Homosexualität "tödliche Gefahr"

Russische Politiker wollen Gefängnis für bekennende Schwule

Moskau - Weil ihnen das Gesetz zum Verbot homosexueller "Propaganda" aus dem Jahr 2013 nicht weit genug geht, haben zwei Abgeordnete der russischen Kommunisten eine Neuregelung vorgeschlagen.

Demnach soll ein Bekenntnis von Schwulen zu ihrer Orientierung mit bis zu 15 Tagen Gefängnis bestraft werden soll. Die Abgeordneten Iwan Nikitschuk und Nikolai Arefjew stellten am Freitag einen Antrag vor, der zunächst eine Geldstrafe von 5000 Rubeln (72 Euro) für ein solches öffentliches Bekenntnis vorsieht. Erfolgt es in einer Bildungseinrichtung oder einem Regierungsgebäude, sollen zwei Wochen Gefängnis die Folge sein.

Die vorgeschlagene Neuregelung bezieht sich nur auf Männer, nicht auf lesbische Frauen. "Wir denken, dass Frauen vernünftiger sind als Männer und ihre Gefühle besser beherrschen", sagte Nikitschuk dem Sender Russkaja Sluschba. Wenn die "menschliche Fortpflanzung" bedroht sei, sei dies "gleichbedeutend mit dem Tod". Homosexualität sei also "eine tödliche Gefahr für die Menschheit". Das Gesetz aus dem Jahr 2013, das homosexuelle Propaganda unter Strafe stelle, habe sich als "wenig effizient" erwiesen.

Abgeordnete des Regierungslagers äußerten Zweifel, ob die vorgeschlagene Neuregelung beschlossen werden könne. "Wir können Menschen nicht zu 15 Tagen Gefängnis verurteilen, nur weil sie eingestehen", homosexuell zu sein, sagte der Abgeordnete des Regionalparlaments von St. Petersburg, Witali Milonow, der zu den Verfassern des Gesetzes aus dem Jahr 2013 gehört. Der Senator Alexej Alexandrow sagte, der Vorschlag einer Verschärfung gehe "zu weit". Er empfehle sowohl Homosexuellen als auch Homophoben, sie sollten "Ruhe geben".

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Obama verteidigt Strafnachlass für Chelsea Manning
Washington - US-Präsident Barack Obama hat seine Entscheidung für eine vorzeitige Haftentlassung der früheren Wikileaks-Informantin Chelsea Manning verteidigt.
Obama verteidigt Strafnachlass für Chelsea Manning
Stoltenberg: Cyberattacken auf die Nato nehmen zu
Berlin (dpa) - Die Nato wird nach Angaben ihres Generalsekretärs Jens Stoltenberg immer öfter zum Ziel von Cyberangriffen.
Stoltenberg: Cyberattacken auf die Nato nehmen zu
Oppermann: "Höcke ist ein Nazi"
Mit seiner Rede zum Umgang der Deutschen mit dem Holocaust-Gedenken hat der AfD-Politiker Björn Höcke viele Landsleute entsetzt. Ein Parteifreund sagt: Der …
Oppermann: "Höcke ist ein Nazi"
Kommentar zu Gauck-Rede: Warnruf zum Abschied
München - Gauck zeichnete in seiner Abschiedsrede ein skeptisches Bild von Deutschland. Es ist Zeit, dass die liberale Demokratie ihre Wehrhaftigkeit beweist, meint …
Kommentar zu Gauck-Rede: Warnruf zum Abschied

Kommentare