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Laut russischer Experten ist der vor neun Jahren verstorbene Palästinenserführer Arafat nicht mit Polonium vergiftet worden.

Russland: Arafat wurde nicht vergiftet

Moskau - Der Verdacht auf eine Vergiftung des 2004 gestorbenen Palästinenserführers Arafat mit Polonium lässt sich nicht halten. Das sagen russische Fachleute. Ein Artikel in einem Fachmagazin sorgt zwischenzeitlich für Verwirrung.

Russische Experten haben keine Spuren des radioaktiven Gifts Polonium 210 im Leichnam des 2004 gestorbenen Palästinenserführers Jassir Arafat gefunden. „Er kann nicht mit Polonium vergiftet worden sein“, sagte Wladimir Ujba, Chef der staatlichen biologisch-medizinischen Agentur, am Dienstag in Moskau. Die Experten hätten keine Spuren dieser Substanz entdeckt. Arafat war am 27. November 2012 in Ramallah exhumiert worden. Die Palästinenser hatten behauptet, dass Israel ihren Präsidenten vergiftete.

Außer russischen Experten hatten auch je ein Team aus der Schweiz und aus Frankreich bei der Öffnung von Arafats Grab Gewebeproben für eine Untersuchung entnommen. Deren Ergebnisse wurden jedoch noch nicht präsentiert. Nur die rechtmäßige palästinensische Führung könne die Informationen veröffentlichen, zitierte die Agentur Interfax einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Außenministeriums in Moskau.

Ujba fügte hinzu, die russischen Spezialisten hätten eine genaue Expertise angefertigt und zudem regelmäßig das Außenministerium in Moskau über ihre Erkenntnisse informiert. Zur Frage, warum das Ergebnis viel später als ursprünglich angekündigt veröffentlicht wurde, gab es keine Auskunft. Im vergangenen November war von drei bis vier Monaten die Rede gewesen.

Israel wollte sich am Dienstag nicht zu dem Bericht aus Moskau äußern. „Es gibt nichts Neues zu sagen“, teilte ein Sprecher des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit. Das Außenministerium in Jerusalem wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben. „Wir wollen die Palästinenserbehörde erst reagieren lassen“, sagte ein Sprecher.

Der Verdacht, Arafat könnte mit Polonium vergiftet worden sein, war durch Untersuchungen von einigen seiner persönlichen Gegenstände durch das Institut für Radiophysik des Universitätsklinikums in Lausanne (CHUV) im Juli 2012 aufgekommen. Experten des CHUV hatten dabei unter anderem Unterwäsche und eine Mütze untersucht, die Arafat kurz vor seinem Tod getragen haben soll. Daran hatten sie erhöhte Werte von Polonium 210 festgestellt. Auch an Arafats Zahnbürste sowie an den Haaren waren Spuren des radioaktiven Isotops gefunden worden.

Allerdings hatten die Wissenschaftler auch darauf hingewiesen, dass diese vorläufigen Ergebnisse keine Beweise für eine Vergiftung Arafats seien. Seine Witwe Suha reichte Ende Juli 2012 wegen der Hinweise aus Lausanne in Frankreich Klage ein wegen des Verdachts auf Vergiftung.

Das Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ sorgte mit einem am Samstag veröffentlichten Artikel für Aufsehen. Demnach hätten Schweizer Wissenschaftler an Hand der 2012 an Arafats persönlichen Gegenständen gefundenen Polonium-Mengen berechnet, dass der Palästinenserführer acht Jahre zuvor mehrere tödlich wirkende Mengen von Polonium erhalten haben könnte. Dies seien allerdings nur wissenschaftliche Schlussfolgerungen ohne konkrete Beweise einer Vergiftung.

dpa

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