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Bericht: Russland will Deutschland wieder Gas liefern - aber weniger als früher

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Von: Patrick Mayer

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Der russische Staatskonzern Gazprom will Deutschland wieder Gas liefern. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Es gibt demnach ein Aber.

München/Greifswald - Dreht Moskau-Machthaber Wladimir Putin den Gas-Hahn für Deutschland wieder auf oder lässt er ihn zu? Laut einem Medienbericht ist an diesem Dienstag (19. Juli) eine erste Entscheidung gefallen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will der russische Staatskonzern Gazprom wieder Gas nach Europa liefern.

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Jedoch soll das nicht für den früheren Umfang der Gas-Lieferungen gelten. Reuters zitiert einen angeblichen Insider: „Sie (Gazprom) werden zu dem vor dem 11. Juli gesehenen Niveau zurückkehren.“ Am 11. Juli hatten die jährlich üblichen Wartungsarbeiten an der Pipeline durch die Ostsee begonnen. Sie sollen nach Angaben aus Moskau nach zehn Tagen abgeschlossen sein. Wie die Bild schreibt, wird die Gas-Pipeline somit nur auf rund 40 Prozent ihrer möglichen Kapazitäten laufen.

Unter anderem Vize-Kanzler Robert Habeck (Die Grünen) hatte Befürchtungen geäußert, die Gas-Lieferungen könnten auch nach dem Ende der Wartungsarbeiten ausbleiben. Und nicht mehr anlaufen. Seine Bedenken: Der russische Präsident Putin könnte im Ukraine-Krieg politischen Druck auf Deutschland aufbauen, wegen der Sanktionen, die die Bundesrepublik verhängt hatte. Der Wirtschaftsminister sprach im Interview mit dem Deutschlandfunk von einem möglichen „Albtraum-Szenario“ und meinte: „Das wird Deutschland vor eine Zerreißprobe stellen, die wir lange so nicht hatten.“ Unterdessen machten CDU und CSU wegen der Energiekrise Druck, die Laufzeit der drei verbliebenen Kernkraftwerke zu verlängern.

Hier kommt das russischen Gas an: Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.
Hier kommt das russischen Gas an: Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. © IMAGO / ZUMA Wire

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Die CDU bot in Person von Jens Spahn den Grünen aus der Ampel-Koalition sogar ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen als Tauschgeschäft an, sollte sich die Partei mit längeren Laufzeiten für die Atomkraftwerke einverstanden zeigen. Ende April lag der Anteil russischer Gaslieferungen in Deutschland laut Bundeswirtschaftsministerium bei 35 Prozent. Bis Jahresende soll der Anteil durch den Kauf von Flüssiggas auf etwa 30 Prozent gesenkt werden. Die Ampel-Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hält ferner einen Rückgang des Anteils auf zehn Prozent bis Sommer 2024 für möglich.

Nach Beginn des russischen Angriffkriegs auf die Ukraine hatte die Bundesregierung das Nachfolgeprojekt Nord Stream 2 als Sanktion auf Eis gelegt - nach anfänglichem Zögern. Künftig will sich Deutschland nach den jüngsten Eindrücken vom politischen Machtapparat in Moskau unabhängig machen von russischen Energie-Lieferungen. (pm)

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