente ab 63“ von vielen als Erfolgsmodell bewertet, sie klingt nach einer attraktiven Möglichkeit, sich ohne finanzielle Einbußen früher aus dem Arbeitsleben zu verabschieden.

Abschlagsfreie Rente klingt verlockend

Aber kostet diese Lösung die Arbeitnehmer wirklich keinen Cent? Ganz so einfach ist es leider nicht, wie der Sozialverband VdK erläutert. „Der Begriff abschlagsfreie Rente klingt für viele Interessenten verlockend“, weiß Geschäftsführer Marian Indlekofer, dessen Rentenexperten-Team zahlreiche Anwärter beim Übergang in den Ruhestand berät. „Man verliert gegenüber dem regulären Rentenbeginn aber die Mehreinkünfte aus dem Arbeitslohn, den man bis dahin noch verdienen würde, sowie die späteren Einkünfte aus länger einbezahlten Rentenbeiträgen.“

Rente mit 63 ist ein Erfolgsmodell. 

Ein Rechenbeispiel: Ein Arbeitnehmer, der im Juni 1955 geboren worden ist, könnte zum 1. Januar 2019 abschlagsfrei in Rente gehen – im Alter von 63 Jahren und sechs Monaten. Sein regulärer Renteneintrittstermin wäre der 1. April 2021. Er würde also zwei Jahre und drei Monate früher zu arbeiten aufhören. Angenommen, er hätte über 45 Beitragsjahre die Abgaben des derzeit durchschnittlichen Bruttoarbeitslohn von 37.873 Euro einbezahlt, bekäme er eine monatliche Brutto-Rente von 1396,35 Euro. Davon müsste er noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abführen, sodass ihm unterm Strich 1239,96 Euro blieben. Würde er erst zum regulären Renteneintrittstermin den Job an den Nagel hängen, erhielte er monatlich 69,82 Euro mehr – und zwar bis an sein Lebensende. 

„Bei der Rente kommt es immer auf den Einzelfall an und eine Beratung sollte in jedem Fall erfolgen. Für viele Rentner, die im Arbeitsleben nur vergleichsweise wenig verdient haben, zählt jeder Cent. Deshalb können sich manche Menschen auch die vermeintlich abschlagsfreie ,Rente ab 63‘ gar nicht leisten“, so VdK-Kreisgeschäftsführer Indlekofer.

Rente mit 63: Die wichtigsten Infos für Interessenten

  • Welche Zeiten zählen zu den 45 Jahren? Angerechnet werden unter anderem: Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus Beschäftigung, Zeiten der geringfügigen, nicht versicherungspflichtigen Beschäftigung (anteilige Berücksichtigung), Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus selbstständiger Tätigkeit, Zeiten der Wehr- oder Zivildienstpflicht, Zeiten der Pflege von Angehörigen, Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes, Zeiten, in denen Arbeitslosengeld, Leistungen bei Krankheit oder Übergangsgeld bezogen wurden, Zeiten des Bezugs von Leistungen bei beruflicher Weiterbildung, Zeiten des Bezugs von Kurzarbeitergeld, Schlechtwettergeld und Winterausfallgeld.
  • Zählen Zeiten der Arbeitslosigkeit unbegrenzt mit? Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld werden zeitlich unbegrenzt berücksichtigt – in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn allerdings nur, wenn sie Folge einer Insolvenz oder vollständigen Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers sind.
  • Wird auf die Rente ab 63 ein Nebenverdienst angerechnet? „Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze kann neben einer Altersrente nur begrenzt hinzuverdient werden. Die Regelaltersgrenze steigt derzeit von 65 auf 67 Jahre. Abhängig von der Höhe des Hinzuverdienstes wird die Altersrente in voller Höhe (etwa bei einem 450-Euro-Job) oder als Teilrente (bei einem höheren Nebenverdienst) gezahlt. Wird die höchste Hinzuverdienstgrenze überschritten, erlischt der Anspruch auf die Rente. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze können Rentner ohne Auswirkungen auf die Altersrente unbegrenzt hinzuverdienen.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Ohne Abschläge früher in Rente

Frühzeitig volle Bezüge gibt es nur für die, welche mindestens 45 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt haben

Geburtsjahr

Regulärer Rentenbeginn im Alter von…

Eintrittsalter bei früherer Rente

1951 + 1952

65 Jahre + 6 Monate

63 Jahre

1953

65 Jahre + 7 Monate

63 Jahre + 2 Monate

1954

65 Jahre + 8 Monate

63 Jahre + 4 Monate

1955

65 Jahre + 9 Monate

63 Jahre + 6 Monate

1956

65 Jahre + 10 Monate

63 Jahre + 8 Monate

1957

65 Jahre + 11 Monate

63 Jahre + 10 Monate

1958

66 Jahre

64 Jahre

1959

66 Jahre + 2 Monate

64 Jahre + 2 Monate

1960

66 Jahre + 4 Monate

64 Jahre + 4 Monate

1961

66 Jahre + 6 Monate

64 Jahre + 6 Monate

1962

66 Jahre + 8 Monate

64 Jahre + 8 Monate

1963

66 Jahre + 10 Monate

64 Jahre + 10 Monate

ab 1964

67 Jahre

65 Jahre

Lesen Sie auch: Flexi-Rente: So kriegen Sie seit 2017 mehr Geld im Alter

Andreas Beez

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