+
Boris Nemzow.

Ehrerbietung verweigert

Russische Abgeordnete: Keine Gedenkminute für Nemzow

Moskau - Keine letzte Ehrerweisung für ermordeten Oppositionspolitiker: Das russische Unterhaus hat eine Schweigeminute für Kreml-Kritiker Boris Nemzow abgelehnt. Lediglich zwei Abgeordnete erhoben sich am Dienstag.

"Nur ich und Waleri Subow sind aufgestanden, sonst niemand", schrieb der Oppositionspolitiker Dmitri Gudkow im Onlinedienst Twitter.

Gudkow hatte vorgeschlagen, die erste ordentliche Sitzung der Parlamentskammer seit der Tat zu nutzen, um an Nemzow zu erinnern. "Abgesehen davon, dass nicht jeder seine politischen Ansichten teilte, denke ich, dass es aus menschlicher Sicht richtig ist, ihn mit einer Schweigeminute zu ehren", erklärte Gudkow.

Duma-Präsident Sergej Naryschkin wies den Vorschlag zurück und verwies auf ein Kondolenz-Telegramm, das er der Familie geschickt habe. Auch der nationalistische Abgeordnete Wladimir Schirinowski lehnte den Vorstoß ab: "Jede Woche stirbt jemand. Sollte die Duma jedes Mal aufstehen?". Der Förderationsrat, das russische Oberhaus, hatte am 4. März eine Schweigeminute für Nemzow abgehalten.

Der 55-Jährige war am 27. Februar auf einer Brücke im Zentrum Moskaus erschossen worden. Der frühere Vize-Ministerpräsident war ein entschiedener Kritiker des Kremls und der russischen Ukraine-Politik. Fünf Tschetschenen wurden im Zusammenhang mit der Tat festgenommen. Der Hauptverdächtige gestand nach Darstellung der russischen Justiz eine Beteiligung an dem Mord. Nach Angaben der russischen Menschenrechtskommission erklärte er allerdings später, er habe sein Geständnis unter Folter abgelegt.

AFP

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Trump und Putin mit verkrampften Versuch des Neuanfangs
Russland jubelt, die USA kritisiert ihren Präsidenten: Das Treffen von Wladimir Putin und Donald Trump sollte einen Neuanfang symbolisieren. Das misslang völlig.
Trump und Putin mit verkrampften Versuch des Neuanfangs
Puigdemont ruft neue katalanische Separatistenbewegung ins Leben
Aus dem Exil gründet der ehemalige Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, eine neue separatistische Bewegung. Das Ziel ist eine katalanische Republik.
Puigdemont ruft neue katalanische Separatistenbewegung ins Leben
Abschiebung von Sami A. Tage im Voraus geplant
Den Islamisten Sami A. wollten Nordrhein-Westfalen und Innenminister Seehofer schon lange loswerden. Nun ist er wieder in Tunesien. Und die Zweifel am Vorgehen der …
Abschiebung von Sami A. Tage im Voraus geplant
Mays Brexit-Strategie stößt im Parlament auf Kritik
Vor einer Woche waren zwei Hardliner in der britischen Regierung im Streit um die Brexit-Pläne zurückgetreten. Und nun verärgert die Premierministerin die …
Mays Brexit-Strategie stößt im Parlament auf Kritik

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.