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Markus Rinderspacher führt seit 2009 die SPD-Fraktion im Landtag.

Interview

Rinderspacher (SPD) spottet über "Hühnerhaufen CSU"

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München - Nach einem von Ärger in der Opposition überschatteten Start wittert die SPD Morgenluft - und wird mutig. Ministerpräsident Horst Seehofer stehe vor dem Sturz, sagt Fraktionschef Markus Rinderspacher.

Der 44-Jährige aus München sieht schon die Messer in der CSU blitzen – ein Anblick, den er mag. Darüber sprach er mit dem Münchner Merkur.

Die CSU hat am Samstag Horst Seehofer einfach nicht gestürzt. Enttäuscht?

Herr Seehofer ist jetzt definitiv ein Mann der Vergangenheit. Seine Partei plant ohne ihn. Sein Ende wird schneller kommen, als er denkt. Seine Partei hat ihm ja sogar den Beschluss über den Zeitplan des Rückzugs verweigert. Ich gehe davon aus, dass die CSU schon in Kreuth Anfang 2015 die Messer wetzt. Sie befindet sich in zerfleischender Selbstbeschäftigung.

Seehofer sieht sich gestärkt durch die Klausur.

Das sieht er als einziger so. Er ist geschwächt, seine Regierungsmannschaft nach der Verwandtschaftsaffäre angezählt. Das ist eine wechselseitige Abhängigkeit der politisch Kraftlosen. Wenn ich mal vergleiche: Stoibers einjährige Abschiedstour 2007 erschien den Bayern quälend lang. Mit Seehofer 2014 erlebt der Freistaat eine politische Hängepartie, die wohl noch länger andauern wird.

Die Opposition hatte Stoibers Sturz durch Gedankenspiele beschleunigt, per Volksbegehren den Landtag aufzulösen. Gibt’s das wieder?

Die Frage stellt sich derzeit nicht. Die CSU hat einen Regierungsauftrag mit absoluter Mehrheit. 2018 werden die Karten neu gemischt – falls Herr Seehofer sich tatsächlich so lange halten kann.

Dass ein Politiker sein Ende ankündigt, aber nicht vorher abtritt, gab es doch oft. Bei Christian Ude zum Beispiel – was finden Sie schlimm daran?

Der Unterschied ist, dass Seehofer ein Opfer seiner permanenten öffentlichen Spielchen über seine Nachfolge wird. Seine Demütigungen der Parteifreunde werden zum Bumerang.

Seehofer will sich ändern, verspricht mehr Dialog. Freuen Sie sich doch mal – neulich saß er sogar in Ihrem Büro und sprach mit Ihnen über G8 und G9.

Die Frage ist, ob er noch die Kraft aufbringen wird, das politische Ziel – das Gymnasium zu entschleunigen – in Bayern durchzusetzen. Ich fürchte, es wird ausgehen wie bei seiner Regierungserklärung 2013. Da versprach er ein barrierefreies Bayern und ein 10 000-Dächer-Programm – die CSU-Fraktion hat für diese Projekte aber keinen Cent in den Haushalt eingestellt.

Er will stärker Außenpolitik betreiben. Sagen Sie mal was Nettes: Repräsentiert er Bayern wenigstens im Ausland zu Ihrer Zufriedenheit?

Außenpolitik ist wichtig, aber Priorität muss Bayern haben. Seit September haben gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Landesteilen Verfassungsrang. Darum sollte er sich vorrangig kümmern.

54 Prozent der Bayern finden, Seehofer mache seinen Job gut. Das ist doch eine Watschn für die Opposition!

Die Opposition arbeitet immer besser zusammen. Anders als die Regierung haben wir Tritt gefasst. Im Vergleich zum CSU-Hühnerhaufen präsentiert sich die Opposition geradezu als ein Muster an Ordnung, Disziplin und wertorientiertem Verantwortungsbewusstsein.

Interview: Christian Deutschländer

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