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Und plötzlich ist er alleine. Georg Schmid, gescheiterter Fraktionschef der CSU, im verwaisten Konferenzsaal des Landtags.

CSU-Fraktionschef

Rücktritt von Schmid: Ende in Eiseskälte

München - Der Mann, der nichts Unrechtes getan hat, aber arg viel Falsches, tritt zurück. Trotzig und unter massivem Druck der Partei wirft Georg Schmid als Fraktionschef hin. Er hinterlässt einen Scherbenhaufen.

Als seine politische Welt zusammenbricht, hat sich Georg Schmid gut im Griff. Sehr gefasst und konzentriert sei er gewesen, sagen seine Parteifreunde, er habe sich zurückgezogen in sein Zimmer und entschieden: Aus. Schmid informiert den Ministerpräsidenten, fährt kurz rüber in die Staatskanzlei. Er lässt dann eine E-Mail vorbereiten: Völlig korrekt verhalten, volle Kraft für Bayern, aber Rücktritt, öffentliche Diskussion und so. Ehe sie versendet wird, verlässt er den Landtag unbemerkt.

Der Fraktionschef der CSU wirft hin, vorläufiger Höhepunkt der Affäre um die auf Steuerkosten angestellte Ehefrau. Anfangs war er einer von 17 Parteifreunden im Landtag, die ein Schlupfloch nutzten, um enge Verwandte zu bezahlen. Später musste er einräumen, der Firma seiner Frau jeden Monat bis zu 5500 Euro zugeschanzt zu haben, mit Steuer noch 1000 mehr. Legal, sagen Juristen. Dubios, wissen selbst CSU-Kollegen.

Affären: Diese Politiker sind NICHT zurückgetreten!

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Er sieht das nicht. „Rechtlich und politisch korrekt“ habe er sich verhalten, betont Schmid. Er konterkariert damit die Demut von Dienstag, als er Fehler eingestand. Trotz – oder wie ein Kollege wütet: „Der Schorsch hat den Schuss nicht gehört.“

Ein Schuss? Für Schmid ist in 24 Stunden sein politisches Fundament weggebrochen, eher eine Art Erdrutsch, den alle kommen hörten, nur er nicht, der leutselige Schwabe. Der Ministerpräsident wendet sich als Erster ab. In einer Sitzung spätabends in der Staatskanzlei findet Horst Seehofer deutliche Worte. „Er war aggressiv, nervös und wütend“, sagt ein Ohrenzeuge.

Intern soll Seehofer gesagt haben, Schmid könne die CSU den Wahlsieg kosten. Seehofer hasst diese Filz- und Amigosachen, er nennt sie „alte CSU“ und will selbst die neue CSU sein. Er hat auch keine Lust, sich von Schmids Pannen die Vorstandsklausur heute in Andechs versauen zu lassen, schlimmer noch: den großen Partei-Jubelkonvent am 3. Mai. Seehofer faucht, aber Schmid steht noch. Als Nächstes greift ihn sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Sie warnt vor weiterer Salami-Taktik beim Aufdecken der Affäre. „Überleg’s Dir, Georg“, er solle eine Nacht darüber schlafen.

Es muss schlimm sein auch am Donnerstag im Parlament. Schmids Tür steht sonst fast immer offen für die Abgeordneten, für einen Kaffee, für einen Rat, einmal Ausheulen. An diesem Donnerstag: Eiseskälte. In Gruppen stehen die CSU-Leute zusammen und raunen, Schmid sei nicht mehr zu halten. „Schnelle Lösung“, sagt einer der Vordersten. „Es wird nicht besser“, ergänzt einer der Jüngsten. Sie sind menschlich enttäuscht.

Fraktionsvize Alexander König, sein wichtigster Manager im Parlamentsbetrieb, ist einer derer, die ehrlich den Kontakt suchen. Am Vormittag lässt er sich zu Schmid verbinden – und legt ihm den Rücktritt nahe. „Hör selbst auf, bevor Du davongejagt wirst“, wird König zitiert. Schmid beendet das Telefonat scheinbar unbewegt. Vielleicht aber ist das der entscheidende Moment.

Schmid dämmert, was auf ihn zurollen würde. Täglich neue Fragen zu seinem Familienbetrieb: Steuer, Scheinselbstständigkeit, Gesamtsummen, die selbst bei freundlicher Schätzung an die Million ranreichen. Wird eine Rückzahlung fällig? Greift der Rechnungshof ein? Und wird Privates an die Medien lanciert? So was passiert in der CSU gern mal, bei Schmid wäre es sehr bitter geworden.

Rücktritt & Comeback: Diese Politiker haben es zurückgeschafft

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Am Ende stürzt Schmid, er stürzt davon und hinterlässt einen Kreis Vertrauter, die ihm so viel anderes geraten hätten, wenn er sie einmal gefragt hätte. Er geht auch nicht mehr in Würde. Schmid ist noch keine Stunde weg, da steht SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher vor vier Mikrofonen. Schmid habe „in unhygienischer Art und Weise“ gehandelt, sagt er ein ums andere Mal. Unhygienisch – ein Wort, als ginge es um eine Baustellentoilette.

Nun brauchen sie einen Neuen. Seehofer kann das den 92 Abgeordneten nicht dekretieren. Aber er mischt mit. Er will Minister Markus Söder nicht auf dieser Schlüsselstelle. Der Franke ist in der Fraktion bestens vernetzt, gäbe den Posten freiwillig lang nicht mehr her. Söder wäre ein Gegengewicht zur Staatsregierung. Das findet Seehofer nicht zwingend nötig.

Der stets loyale Staatskanzleichef Thomas Kreuzer wäre eine Alternative. Seehofer aber heckt anderes aus. Es ist 13.53 Uhr, als das Handy von Christa Stewens klingelt. Sie kommt aus einer Sitzung der Energiekommission, eine Runde, die dermaßen langweilig ist, dass selbst die Opposition sie boykottiert. Stewens ist immer tapfer da, ihre Ministerjahre in der Spitzenpolitik sind vorbei, sie lässt die Legislaturperiode ausklingen. Bis zu diesem Moment. Stewens schaut aufs Display, schmunzelt. „Grüß Dich, Horst“, sagt sie: „Ich ahne Schreckliches.“

Macht es Stewens? Hier lesen Sie mehr.

Christian Deutschländer

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