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Robert de Niro im Interview: „Trump ist die Pest für unser Land“

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Von: Marco Schmidt

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Robert De Niro kommt mit seinem neuen Film „Immer Ärger mit Grandpa" heiter daher. Viel düsterer werden seine Worte da schon beim Thema Donald Trump.

Marrakesch - Ein Mann, den man nicht mehr vorstellen muss: Robert De Niro gilt als einer der besten Schauspieler aller Zeiten. Ab 28. August ist sein neuer Film Immer Ärger mit Grandpa auf diversen Internet-Plattformen verfügbar, ab 10. September dann auch auf DVD. Beim Festival von Marrakesch, wo der 77-Jährige einen Ehrenpreis bekam, trafen wir ihn zum Interview.

Wie beginnt man als lebende Legende seinen Tag? Was frühstücken Sie normalerweise?

Robert De Niro: Nicht viel. Meistens nur einen Müsliriegel und einen Espresso.

Milch und Zucker?

De Niro: Ganz wenig Zucker. Und ein Schuss heiße Milch.

Tony Awards 2018: Robert De Niro hält eine Wutrede gegen Donald Trump.
Tony Awards 2018: Robert De Niro hält eine Wutrede gegen Donald Trump. © dpa / Michael Zorn

Robert De Niro: „Ich bin ein ziemlich sentimentaler Hund“

Das Getränk in der Tasse, die jetzt vor Ihnen steht, sieht eher aus wie Tee.

De Niro: Korrekt. Es ist Kamillentee. Koffein und Kamille sind für mich die perfekte Kombination, um durch den Tag zu kommen: Das eine gibt mir einen ordentlichen Energieschub, das andere beruhigt mich.

Man kennt Sie aus Ihren Kinofilmen als knallharten Kerl. Als Sie in Marrakesch Ihren Ehrenpreis entgegennahmen, kämpften Sie mit den Tränen. Verbirgt sich unter Ihrer Schale etwa ein weicher Kern?

De Niro: Ja, ich bin ein ziemlich sentimentaler Hund.

Sind Sie mit zunehmendem Alter emotionaler geworden?

De Niro: Oh, ich war schon in jungen Jahren verdammt emotional! Aber ich habe in der Tat festgestellt, dass ich sentimentaler bin als früher – vielleicht, weil mir jetzt bewusst ist, dass alles irgendwann zu Ende geht und man Dinge möglicherweise zum letzten Mal in seinem Leben macht.

Schon mal in Kollegin verknallt gewesen? Robert de Niro druckst herum

Haben Sie sich bei Dreharbeiten schon mal in eine Kollegin verknallt?

De Niro: Ach, wissen Sie… (druckst herum) Es ist nicht so, wie man sich das vielleicht als Außenstehender vorstellt. Beim Drehen von irgendwelchen Liebesszenen sind eigentlich alle Akteure gehemmt, weil immer so viele Leute drumherum stehen.

Haben Sie Regisseure erlebt, die sich am Set wie Tyrannen aufführten?

De Niro: Zu mir waren eigentlich alle immer ganz nett…

Vielleicht waren sie durch Ihre Präsenz eingeschüchtert.

De Niro: Hoffentlich nicht! Ich habe gar kein Interesse daran, jemanden einzuschüchtern. Wozu auch? Wir sollten uns doch alle gegenseitig unterstützen! Machtspielchen haben am Set nichts verloren – die Arbeit ist kompliziert genug.

Dabei haftet Ihnen der Ruf an, dass Sie es manchem Regisseur nicht gerade leicht gemacht haben.

De Niro: Wirklich? Ich finde nicht, dass ich schwer zu handhaben bin. Meine Philosophie war stets simpel: Dramen gehören auf die Leinwand, nicht an ein Filmset. Was auch immer du daheim für Probleme hast – lass sie gefälligst daheim! Ich war nie einer von den Stars, die Regisseuren grundlos das Leben zur Hölle machen. Wenn ich allerdings finde, dass etwas in die falsche Richtung läuft, dann äußere ich diese Meinung auch.

Robert de Niro über eine Filmrolle als Donald Trump: „Auf keinen Fall“

Martin Scorsese hat über Sie gesagt, Sie hätten in Ihren Filmen schon „Psychopathen, Soziopathen und alle möglichen anderen Arten von Paten“ gespielt. Würden Sie gern einmal Donald Trump verkörpern?

De Niro: Nein, auf keinen Fall. Für jede Filmfigur, die ich spiele, muss ich so etwas wie Mitgefühl empfinden können: Ich beschäftige mich so lange mit ihnen, bis ich etwas entdecke, das ich nachvollziehbar finde und an das ich emotional anknüpfen kann. Bei Trump versuche ich jeden Tag aufs Neue, mich in ihn hineinzuversetzen und etwas zu finden, das mir einen Funken Mitgefühl abringt, doch es gelingt mir nicht – der Kerl ist mir in jeglicher Hinsicht zutiefst unsympathisch. Er steht für Gier, Egozentrik und Fremdenhass.

Er ist nicht nur ein substanzloser Wichtigtuer und Hochstapler, sondern auch ein waschechter Rassist: eine Pest für unser Land. Natürlich verfügt er nicht über die geistigen Fähigkeiten, um größere Zusammenhänge zu begreifen, aber er zeigt ja noch nicht einmal ansatzweise den guten Willen, das Richtige zu tun und drängende Probleme zu lösen. Seine ganze Familie ist nichts weiter als ein korrupter Gangster-Clan. Doch während die meisten Ganoven, selbst die übelsten Mafiabosse, wenigstens noch so etwas wie einen Ehren- und Moralkodex kennen, hat Trump nichts dergleichen zu bieten: kein Gewissen, keine Ethik, keinen Sinn für Gut und Böse. Deshalb taugt er auch absolut nicht zu einer interessanten, vielschichtigen Bösewicht-Figur – er ist einfach nur banal. Ich verspüre wirklich nicht die geringste Lust, ihn jemals in einem Film zu verkörpern! - Interview: Marco Schmidt - *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Der US-Wahlkampf geht in die heiße Phase. Die ARD-Sendung „Hart aber fair“ diskutierte über Donald Trumps Amtszeit und seine Aussichten - und endete fast im Eklat.

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