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Nur Minderjährige durften bisher das Rettungsboot „Diciotti“ verlassen, das derzeit im Hafen von Catania in Sizilien liegt.

Harter Kurs Italiens

Rettungsschiff „Diciotti“: Kinder haben Festland betreten

Wegen Streitigkeiten um die Aufnahme von 177 Flüchtlingen des Schiffes „Diciotti“ durften bisher nur Minderjährige das Boot verlassen.

Update (23. August 2018): Nach tagelangem Warten durften die minderjährigen Migranten von Bord des Schiffes der italienischen Küstenwache. Die 27 Minderjährigen konnten in der Nacht zu Donnerstag im Hafen von Catania in Sizilien an Land gehen, wie italienische Nachrichtenagenturen berichteten.

Die übrigen der ursprünglich 177 Menschen, die die „Diciotti“ auf See aufgenommen hatte, durften allerdings weiterhin nicht aussteigen. Italiens Innenminister Matteo Salvini verlangt, dass auch andere EU-Länder Migranten von dem Schiff übernehmen.

Das Schiff liegt seit Montagabend in dem sizilianischen Hafen. Die Migranten waren am Donnerstag vor einer Woche aus Seenot gerettet

Update (22. August 2018): Von dem Rettungsschiff der italienischen Küstenwache, das im Hafen von Catania mit geretteten Migranten an Bord blockiert ist, dürfen nur Kinder an Land. Das sagte Innenminister Matteo Salvini am Mittwochabend in einem Facebookvideo. Die anderen der insgesamt 177 Migranten dürften keinesfalls von Bord. Laut Hilfsorganisationen sind rund 30 Minderjährige auf dem Schiff „Diciotti“.

Meldung vom 21. August 2018:

Catania - Nach mehreren Tagen im Mittelmeer ist ein Schiff der italienischen Küstenwache mit 177 Migranten an Bord im sizilianischen Catania eingelaufen. Allerdings dürfen die Geretteten das Schiff zunächst nicht verlassen, wie die Nachrichtenagentur Ansa in der Nacht zu Dienstag berichtete.

Salvini verlangt „Antworten von Europa“

Verkehrsminister Danilo Toninelli von der Fünf-Sterne-Bewegung hatte dem Schiff am Montag zwar die Erlaubnis für die Einfahrt in den Hafen gegeben. Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega will die Menschen allerdings nicht an Land gehen lassen, solange es keine „Antworten von Europa“ gebe, verlautete aus Kreisen des Ministeriums.

Unstimmigkeiten zwischen den Ministern wiesen Kreise des Verkehrsministeriums zurück. Letzteres sei für die Zuweisung eines Hafens zuständig, während „alles, was danach passiert“ in der Kompetenz des Innenministeriums liege.

Nach mehreren Tagen im Mittelmeer ist ein Schiff der italienischen Küstenwache mit 177 Migranten an Bord im sizilianischen Catania eingelaufen. Allerdings dürfen die Geretteten das Schiff zunächst nicht verlassen.

Italien hatte die EU-Kommission am Sonntag dazu aufgefordert, andere Mitgliedsstaaten auszumachen, die die im Meer Geretteten aufnehmen. Die Kommission ist einer Sprecherin zufolge daraufhin mit den EU-Staaten in Kontakt getreten. Seit Amtsantritt der neuen populistischen Regierung in Rom im Juni werden immer wieder Schiffe mit geretteten Migranten tagelang im Mittelmeer blockiert.

Ad-hoc-Verhandlungen zwischen EU-Staaten über die Verteilung von Flüchtlingen

Neben Italien weigert sich auch Malta, seine Häfen für sie zu öffnen. Die beiden Länder handelten in den vergangenen Wochen mehrmals ad hoc mit anderen EU-Staaten die Verteilung der Menschen aus. Auch Deutschland beteiligte sich daran.

Die „Diciotti“ hatte am Donnerstag 190 Migranten von einem Boot in der Such- und Rettungszone Maltas aufgenommen. Die Italiener brachten 13 Menschen, die dringende medizinische Hilfe benötigten, auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Die „Diciotti“ sollte die anderen Migranten nach Malta bringen. Dafür wurde ihr aber von Malta die Erlaubnis verweigert.

Hilfsorganisationen kritisieren diese Vorgehensweise nicht nur, weil die geretteten und oft traumatisierten und geschwächten Menschen lange auf Schiffen im Meer ausharren müssten. Sie befürchten auch, dass durch die Ungewissheit über einen sicheren Hafen die Bereitschaft der Schiffskapitäne sinkt, Menschen von seeuntüchtigen Booten aufzunehmen.

dpa

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