Corona-Diagnose per Tweet verbreitet

Rudy Giuliani: Nach peinlichem Gerichts-Auftritt - Trumps Vertrauter erhält nächste Hiobs-Botschaft

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Rudy Giuliani hat es wieder auf die Spitze getrieben. Diesmal durch seine Auswahl an Zeugen eines angeblichen Wahl-Betrugs. Nun wurde der Auftritt durch eine beliebte Show parodiert.

  • Mit angeblichen Zeugen eines Wahl-Betrugs bei der US-Wahl 2020 wollte Trump Anwalt Rudy Giuliani den Senat Michigans überzeugen.
  • Auftritt endet für Trump-Kampagne zur Peinlichkeit.
  • Eine Zeugin trieb es soweit, dass offenbar selbst Rudy Giuliani sich distanzieren wollte.

Update vom 7. Dezember, 8.59 Uhr: Anwalt Rudy Giuliani meldet sich nach seiner Corona-Infektion auf Twitter zu Wort. „Ich werde großartig versorgt und fühle mich gut“, schreibt er. Die New York Times und der Sender ABC hatten am Sonntag unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, Giuliani sei ins Krankenhaus eingeliefert worden. Mit 76 Jahren gehört er zur Hochrisikogruppe.

Rudy Giuliani: Donald Trumps Anwalt offenbar mit Corona infiziert

Update vom 6. Dezember, 21.55 Uhr: Ein weiterer Rückschlag für Donald Trump: Rudy Giuliani, zuletzt die tragende Säule von Trumps verbliebenem Anwalt-Team, hat sich offenbar mit dem Coronavirus infiziert.

„Giuliani, bei Weitem der größte Bürgermeister der Geschichte von New York City, der unermüdlich gearbeitet hat, um die (mit Abstand) korrupteste Wahl in der Geschichte der USA aufzudecken, wurde positiv auf das China-Virus getestet“, erklärte Trump am Sonntag.

Der 76-jährige Giuliani leitet die rechtlichen Anstrengungen, das Wahlergebnis in den USA zugunsten Trumps zu kippen - bislang ohne nennenswerten Erfolg.

Angebliche Zeugin von Wahl-Betrug: Peinlicher Auftritt liefert Stoff für Sketche - „Ich habe Stimmzettel gegessen“

Update vom 6. Dezember, 10.15 Uhr: Wie ein Charakter aus der Late-Night-Show „Saturday Night Live“ sei sie, die angebliche Kronzeugin eines Wahl-Betrugs. Melissa Carone kam diese Woche durch ihren absurden Auftritt im Senat von Michigan zu unrühmlicher Bekanntheit. Am Mittwoch twitterte bereits ein Nutzer: „Saturday Night Live und Kate McKinnon werden damit viel Spaß haben!“

Das ließ sich die Show natürlich nicht zweimal sagen und startete erwartungsgemäß mit dem Auftritt Melissa Carones und Trump-Anwalts Rudy Giuliani durch. Dabei spielte besagte McKinnon den ständig pupsenden Giuliani - einer Videoaufnahme zufolge, so kursiert es in den sozialen Netzwerken, habe Giuliani während einer seiner Ansprachen gepupst. Daily Beast schrieb: „Es gab fast keine Möglichkeit, die Absurdität von Carones ‚Zeugnis‘ zu erhöhen, aber Cecily Strong tat alles, was sie konnte, indem sie sich durch Kommentare über das ‚Ende der Bedrohung‘ und die Unterzeichnung eines ‚After-David‘ schlängelte.“ „After-David“ soll offenbar einen Karikatur des „Affidavits“ sein, eine eidesstaatliche Erklärung. Sie habe direkt nach einem Mann namens David unterschrieben, so die Parodie-Carone.

Saturday Night Live: Beliebte Late-Night-Show parodiert Melissa Carone und Rudy Giuliani

„Ich persönlich sah hunderte, wenn nicht tausende tote Menschen wählen“, sagt Melissa Carone im Sketch. „Sie haben sie gesehen?“, wird daraufhin nachgefragt, was sie bejaht, sie habe sie reinlaufen gesehen und für Demokraten abstimmen. Darüber hinaus fuhr die Late-Night-Serie eine Vielzahl an weiteren fiktiven Zeugen eines Wahl-Betrugs auf. Darunter eine Frau, die folgendes behauptete: „Ich habe Stimmzettel gegessen.“ Weiter sagte sie: „Ich wollte es nicht, aber die Demokraten haben einen Food-Truck bereitgestellt“. Darin seien gewesen: „Stimmzettel-Sandwiches, Stimmzettel-Pizza, Stimmzettel-Steaks und Stimmzettel-Spaghetti.“ Ein anderer behauptete, er sei von Aliens entführt worden, die Briefwahl-Stimmen zugunsten des Demokraten Joe Bidens ausgefüllt hätten.

