1. Startseite
  2. Politik

Stimmungswandel im russischen TV? Experte zerreißt Putins Strategie - Moderator warnt vor Russlands „Tod“

Erstellt:

Von: Linus Prien

Kommentare

Wladimir Solowjow sitzend beim Moscow Urban Forum 2021
Wladimir Solowjow © Sergei Karpukhin via www.imago-images.de

In einer russischen Fernsehsendung diskutieren der Putin-nahe Journalist Wladimir Solowjow und der Militärexperte Yacov Kedmi den Krieg und schlagen dabei kritische Töne an.

Moskau - Ein Militärexperte kritisiert im russischen Fernsehen den Fortgang der Invasion Russlands - und spricht sogar von einem Krieg in der Ukraine. Erstaunlicher Weise erhält er dafür von seinem als Putin-Hardliner bekannten Gastgeber keine Schelte. Allein im Ukraine-Konflikt das Wort Krieg in der Öffentlichkeit zu verwenden ist dabei in Russland eigentlich verboten.

Eine erstaunliche Beobachtung. Zumal mit Blick auf das beteiligte Personal: TV-Promi Wladimir Solowjow ist eigentlich dafür bekannt, Wladimir Putins Propaganda an die Öffentlichkeit zu tragen. 2013 verlieh Putin sogar den „Orden der Ehre“ an den Journalisten - die Frankfurter Allgemeine bezeichnete ihn schon 2015 als „Kreml-Einpeitscher“. Sein Gesprächspartner Yacov Kedmi ist ein ehemaliger KGB-Agent und tritt häufig im russischen Fernsehen auf. Auch er pflegt für gewöhnlich kreml-freundliche Ansichten.

Ukraine-Krieg: Sogar Putin-Freunde äußern Kritik

Über den Fernseh-Vorfall vom Dienstagabend berichtete zunächst die Bild. Auf Youtube kursierte allerdings auch ein kurzer Clip des Interviews - samt englischsprachiger Untertitel. Bei politischen Gegnern Putins stieß das Interview auf Interesse: Der russische Exil-Politiker Ilya Ponomarew teilt das Video auf Twitter. Seine nüchterne Schlussfolgerung: „Das Scheitern von Putins ‚Sonderoperation‘ wird von den beiden wichtigsten ‚Falken‘ des Kremls – Wladimir Solowjow und Jakow Kedmi – anerkannt.“

Militärexperte Kedmi beklagte laut der Übersetzung des Boulevardblattes die vielen Unklarheiten im Krieg. Man könne sich nicht sicher sein, ob die ursprünglichen Kriegsziele noch gültig seien oder nicht. Es sei auch unklar, ob die ukrainische Regierung vonseiten Russlands überhaupt anerkannt werde oder nicht. Zuletzt habe es geheißen, dass es reichen könnte, wenn die Ukraine nicht der Nato beitrete - noch kurz zuvor habe der Kreml der Staatsführung um Wolodymyr Selenskyj jegliche Legitimation und Glaubwürdigkeit abgesprochen.

Russland: Zweifel an Putin? Kriegsführung wirft offenbar selbst für „Einpeitscher“ Fragen auf

Kedmi fügte hinzu, dass auch die Lage an Front Fragen aufwerfe: Es sei noch keine „ernstzunehmende“ Stadt eingenommen worden sei, noch keine lokale Regierung gestürzt worden sei. Der Experte hinterfragte offenbar noch allgemeiner den „operativen Plan“ Putins - und stellte sogleich den gesamten Krieg infrage: Wenn man die Städte nicht einnehmen wolle, „dann hätte man diese Operation nicht beginnen sollen.“ In Russland wird nicht von Krieg, sondern von der „Operation“ gesprochen.

Putin-Freund spricht öffentlich vom Krieg

„Die Stimmung ist sowieso schon schwer. Dein Pessimismus macht mich endgültig traurig“, sagte Solowjow. Danach spricht er von einem Krieg, wenn auch in einem Appell, diesen zu gewinnen: „Den Krieg nicht zu gewinnen, die angekündigten Ziele nicht zu erreichen, können wir nicht. Sonst führt das zum Tod von Russland.“ (lp)

Auch interessant

Kommentare