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Ruanda gedenkt der über 800.000 Menschen, die bei dem Völkermord vor 20 Jahren ums Leben kamen.

20. Jahrestag

Ruanda trauert um Völkermord-Opfer

Kigali - Die schrecklichen Bilder aus Ruanda sind unvergessen. Vor zwei Jahrzehnten metzelten extremistische Hutus in einem Blutrausch Hunderttausende Tutsis nieder. Das Land trauert bis heute.

20 Jahre nach dem beispiellosen Völkermord in Ruanda haben Überlebende im ganzen Land der Opfer gedacht. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete den Genozid am Montag bei einer Zeremonie im Nationalstadion der Hauptstadt Kigali als „einen der dunkelsten Momente in der Geschichte der Menschheit“. Die Massaker von Hutu-Milizen an der ethnischen Tutsi-Minderheit gelten als eines der schwersten Verbrechen aller Zeiten. Innerhalb von 100 Tagen wurden mehr als 800.000 Menschen auf brutalste Weise mit Macheten und Knüppeln ermordet.

Schwere Kritik gibt es bis heute an den Vereinten Nationen, die nicht in den Konflikt eingriffen und ihre Blauhelmsoldaten abzogen, als die Gewalt bereits begonnen hatte. „Die UN hätten viel mehr tun können, sie hätten viel mehr tun müssen“, erklärte Ban zum Beginn einer einwöchigen nationalen Trauerzeit. „Eine Generation später lastet die Scham weiter.“ Ruanda habe aber bewiesen, dass Veränderung möglich sei, betonte er.

Der ruandische Präsident Paul Kagame erinnerte daran, dass vor allem die Einteilung der Bevölkerung in eine Hutu-Mehrheit und eine Tutsi-Minderheit für den Völkermord verantwortlich war - diese hatten die belgische Kolonialmacht und französische Missionare vorangetrieben. „Das war das katastrophalste Vermächtnis der europäischen Kontrolle über Ruanda“, sagte er und fügte hinzu: „Kein Land - in Afrika oder sonst wo auf der Welt - darf je ein zweites Ruanda werden.“

Überschattet wurde die Gedenkfeier von einem heftigen diplomatischen Streit zwischen den Regierungen in Kigali und Paris. Kagame hatte Frankreich erneut vorgeworfen, eine aktive Rolle bei der Vorbereitung und Ausführung des Völkermords gespielt zu haben. Die französische Justizministerin Christiane Taubira sagte daraufhin kurzfristig ihre Reise zur Gedenkfeier ab. Stattdessen sollte Botschafter Michel Flesch an der Zeremonie teilnehmen. Er wurde allerdings am späten Sonntagabend von ruandischer Seite zur Persona non grata erklärt.

„Gestern um 22.30 Uhr hat mich der ruandische Außenminister angerufen und mich darüber informiert, dass ich für die Zeremonien nicht mehr akkreditiert bin“, sagte Flesch der französischen Nachrichtenagentur AFP am Montag in Kigali. Auf die Frage, ob er denn wenigstens am Nachmittag am Völkermord-Mahnmal von Gisozi einen Kranz niederlegen dürfe, habe der Minister mit „Nein“ geantwortet.

Die Kranzniederlegung an den Massengräbern der offiziellen Gedenkstätte in Kigali sowie die Übergabe eine „Flamme der Hoffnung“ an Kagame waren ebenfalls Teil der offiziellen Zeremonie. Die Flamme war seit Januar durch alle 30 Bezirke des „Landes der tausend Hügel“ getragen worden und soll nun 100 Tage lang brennen.

Auslöser des von langer Hand vorbereiteten Genozids war am 6. April 1994 der Abschuss des Flugzeuges, in dem der Hutu-Präsident Juvénal Habyarimana zusammen mit seinem burundischen Amtskollegen Cyprien Ntaryamira unterwegs war. Wer für die Tat verantwortlich war, ist bis heute nicht geklärt. Erst Mitte Juli gelang es der Tutsi-Rebellenarmee „Ruandische Patriotische Front“ unter Führung von Kagame, das Land wieder unter Kontrolle zu bringen.

Seither regiert der Präsident das Land mit eiserner Hand. Es ist ihm gelungen, die Bevölkerung zu versöhnen und Ruanda zum Vorreiterstaat im Bereich der Informationstechnologie und des Umweltschutzes zu machen. Schon vor Jahren wurden der Gebrauch und die Einfuhr von Plastiktüten verboten. „In den vergangenen 20 Jahren haben die Ruander wie eine Familie zusammengestanden“, erklärte Kagame. „Das war der Samen, der die Geburt des neuen Ruanda ermöglicht hat.“

dpa

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