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Türken schießen russischen Flieger ab

Kommentar zu Kampfjet-Abschuss: "Spiel mit dem Feuer"

Moskau/Ankara - Die Türkei hat am Montag einen russischen Kampfjet über Syrien abgeschossen. Lorenz von Stackelberg spricht in seinem Merkur-Kommentar von einem "Spiel mit dem Feuer".

Der Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch das türkische Militär ist zum einen das Resultat der explosiven Gemengelage aus unterschiedlichen Motiven, Interessen und Taktiken im Syrien-Konflikt. Zum anderen folgt er fast zwangsläufig aus den überbordenden Egos der beiden autokratischen Machtpolitiker in Moskau und Ankara.

Gefährlich für den Rest der Welt wird das Ganze durch Putins demonstrativen Weltmachtanspruch und seine einseitige Parteinahme für Syriens Diktator Assad, den Türken wie auch Amerikaner neben dem IS als Hauptfeind betrachten. Diese Konstellation verleiht dem unübersichtlichen militärischen Geschehen Züge eines Stellvertreter-Kriegs, der mit der direkten Konfrontation zwischen Russland und dem extrem breitspurig auftretenden Nato-Partner Türkei jetzt das transatlantische Bündnis erreicht hat.

Man kann zwar davon ausgehen, dass weder Moskau noch Ankara den Konflikt allem Theaterdonner zum Trotz auf die Spitze treiben wollen, zumal der Abschuss sich kaum exakt rekonstruieren lässt und das Risiko von Missverständnissen und Pannen wegen der Vielzahl der Militäroperationen immens ist. Außerdem mehren sich Hinweise darauf, dass Moskau unter dem Eindruck der jüngsten Terroranschläge seine Position im Syrien-Konflikt zu überdenken beginnt. Gleichwohl scheint sich der Vorfall in das typische Handlungsmuster aus Kommunikationsverweigerung und Provokation zu fügen, mit dem der Kremlchef seine Luftstreitkräfte schon auf die westlichen Sanktionen in der Folge der Krim-Annexion reagieren ließ.

Immer wieder kam und kommt es im europäischen Luftraum zu brisanten Begegnungen mit russischen Militärmaschinen, deren Piloten den Funkkontakt verweigern und gewagte Manöver fliegen. Der Zwischenfall im türkisch-syrischen Grenzgebiet macht schlaglichtartig deutlich, wohin Putins Spiel mit dem Feuer führen kann.

"Eine heikle Angelegenheit": Interview mit Dr. Marcel Dickow, Sicherheitsexperte Stiftung Wissenschaft und Politik

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