Kanzlerkandidat spricht Klartext

Rente mit 68? Laschet schaltet sich in hitzige Diskussion ein - und vertritt eindeutige Meinung

  • Patrick Freiwah
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Die Debatte um die Rente mit 68 erhitzt die Gemüter. Mehrere Experten sehen Handlungsbedarf und fordern politische Maßnahmen. Nun schaltete sich Armin Laschet ein.

Update vom 10. Juni 2021: Kommt die Rente mit 68? Um dieses Thema laufen derzeit hitzige Diskussionen. Nun hat sich Unionskanzlerkandidat Armin Laschet zu dem umstrittenen Vorschlag geäußert - und einer Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 68 abgelehnt. „Die Rente mit 67 steht“, sagte der CDU-Vorsitzende. Eine Rente mit 68 sei ein Vorschlag eines wissenschaftlichen Gremiums gewesen. „Ich sehe nicht, dass das jetzt umgesetzt wird.“

Zuletzt war erneut eine Diskussion darüber entbrannt, ob das Renteneintrittsalter angehoben werden muss (siehe Erstmeldung vom 9. Juni). Wie Laschet erklärte, sei es eine große Leistung der Bundesregierung mit dem damaligen SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering gewesen, die Rente mit 67 zu beschließen. Man sei nun noch mitten in der Umsetzung. Er betonte: „Die Rentensysteme brauchen eine gewisse Verlässlichkeit.“

Klar sei, „dass wir irgendwann möglicherweise mal nachdenken müssen, auch Lebensarbeitszeiten zu verändern“ - derzeit aber stehe die Rente mit 67. Die neue Bundesregierung stehe vor der Aufgabe, das Rentensystem für die Zeit nach 2030 zu sichern.

Rente mit 68? Experten warnen Politik - „System fliegt uns um die Ohren“

Erstmeldung vom 9. Juni 2021: Berlin - Vor der Bundestagswahl ist ein heikles Thema auf die Agenda geraten - vielen Wahlkämpfern dürfte die Entwicklung alles andere als gelegen kommen: Das Thema Rente erhitzt ohnehin die Gemüter. Zum Wochenbeginn provozierten Berater von Peter Altmaiers (CDU) Wirtschaftsministerium hitzige Debatten. Sie erachten als notwendig, das gesetzliche Rentenalter auf 68 Jahre anzuheben.

Die Wirtschaftswissenschaftler fordern die Politik auf, vor den drohenden Problemen bei der Finanzierung der Rentenversicherung nicht die Augen zu verschließen. „Der demografische Wandel ist eben da“, erläuterte Axel Börsch-Supan, federführender Gutachter des Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium. Er macht sich für eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre stark. Ein wichtiger Grund: die steigende Lebenserwartung müsse auch einen späteren Renteneintritt nach sich ziehen.

Rente mit 68? Ökonom vergleicht drohende Gefahr mit dem Klimawandel

Der Ökonom vom Münchner Max-Planck-Institut äußerte sich auch im ZDF über das Thema Rente mit 68 und zog einen Vergleich mit dem drohenden Klimawandel - hier habe man sich ebenfalls lange gescheut, das Problem ernst zu nehmen. Laut Börsch-Supan, auch Professor an der TU München, fließen derzeit 28 Prozent des Bundeshaushaltes zusätzlich in Rentenzahlungen (und Pensionsansprüche). Er warnt, der Anteil könne bis auf die Hälfte des Staatshaushalts ansteigen - sofern angesichts der drohenden Probleme bei der Finanzierung keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

In der Bild prognostizierte der streitbare Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen dem einst unter Konrad Adenauer eingeführten System der Altersvorsorge den „Ruin“: „Die Bundesregierung kann jetzt nur noch zwischen Pest und Cholera wählen: Entweder hebt sie die Beitragssätze für die Rentenkasse an. Oder der Bundeszuschuss muss extrem wachsen.“ Wie auch immer sich die Politik entscheide: „Am Ende fliegt uns das Rentensystem um die Ohren“, ist der Ökonom der Uni Freiburg überzeugt. Raffelhüschen hatte bereits zum Jahreswechsel bei Merkur.de gewarnt, die letzten Großen Koalitionen hätten „die Wählermehrheit der Alten großzügig beschenkt“.

Erhöhung des Renteneintrittsalters: Notwendige Debatte - oder verfrühte Panikmache?

Ohnehin wird bis zum Jahr 2031 eine Anpassung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre stattfinden. Keine Notwendigkeit für eine neuerliche Angleichung des Eintrittsalters sieht jedoch der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. „Mir ist nicht ersichtlich, warum man jetzt schon darüber reden sollte, was danach passiert. Ob jemand in den 2030er-Jahren einen Monat früher oder später in Rente gehen darf, muss niemand zur Planungssicherheit bereits heute wissen“, erklärt er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er betont, dass sich Annahmen zur Entwicklung der Bevölkerung und Rente mit mehr als zehn Jahren Vorlaufzeit in der Vergangenheit schon oft als falsch herausgestellt hätten.

Altmaier selbst betonte indessen, es sollte seiner Ansicht nach bei der aktuell geltenden Anhebung auf 67 Jahre bleiben. Sein Ministerium verwies zudem darauf, dass der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium unabhängig sei und arbeite. „Die schrittweise Erhöhung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre bis 2031 fängt die steigende Lebenserwartung voll auf“, sagte auch SPD-Chefin Saskia Esken. Eine neue Studie hält allerdings sogar einen noch drastischeren Schritt für notwendig - die Heraufsetzung auf 70.

Dass das deutsche Rentensystem weitaus komplexer ist und aus mehreren Gründen renovierungsbedürftig, steht auf einem anderen Blatt. Dazu sorgte die CDU Ende 2020 mit dem Vorschlag eines Tabubruchs für Aufsehen. Zahlen künftig auch Beamte in die Rentenkasse ein? (PF mit dpa)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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