+
Auftanken in der Luft: Zwei russissche Kampfjets hängen an einer Versorgungsmaschine. Foto: Scanpix/Norwegian Air Force 331/332-Squadron

Nato meldet ungewöhnliche Flüge der russischen Luftwaffe

Brüssel (dpa) - Angesichts des schwelenden Ukraine-Konflikts demonstriert Russland erneut militärische Stärke. Die Nato beobachtete außergewöhnlich umfangreiche Manöver der russischen Luftwaffe über den europäischen Meeren.

Am Dienstag und Mittwoch flogen demnach Langstreckenbomber und Kampfjets im internationalem Luftraum über der Nord- und Ostsee, dem Schwarzen Meer und dem Atlantik. Zwei Bomber drangen laut Nato sogar bis westlich von Portugal und Großbritannien vor. Am Donnerstag testete Moskau zudem eine mit Atomsprengköpfen bestückbare Interkontinentalrakete.

Kurz vor den russischen Manövern hatte der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag darauf hingewiesen, dass die Zahl der Nato-Jets im Luftraum der östlichen Alliierten in den vergangenen Monaten verfünffacht wurde.

Ziel sei es, die durch Russlands Verhalten in der Ukraine-Krise besorgten Nato-Partner wie die Balten und Polen zu beruhigen. Zudem hat die Allianz unter anderem weitere Nato-Schiffe ins Schwarze Meer geschickt.

Hintergrund der gewachsenen Spannungen ist der Ukraine-Konflikt. Der Westen und die Nato werfen Russland vor, die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim völkerrechtswidrig annektiert zu haben und die prorussischen Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg sagte mit Blick auf die aktuellen Luftmanöver er in Athen, die Nato müsse wachsam bleiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte gelassen auf die russischen Flugmanöver. "Ich bin jetzt akut nicht besorgt, dass hier eine Verletzung des Luftraums stattfindet", sagte die CDU-Vorsitzende in Berlin. In den letzten Monaten seien insgesamt sehr starke Übungsaktivitäten der russischen Streitkräfte zu beobachten gewesen.

Nach Nato-Angaben wurden in diesem Jahr bereits 100 Mal russische Flugzeuge von Nato-Jets im europäischen Luftraum eskortiert, dreimal so viel wie im vergangenen Jahr. So soll verhindert werden, dass feindliche Flugzeuge in den Nato-Luftraum eindringen. In der vergangenen Woche war nach Nato-Angaben ein russisches Aufklärungsflugzeug bei Estland in den Luftraum des Bündnisses eingedrungen.

Die russische Rakete vom Typ Bulawa - der NATO-Code lautet SS-N-30 - schlug punktgenau auf der Halbinsel Kamtschatka im äußersten Osten Russlands ein, wie Vize-Verteidigungsminister Juri Borissow russischen Agenturen zufolge sagte. Ein Atom-U-Boot hatte das Geschoss am Mittwoch aus der Barentssee abgefeuert. Die Rakete habe "wunderbar funktioniert", sagte Borissow. Auch ein Frühwarnsystem sei dabei getestet worden.

Nachdem die Nato am Dienstag und Mittwoch russische Flugzeuge geortet hatte, stiegen vorsorglich unter anderem norwegische, britische, portugiesische und deutsche Nato-Kampfjets auf. Die Nato kritisierte, die russischen Flugzeuge hätten teilweise weder Flugpläne übermittelt noch Funkkontakt mit der zivilen Flugsicherung gehalten. Zum Teil seien zudem die Transponder abgeschaltet gewesen. Diese übermitteln als automatischer Signalgeber den Fluglotsen wichtige Angaben zu einem Flugzeug, wie etwa Position, Kennung oder Typ. Dieses Verhalten stelle ein potenzielles Risiko für die zivile Luftfahrt dar, beklagte die Nato.

Bei den Einsätzen am Mittwochnachmittag waren den Nato-Angaben zufolge acht russische Flugzeuge über der Nordsee, mehrere über der Ostsee sowie vier über dem schwarzen Meer identifiziert worden. Am Vortag identifizierte die Nato demnach sieben Flugzeuge der russischen Luftstreitkräfte über der Ostsee.

Die Deutsche Flugsicherung betonte, diese Flüge seien "völlig legal" gewesen. Die Bomber und Kampfjets hätten sich in internationalem Luftraum bewegt, sagte DFS-Sprecher Axel Raab in einem Interview mit dpa-audio. Die Russen seien auch nicht verpflichtet, ihre Transponder einzuschalten oder einen Flugplan mitzuteilen. Für die zivile Luftsicherung sei diese Situation aber "nicht sehr schön", weil die Militärflugzeuge nicht unbedingt auf ihren Radargeräten sichtbar seien. Deswegen begleiteten in solchen Fällen oft Nato-Flugzeuge mit eingeschaltetem Transponder die Russen. Die Nato-Jets seien für die zivile Flugsicherung gut sichtbar, die Lotsen könnten zivilen Maschinen dann notfalls Ausweichrouten angeben.

Website des militärischen Nato-Hauptquartiers

Mitteillung des militärischen Nato-Hauptquartiers

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Palästinensische Polizei hilft israelischen Kollegen: Gestohlene Tora-Rollen wieder da
Diese schöne Meldung weckt Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenleben im Heiligen Land: Die palästinensische und israelische Polizei arbeiteten nun zusammen in einem …
Palästinensische Polizei hilft israelischen Kollegen: Gestohlene Tora-Rollen wieder da
Jamaika-Verhandlungen gehen in Verlängerung - „Die FDP würde Ja sagen“
Bei den Jamaika-Sondierungen soll es heute einen „letzten Versuch“ für eine Einigung geben. Alle aktuellen Informationen im News-Ticker.
Jamaika-Verhandlungen gehen in Verlängerung - „Die FDP würde Ja sagen“
Spanischer Politiker: Menschenhändler starten „koordinierten Angriff“ auf unsere Küste
Spanien erlebt seit diesem Wochenende einen für das Land ungewohnt großen Flüchtlingsansturm. In der Region Murcia herrscht Alarmstimmung. 
Spanischer Politiker: Menschenhändler starten „koordinierten Angriff“ auf unsere Küste
Machtkampf in der CSU um Seehofers Erbe eskaliert
Mitten in der Schlussphase der Jamaika-Sondierungen erreicht der Machtkampf um Horst Seehofers Erbe in Bayern einen neuen Höhepunkt. Die Spaltung der Partei wird von Tag …
Machtkampf in der CSU um Seehofers Erbe eskaliert

Kommentare