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Roger Ponton erzählt im Landtag von "Herrn Doktor" und "Madame Haderthauer".

Ein skurriler Nachmittag

Er ist der Zeuge, der die Haderthauer-Affäre ins Rollen brachte

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München - Im Landtag läuft der Untersuchungsausschuss Haderthauer bisher eher etwas träge vor sich hin. Nun sagt der Zeuge aus, der die ganze Affäre ins Rollen brachte, in deren Verlauf die Ministerin stürzte. Es wird ein eher skurriler Nachmittag.

Der Zeuge ist derzeit schwerhörig, mangels Hörgerät, aber redefreudig. Roger Ponton weiß allerlei Anekdoten zu erzählen. Wie er fröhlich seine Autos verlieh („Ich habe ja sechs oder sieben“). Wie er mal durch seine Kontakte zum französischen Staatspräsidenten einen vom Zoll konfiszierten Mercedes freibekam („plötzlich war er wieder da“). Und wie er in eine Firma einen kleinen Haufen Geld pumpte („50.000 oder 100.000, oder 400.000, ich weiß es nicht mehr“). Im Landtag sorgt das für Heiterkeit, auf Interesse stößt allerdings nur die letzte Anekdote: Die Firma ist jene, die Ex-Ministerin Christine Haderthauer ihren Job kostete.

Ponton ist als Zeuge im Untersuchungsausschuss Haderthauer geladen. Der Franzose (86) ist eine der Schlüsselfiguren der Modellbauaffäre. Er ist der Geschäftspartner, der Unsummen in die Firma leitete, und sich später vom Ehepaar Haderthauer geprellt fühlte. Seine Anzeigen alarmierten die Staatsanwaltschaft und die Steuerbehörden und trieben die CSU-Ministerin zum Rücktritt.

Christine und Hubert Haderthauer.

Im Kern geht es um teure, extrem filigran gefertigte Modellautos, die von Straftätern in der Psychiatrie gebaut wurden – vor allem von einem verurteilten Dreifachmörder, der in den Bezirkskrankenhäusern Ansbach und Straubing untergebracht war. Pikant war das, weil Hubert Haderthauer Landgerichtsarzt ist und seine Frau später unter anderem Sozialministerin war. Machten sie mit der Firma hohe Gewinne und versteckte sie vor den Partnern und dem Fiskus?

Ponton lieferte die Anschubfinanzierung, vermutlich noch viel mehr. „Es kam Geld rein, aber die sagten immer, es fehle Geld“, erzählt er über die Haderthauers: „Ich vermute, die haben das auf die Seite gebracht.“ Er habe „Vertrauen in sie gesetzt, das wurde missbraucht“.

Ruhig spricht er vor den Abgeordneten, nennt ihn immer den „Herrn Doktor“ und sie „die Madame“. Was Ponton in seinem freundlichen Elsässer Dialekt jenseits seiner lustigen Anekdoten aussagt, lässt den Zuhörern aber mitunter die Haare zu Berge stehen. Er erzählt freimütig, wie der Dreifachmörder, um ihn bei Bastel-Laune zu halten, üppige Sonderbehandlungen bekam. Ponton sagt, wie er Zigaretten und Süßigkeiten in die geschlossene Abteilung brachte. Wie er den verurteilten Dreifachmörder und die Haderthauers häufig zum Essen in Ansbach ausführte. Und, Gipfel des Irrsinns: Wie er den Mörder in sein französisches Jagdrevier einlud, wo der Schrank mit den Waffen steht, und man gemeinsam mit einem unbewaffneten Zivilpolizisten und dessen Frau urlaubte. „Der war doch ein Schäfchen“, sagt Ponton über den bestialischen Gewalttäter.

„Dann ist ja schön, dass wir uns doch sehen“, kontert Ausschusschef Horst Arnold (SPD) leicht sarkastisch. Dem U-Ausschuss gibt die Zeugenaussage Arbeit auf, um die Zustände im Bezirkskrankenhaus zu untersuchen. Arnold nennt das einen „Saustall“. Ponton widerspricht nebenbei auch der Aussage von Ex-Ministerin Haderthauer, sie sei wenig eingebunden gewesen und es sei doch nur um ein ideelles Engagement gegangen. „Es war rein gemacht, um Geld zu verdienen. Für Therapie? Nie. Alles nur für Gewinn.“

Der U-Ausschuss wird noch einige Monate tagen. Politisch gab es bereits Konsequenzen: Haderthauer trat im Herbst 2014 als Staatskanzleichefin zurück, ist nun noch einfache CSU-Abgeordnete (und bleibt dem Ausschuss fern). Die juristischen Ermittlungen gegen sie und ihren Mann dauern an. Möglich, dass auch er seine berufliche Grundlage dadurch verliert. Die Ex-Ministerin rechnet aber weiterhin mit einer vollumfänglichen Auflösung der Vorwürfe. Sie sei Opfer von „Lügen“ und einer „Verleumdungskampagne“.

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