Bizarre Szenen im Senat von Michigan: Rudy Giuliani mit angeblichen Augenzeugen von Wahl-Betrug

Erstmeldung vom 4. Dezember, 12 Uhr: Lansing/Michigan - Selbst Trump-Anwalt Rudy Giuliani wurde es zu viel. Dem Mann, der in den vergangenen Wochen durch seine bizarren Auftritte und Verschwörungsmythen auffiel. Dass auch er ein Limit an verkraftbaren Absurditäten hat, bewies eine angebliche Zeugin von Wahl-Betrug bei einer Anhörung im Senat. Die scheinbar betrunkene Donald-Trump*-Anhängerin warf mit unbewiesenen Behauptungen und Beobachtungen um sich. Und unterbrach mehrmals einen Vorsitzenden des Senats von Michigan. An einer Stelle versuchte sogar Giuliani sie zum Schweigen zu bringen.

Eigentlich hatte die Trump-Kampagne vor, im Senat* des Bundesstaates Michigan besonders glaubhafte Zeugen eines Wahl-Betrugs bei der US-Wahl 2020* zu präsentieren. Doch dieser Schachzug endete für die Republikaner in einem Debakel. Was dem Senat und der Öffentlichkeit präsentiert wurden, war ein bunter Strauß an Behauptungen, die jeder Grundlage entbehrten. Eine Zeugin machte unter anderem mit einer rassistischen Aussage auf sich aufmerksam, in dem sie behauptete, alle Asiaten würden gleich aussehen, weshalb sie für die Wahl-Helfer nicht zu unterscheiden seien.

Zeugen wollen Wahl-Betrug bei US-Wahl beweisen: Trump-Anwalt Rudy Giuliani blamiert sich damit völlig

Ein Zeuge aus Michigan* sah einen Beweis für Wahl-Manipulation bei der Auszählung darin, dass der Raum zu heiß war. Warum, ließ er offen. Dass eine asiatisch gelesene Person Wahl-Stimmen brachte, war für eine Frau namens Vicky ein Zeichen von Betrug. Jemand anderes sprach darüber, dass Black-Lives-Matter-Demonstranten Strass bei der Stimm-Abgabe trugen. Punkt. Und eine Frau namens Terri hatte ein Video gesehen, in dem Wahl-Helfern gesagt wurde, sie sollten gemein zu ihr sein. Eventuell auf YouTube.

Aber den absoluten Höhepunkt dieser Show lieferte eine IT-Beraterin und Republikanerin* namens Melissa Carone, die am Mittwoch offenbar betrunken vor dem Untersuchungsausschuss aussagte. An einer Stelle versuchte Trump-Anwalt Rudy Giuliani sie zur Ruhe zu bringen und streckte den Arm nach ihr aus. Sie unterbrach mehrmals den Vorsitzenden Steven Johnson, sprach ohne Beweise von nicht-registrierten Wählern und fehlerhaften Wählerlisten - und sagte unter anderem bezüglich eines Umfrage-Buches des Landkreises: „Was habt ihr gemacht, ihr nehmt es und macht etwas Verrücktes daraus?“, was zu einem lauten Lachen aus dem Publikum führte. „Wissen Sie wie viele registrierte Wähler dort waren?“, führte sie weiter an und gab sogleich die Antwort: „Null“. Eine CNN-Kommentatorin, die die Szene beurteilet, sagte: „Es ist als würde man einen Sketch sehen. Und dann beginnt man zu erkennen, dass es real ist.“

Angeblicher Wahl-Betrug bei US-Wahl: Trump-Anhängerin sorgt mit Verschwörungsmythen für Aufsehen

Die Trump-Anhängerin fiel nicht zum ersten Mal mit Verschwörungsmythen auf. In einem interview bei Fox Business behauptete sie gesehen zu haben, wie Ersatz-Stimmen mit Vans, die Essen lieferten, hinein geschmuggelt wurden. Damit erstaunte Melissa Carone sogar Moderator Lou Dobbs, bekannt für die Verbreitung rechter Verschwörungstheorien. Die Ausführungen von Carone wurden später von einem Gericht des Wayne Counties als nicht glaubwürdig bewertet.

Rudy Giuliani ist Auftritt von Melissa Carone zu viel - distanziert sich - James Corden liefert Abreibung

Der Auftritt der Trump-Loyalisten im Senat von Michigan verbreitete sich rasant in den sozialen Medien, Twitter-Nutzer verglichen sie mit einem Charakter aus „Saturday Night Live“. „Tote haben gewählt und Illegale haben gewählt“, davon ist Melissa Carone überzeugt. Am Ende distanzierte sich Rudy Giuliani von ihr und sagte: Ich habe sie heute zum ersten Mal getroffen.“ Als Material für einen Sketch erkannte sie auch James Corden mit seiner „Late Late Show“. Als „Professor Giulianis crazy-talk-caravan“ bezeichnete Corden die Zeugen des Trump-Anwalts. Für Corden machte Rudy Giulianis Versuch - der Gerüchten zufolge auf eine Begnadigung hofft - sie zum Schweigen zu bringen Sinn, denn: „Er ist ein geduldiger Mann, aber er will nicht jemanden, der noch verrückter ist als er.“ (aka) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Donald Trump hat viel von „Wahlbetrug“* gesprochen. Doch der US-Präsident meint damit etwas anderes als gefälschte Stimmzettel, kommentieren Ivan Krastev und Stephen Holmes.

Rubriklistenbild: © Julio Cortez/dpa

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