Rettung des "Delphins"

- München - Mehr als zehn Jahre dauerte der Streit, doch die Entscheidung fiel binnen weniger Minuten: Exakt um 16.35 Uhr erteilten die Kultusminister dem knapp 300 Seiten starken "Wörterverzeichnis" ihren Segen. Sie stimmten damit den Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung zu. Aus der "gelben Karte" wird wieder die "Gelbe Karte", und der "Delphin" bleibt erhalten. Die reformierte Reform gilt ab 1. August verbindlich an Bayerns Schulen.

Mit ihrer Entscheidung wollen die 16 Kultusminister den "Rechtschreibfrieden" wieder herstellen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Bereits vor der Entscheidung hatten Reform-Gegner ihre Kritik erneuert. Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) zeigte sich dagegen zufrieden mit dem Beschluss. Endlich gebe es wieder eine einheitliche Rechtschreibung für alle Schulen. Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten als einzige Bundesländer bisher die verbindliche Einführung der Rechtschreibreform verweigert. Für die neuen Regeln gilt an den Schulen eine einjährige Übergangsfrist: "In dieser Zeit werden die Fehler angestrichen, aber nicht bewertet", sagte Schneider.

Mehr als ein Jahr hatte der Rat für deutsche Rechtschreibung die umstrittene Reform unter die Lupe genommen. Allerdings befasste sich das 39-köpfige Expertengremium nicht mit den von den Kultusministern als unstrittig deklarierten Bereichen wie den Laut-Buchstaben-Beziehungen ("Stängel"). Reform-Kritiker Theodor Ickler hatte daher vergangene Woche seinen Austritt aus dem Rat erklärt. Dieses unfertige Gebilde werde er nicht mittragen, so Ickler. Auch der deutsche Elternverein erneuerte seine Kritik und forderte die Kultusminister auf, die alte Rechtschreibung wieder an den Schulen zuzulassen. Die Kritik an der Reform wird somit wohl so schnell nicht verstummen.

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