+
US-Präsident Barack Obama wird bei seinem ersten offiziellen Besuch in Vietnam begrüßt. Foto: Luong Thai Linh

Obama hebt in Vietnam Waffenembargo auf

Nach dem traumatischen Krieg ist Vietnam für US-Politiker bis heute kein leichtes Pflaster. US-Präsident Obama reicht in Hanoi die Hand und hebt ein Waffenembargo auf. Bei der Ankunft muss er schwitzen.

Hanoi (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat bei seinem ersten Besuch in Vietnam ein seit 50 Jahren bestehendes Waffenembargo aufgehoben.

Alle Bestellungen unterlägen aber weiter strikten Auflagen, betonte Obama heute bei einer Pressekonferenz mit dem vietnamesischen Präsidenten Tran Dai Quang. Das Lieferverbot bestand seit dem Vietnamkrieg, als die USA den Vormarsch der Kommunisten erfolglos zu stoppen versuchten. Die KP führt Vietnam bis heute mit eiserner Hand.

Die Maßnahme habe nichts mit chinesischen Aktivitäten im Südchinesischen Meer zu tun, sagte Obama. China unterstreicht dort mit Baumaßnahmen auf umstrittenen Atollen seine Hoheitsansprüche, auch nahe vor der vietnamesischen Küste.

Der US-Präsident war am Morgen in Sichtweite des Mausoleums von Revolutionsführer Ho Chi Minh mit militärischen Ehren empfangen worden. Bei sengender Hitze unter freiem Himmel übertönten Zikaden fast die Nationalhymnen. Während sich vor seinem Hotel schon am Morgen Hunderte Schaulustige versammelt hatten, war das Gelände rund um den Präsidentenpalast weiträumig abgesperrt. Kinder in den US-Farben Rot, Weiß und Blau begrüßten den Präsidenten mit Fähnchen.

Es ist der dritte Präsidentenbesuch seit Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen 1995, 20 Jahre nach Ende des Vietnamkriegs. Seitdem blüht der Handel zwischen den einstigen Erzfeinden. Die Kommunistische Partei pocht zwar weiter auf ihren alleinigen Führungsanspruch und Regimekritiker werden verfolgt. Die Wirtschaft wächst aber mit deutlich kapitalistischen Zügen rasant. Obama verlangte bei der Pressekonferenz neben Präsident Quang die Einhaltung der Menschenrechte. Länder, die Grundfreiheiten wie Meinungs- und Religionsfreiheit gewährten, genössen mehr Wohlstand.

Auf der Tagesordnung des dreitägigen Besuch stand die gemeinsame Sorge über Chinas Vorpreschen im Südchinesischen Meer. China beansprucht 80 Prozent des rohstoffreichen Seegebietes. Die Aufhebung des Waffenembargos war eine der Forderungen der Vietnamesen. Die USA wollten im Gegenzug auf Zugang ihrer Marine zumindest zu einem Hafen an der vietnamesischen Küste zu dringen. Von dem Stützpunkt beim Hafen Cam Ranh Bay am Meer gut 300 Kilometer nordöstlich von Ho-Chi-Minh-Stadt waren während des Kriegs amerikanische B-52-Bomber aufgestiegen, um kommunistische Stellungen zu bombardieren. Obama fliegt am Mittwoch weiter zum G7-Gipfel nach Japan.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Krawalle bei Demonstration in Athen
Jedes Jahr gedenken die Griechen an den Widerstand ihrer Jugend gegen eine Diktatur vor mehr als 40 Jahren. Alles verläuft friedlich - bis sich der schwarze Block von …
Krawalle bei Demonstration in Athen
Einigung bis Sonntagabend, oder Jamaika-Sondierung ist gescheitert
Die Entscheidung über eine Jamaika-Koalition fällt an diesem Wochenende. Sollte bis Sonntagabend keine Einigung zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen, bedeutet das das Ende …
Einigung bis Sonntagabend, oder Jamaika-Sondierung ist gescheitert
CSU machte vor zehn Jahren fatalen Fehler - und dieser könnte sich jetzt wiederholen
Der Machtkampf in der CSU sollte ruhen, solange Seehofer über Jamaika sondiert - doch seine Rivalen geben keine Ruhe. CSU-Vize Weber warnt davor, einen Fehler zu …
CSU machte vor zehn Jahren fatalen Fehler - und dieser könnte sich jetzt wiederholen
Tauber: Bei diesen Themen „noch mal hart miteinander ins Gericht gehen“
Die Jamaika-Sondierungsgespräche gehen am Freitag in eine weitere Runde. Einzelgespräche sollen helfen, um bis Sonntag fertig zu werden. Im News-Ticker bekommen Sie alle …
Tauber: Bei diesen Themen „noch mal hart miteinander ins Gericht gehen“

Kommentare