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Der russische Lenkwaffenkreuzer "Moskwa": Russland hält seit mehreren Wochen Militärmanöver weit außerhalb seiner Grenzen ab. Foto: Can Merey/Symbol

Muskelspiele Moskaus

Russische Kriegsschiffe im Ärmelkanal

Moskau/Berlin - Seit Wochen lässt Russland seine Kriegsmarine auf den Weltmeeren kreuzen. Zuletzt zeigte Putin, dass sein Arm bis Australien reicht. Zwar verstößt Russland gegen kein internationales Recht. Trotzdem regt sich der Westen auf.

Russland hat mit einer Übung der Kriegsmarine im Ärmelkanal seine seit Wochen andauernden militärischen Muskelspiele fortgesetzt. Der U-Boot-Zerstörer „Seweromorsk“ der russischen Nordflotte sowie weitere Schiffe passierten den Kanal zwischen dem französischen Calais und dem britischen Dover, wie die Marine mitteilte. Der Verband, zu dem auch das Landungsschiff „Alexander Otrakowski“, ein Schlepper und ein Tanker gehören, sei wegen eines Unwetters in die neutralen Gewässer einer Seine-Bucht eingelaufen, hieß es. Die Manöver gelten als Antwort Russlands auf ähnliche Übungen der Nato im Osten Europas.

Die Bundesregierung kritisierte die Übung mit Blick auf die im Konflikt um die Ukraine ohnehin gespannte Lage zwischen Russland und dem Westen. „Dieses Manöver, auch wenn es sozusagen in internationalen Gewässern stattfindet, ist nicht unbedingt ein Zeichen, um die Bereitschaft zur Deeskalation zu unterstreichen“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz am Freitag in Berlin.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums ergänzte: „So wie dieser Verband zusammengestellt ist, sieht es aus wie ein ganz normaler Übungsverband. Und insofern ist er für uns nicht weiter dramatisch. Und stellt auch dort keine besondere Situation dar.“

Die britische Marine wusste von dem Manöver und hatte die russischen Schiffe am Dienstag durch die Straße von Dover begleitet, bis sie französische Gewässer erreichten, wie das Londoner Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte. Alle Schiffe dürften nach internationalem Recht diesen Weg nehmen, sagte ein Sprecher.

Russland hält seit mehreren Wochen Militärmanöver mit verschiedenen Streitkräften weit außerhalb seiner Landesgrenzen ab - auch mit Langstreckenbombern. Die Nato hatte die Übungen als „ungewöhnlich“ bezeichnet. Allerdings halten sich die russischen Streitkräfte in neutralen Gewässern oder im internationalen Luftraum auf.

Russland will mit dieser Präsenz angesichts der schwersten Krise mit dem Westen seit dem Kalten Krieg militärische Stärke zeigen. Auch Nato-Staaten hatten zuletzt zum Ärger Russlands im Osten Europas immer wieder Manöver abgehalten, darunter auch in der Ukraine. US-Kriegsschiffe hatten sich wiederholt im Schwarzen Meer und damit auch in der Nähe Russlands aufgehalten. Russland kritisierte, dass die Schiffe sich dort länger als zulässig aufhielten.

Kremlchef Wladimir Putin erinnerte zuletzt daran, dass sich Moskau zu Zeiten des Kalten Krieges vor allem mit militärischen Drohgebärden Gehör und Respekt habe verschaffen können. Mitte November hatte die russische Marine auch Kriegsschiffe vor die Küste Australiens verlegt. Auf dem Kontinent hatte Putin am Gipfel der 20 führenden Industrienationen und Schwellenländer teilgenommen. Die australische Marine hatte die russischen Schiffe unter Beobachtung genommen.

Bei dem Manöver im Ärmelkanal spielen die Matrosen unter anderem Aufklärungseinsätze unter Wasser durch. Trainiert würden außerdem Gefahrenlagen bei Bränden an Bord oder bei Eindringen von Wasser im Fall eines Lecks, hieß es. Der von dem Kapitän zur See Alexander Peschkow kommandierte Schiffsverband war am 20. November aus dem Hafen der russischen Stadt Seweromorsk ausgelaufen.

dpa

Russische Nordflotte

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