Markus Blumeführt die Junge Gruppeder CSU-Fraktion seit 2008

Junge Gruppe der CSU

Die Reserve-Regierung aus dem Keller

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München - Mit der Jungen Gruppe hat die Landtags-CSU wieder Führungsnachwuchs. Ministerpräsident Horst Seehofer will sie mit Bedacht befördern:

Sie tagten ab und zu in einem düsteren Gewölbe ein paar Schritte vom Maximilianeum entfernt. Der Weinkeller des Restaurants dort wäre die perfekte Kulisse für wilde Theorien zu konspirativen Treffen, geraunten Absprachen und Intrigen. Statt dessen bemühten sich die jungen Abgeordneten um den Eindruck größter Normalität. „Wir sind kein Karriereclub“, betonte ihr Vorsitzender wieder und wieder.

Bei aller Tiefstapelei: Der Club macht noch Karriere. Die „Junge Gruppe“ hat sich seit 2008 von einer belächelten Milchbubi-Runde zur Führungsreserve der CSU entwickelt. Anfangs musste das Eintrittsalter auf 40 gesetzt werden, so wenige junge Mitglieder hatte die überalterte Landtagsfraktion. Später wurde die Gruppe zu einem Ideengeber der Landespolitik. Ministerpräsident Horst Seehofer will dem Vernehmen nach mehrere Mitglieder ins nächste Kabinett berufen.

Sprecher ist der Münchner Markus Blume (38). Der Wirtschaftspolitiker, der sich vor dem Parlament ein Beratungs-Unternehmen aufbaute, spreizte sich vor allem für eine Digitalisierungs-Offensive ein. „Darum dürfen sich nicht irgendwelche Nerds kümmern“, befand er. Das Grundsatzpapier der Jungen Gruppe („Bayern 3.0“) soll zur Blaupause der Digital-Politik in der neuen Legislaturperiode werden, Seehofer versprach dafür über eine Milliarde Euro. Er schätzt Blume für sein sicheres Auftreten, den engen Draht zur Wirtschaft und das längerfristige Denken. Und musste oft heimlich grinsen, wenn Blume von Zeit zu Zeit den FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil attackierte („mehr Dynamik nötig“). Blume übernahm bald die CSU-Wirtschaftskommission nebenher.

Nicht jedes der etwa jährlichen Grundsatzpapiere der Jungen weckte Interesse. Aber fast alle aus der Gruppe stiegen in den Mittelbau der Fraktion auf; zunächst kaum beachtet. Der eher leise, verbindliche Wissenschafts- und Sozialpolitiker Oliver Jörg (41) aus Unterfranken übernahm 2011 den Hochschulausschuss. Der Freisinger Jurist Florian Herrmann (41) stieg zum Innenexperten auf, leitete den Mollath-Ausschuss sicher – ebenfalls kein Mann schriller Töne. Tobias Reiß (45) führte die Energiekommission. Landwirt Albert Füracker (45) fiel als Agrarexperte auf. Er trifft im tiefen Oberpfälzer Dialekt den Ton der Basis, nimmt sich viel Zeit für den Dialog: „Wir können lang diskutieren. Ich hab’ Ausgang bis zum Wecken.“

Die Liste lässt sich um Kerstin Schreyer-Stäblein (Soziales) ergänzen, um Georg Eisenreich (Bildung) und andere. Affärenfrei und ohne Tritte gegen Parteifreunde trat die Runde auf. Der programmatisch schwache Fraktionschef Georg Schmid („Schüttel-Schorsch“) brauchte ein Weilchen, um zu erkennen, dass ihm hier kein Putsch droht. (Er stürzte ja am Ende über eigene Gier.) Langfristig aber hat die Junge Gruppe andere starke Jahrgänge, etwa die Abgeordneten aus dem Wahljahr 1994, an Zukunftschancen übertroffen.

Seehofer will es mit den Karrieresprüngen aber nicht übertreiben. Er will einzelne Junge zunächst als Staatssekretäre berufen (oder Generalsekretär) statt als Minister. Seine eigene Lehrzeit bei Arbeitsminister Norbert Blüm, drei Jahre ab 1989, war für ihn prägend. Aus der Bundesregierung zeigt das Beispiel der Ministerin Kristina Schröder (CDU), wie eine junge Frau zu schnell zu hoch einsteigen kann – sie wirft nun zermürbt hin. Seehofer habe das, sagt ein Weggefährte, interessiert verfolgt.

Christian Deutschländer

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