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Kadyrow lobt Cherson-Rückzug – und kritisiert Russlands Politik: „sinnlose Opfer für lautstarke Äußerungen“

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Von: Richard Strobl

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Ramzan Kadyrow lobte den Rückzug aus Cherson, kritisierte aber Russlands Militärführung - und damit indirekt auch Wladimir Putin. (Collage)
Ramsan Kadyrow lobt den Rückzug aus Cherson, kritisiert aber Russlands Militärführung – und damit indirekt auch Wladimir Putin. (Collage) © Collage: IMAGO / CHROMORANGE / ITAR-TASS

Russland hat den Rückzug aus Gebieten von Cherson bekannt gegeben. Putins „Bluthund“ Ramsan Kadyrow begrüßt das, kritisiert aber indirekt Putins frühere Militärführung.

Kiew/Moskau - Es wird als schwerer Schlag für Wladimir Putin im Ukraine-Krieg gewertet: Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat am Mittwoch den Rückzug der eigenen Truppen aus der südukrainischen Stadt Cherson und weiteren Teilen des dort besetzten Gebiets angekündigt.

Der Schritt kommt auf Anraten des neuen russischen Kommandeurs in der Ukraine, Sergej Surowikin, der sich zuvor den Beinamen „General-Armageddon“ verdient hat. Der sollte eigentlich die Wende für Putin bringen - in einem Krieg, in dem man zunehmend in die Defensive gedrängt worden war. Putin soll seinen Soldaten zuvor bereits Mitte September ein Rückzugsverbot erteilt haben. Schlechte Nachrichten wollte der Kreml-Chef angesichts der zunehmend negativen Stimmung im eigenen Land infolge der Teilmobilisierung offenbar vermeiden. Doch nun folgt der strategische Rückzug auf Anraten von Surowikin – zumindest vorerst.

Russland-Rückzug in Cherson: „Putins Koch“ lobt Surowikin

Spannend ist nun, wie diese Entscheidung Schoigus und Surowikins von den mächtigen Silowiki aufgenommen wird. Besonders Tschetschenen-Führer Ramsan Kadyrow und Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, gerieten zuletzt mehr und mehr in den Fokus. Sind sie doch in der luxuriösen Position, teils offen Kritik an Putin verüben zu können, da der Kreml-Chef auf ihre eigenständigen und meist besser ausgerüsteten Soldaten im Ukraine-Krieg angewiesen ist.

Beide lobten den Rückzug. Prigoschin, der sich als Lieferant der Kreml-Küche den Namen „Putins Koch“ verdient hatte, sagte der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti, dass es keine einfache Entscheidung sei. Sie zeige jedoch, dass die Militärführung Verantwortung für seine Soldaten übernehme. Er lobte Surowikin als Mann, der „keine Angst vor Verantwortung hat“.

Kadyrow nennt Rückzug „weitsichtig“ - und kritisiert Kreml offen

Noch deutlicher wurde „Putins Bluthund“ Ramsan Kadyrow. Via Telegram ließ er seine Anhänger wissen, dass er Surowikins Entscheidung „voll und ganz“ unterstütze. Der Rückzug habe Tausende Soldaten, die sich in der Einkreisung befunden hätten, gerettet. Der General habe eine „schwierige, aber richtige Wahl“ getroffen.

Doch im Gegensatz zu Prigoschin fügte Kadyrow eine deutliche Spitze in Richtung des Kreml und dessen Militärführung hinzu: Surowikin habe nämlich die „richtige Wahl zwischen sinnlosen Opfern für lautstarke Äußerungen und der Rettung von Soldatenleben getroffen“, schrieb er. Angesichts des Rückzugsverbots und der Kreml-Propaganda, die stets nur von Erfolgen berichtete, scheint klar, wen er mit den „lautstarken Äußerungen“ meint. Auch eine Drohung hatte Kadyrow parat, wie unter anderem kreiszeitung.de berichtet.

Dann legt Kadyrow nach: Cherson sei ein „schwieriges Gebiet“ ohne eine stabile Versorgungslage und eine starke Absicherung nach hinten. Offen fragt er: „Warum wurde dies nicht von den ersten Tagen des Sondereinsatzes an getan? Dies ist eine andere Frage.“ Angesichts der aktuellen Situation habe der relativ neue Kommandeur Surowikin nun aber „klug und weitsichtig“ gehandelt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kadyrow die Kreml-Politik offen kritisiert. Im September hatte er sogar damit gedroht, nach Moskau zu kommen und den Verantwortlichen von der Ukraine-Realität zu berichten. Zuletzt war er von Putin befördert worden, nachdem er das Vorgehen angeprangert hatte.

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