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Die Gesandten aus dem Konsulat in San Francisco sollen künftig in der Botschaft in Washington mitarbeiten. Foto: Garance Burke

Diplomatische Krise

Russisches Konsulat in San Francisco geräumt

Kisten und Koffer vor dem russischen Konsulat in San Francisco: Die USA hatte Russland am Donnerstag aufgefordert, das dortige Konsulat sowie diplomatische Abteilungen in New York und Washington zu schließen. Die Frist lief am Samstag ab.

San Francisco/Moskau (dpa) - Räumung des russischen Konsulats in San Francisco und der Handelsvertretungen in New York und Washington: Bis zum Samstagabend (Ortszeit) mussten die Gebäude im diplomatischen Streit zwischen Moskau und Washington geschlossen werden.

Man werde diese Frist einhalten, sagte der stellvertretende Konsul Andrej Warlamow in San Francisco am Samstagnachmittag (Ortszeit) dem "San Francisco Chronicle". Nach seinen Angaben hätten bereits Mitarbeiter des US-Außenministeriums am Samstag das Gebäude inspiziert. 

Das russische Außenministerium bestellte am Samstag Anthony Godfrey, die Nummer 2 der US-Botschaft in Moskau, ein und überreichte ihm eine Protestnote wegen der angekündigten Durchsuchungen. Am späten Abend berichteten russische Medien, dass die US-Behörden bereits die Kontrolle über die Handelsvertretung in Washington übernommen hätten. Zwei russische Botschaftsmitarbeiter seien bei der Durchsuchung zugelassen gewesen, meldete die Agentur Interfax.

Wie es aus Diplomatenkreisen hieß, sollen die Gesandten aus dem Konsulat in San Francisco künftig in der Botschaft in Washington mitarbeiten. In San Francisco waren demnach 35 russische Diplomaten stationiert. Niemand werde des Landes verweisen, hieß es nach Agenturberichten.

Kurz vor der Schließung des russischen Konsulats in San Francisco hatte sich der Streit zwischen Russland und den USA weiter zugespitzt. Außenamtsprecherin Maria Sacharowa kritisierte am Freitag die drohende Durchsuchung als "Invasion unserer konsularischen Einrichtungen". "Mit solchen empörenden Aktionen belasten die USA die ohnehin angespannte Atmosphäre des bilateralen Dialogs und behindern die weiteren Kooperationsmöglichkeiten", sagte sie.

Am Freitag hatten auch Berichte über schwarzen Rauch über dem Konsulat für Aufregung gesorgt. Wegen des Qualms war die Feuerwehr angerückt; sie musste aber nicht eingreifen, weil der Rauch aus dem Schornstein kam. Es führte aber zu Spekulationen, was dort verbrannt worden sein könnte.

Nach Warlamows Angaben hätten die Mitarbeiter zahlreiche Visa-Unterlagen mit vertraulichen Dokumenten von Amerikanern und Russen verbrennen müssen. "Wir hatten nicht genug Zeit, alles einzupacken. Wir mussten sie (die Dokumente) vernichten", wurde der stellvertretende Konsul am Samstag vom "San Francisco Chronicle" zitiert. Die Vertretung in San Francisco habe im vorigen Jahr rund 16.000 Touristenvisa für Amerikaner und 8000 Pässe für Russen ausgestellt, hieß es.

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