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Werden Schüler nie mehr sitzenbleiben?

Wiederholen wirkungslos

Experten fordern: Sitzenbleiben in der Schule gehört abgeschafft

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Klassenziel nicht erreicht? Schüler mit schwachen Leistungen müssen oft eine sogenannte Ehrenrunde drehen. Das Sitzenbleiben gehört aber abgeschafft, fordern Experten. 

München– Das Sitzenbleiben in den Schulen sollte in seiner althergebrachten Form abgeschafft werden. Das fordert die auf die Förderung sozial benachteiligter Kinder spezialisierte Roland-Berger-Stiftung in einem Papier zur „Schule 4.0“.

Das Wiederholen einer kompletten Jahrgangsstufe sei „weitgehend wirkungslos“ und teuer, heißt es zur Begründung. Nach einer Erhebung aus dem Schuljahr 2011/12 blieben in Deutschland 156.000 Schüler sitzen, andere Schätzungen sind noch höher. In Bayern waren es je Schulart zwischen 1,1 und 3,1 Prozent, insgesamt über 15.000 Kinder. An den Gymnasien ist die Zahl der Wiederholer zuletzt allerdings gesunken, auf nur noch 1,7 Prozent im vergangenen Schuljahr.

Sitzenbleiber kosten viel Geld

Sitzenbleiben sei „eine sehr teure Maßnahme“, sagt der Bildungsökonom des Ifo-Instituts, Ludger Wößmann. Die Kosten pro Sitzenbleiber werden auf 4200 Euro veranschlagt, das sind 655 Millionen Euro bundesweit. Dieses Geld könne besser verwendet werden, sagt Wößmann, etwa für Springer-Lehrer, die Kinder in Kleingruppen phasenweise gezielt Nachhilfe geben. Es mache mehr Sinn, Schüler nur in ihren schwächeren Fächern zu fördern. 

Wie holen Schüler Schwächen nach?

Die Berger-Stiftung schlägt einen Schulversuch zur sogenannten modularen Organisation des Unterrichts vor. Statt in Klassen sollten die Schüler in Fachmodulen unterrichtet werden – wer Schwächen habe, könne vorübergehend in ein Fachmodul einer unteren Klasse gehen, ohne auch alle anderen Fächer wiederholen zu müssen.

Das bayerische Kultusministerium reagiert skeptisch auf solche Vorschläge. Sitzenbleiben sei „die letzte aller möglichen Maßnahmen“, aber „im Kern ein pädagogisches Instrument“, erklärte eine Sprecherin. Es sei eine Chance, Wissenslücken in Kernfächern wie Mathematik oder Fremdsprachen zu füllen. Das Ministerium betonte aber, Ziel sei es, die Durchfallerquote zu senken.

Nie wieder Sitzenbleiben?

Der Bayerische Philologenverband (bpv) fordert schon 2012 die Abschaffung des Sitzenbleibens an Gymnasien in seiner bisherigen Form. Was der Verband stattdessen vorschlägt, lesen Sie bei Merkur.de.

Übrigens: Die meisten Bürger befürworten Schulnoten und Sitzenbleiben.

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