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Ukrainer spenden für Militär - und widmen Botschaften für Bomben auf Putins Soldaten

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Von: Patrick Freiwah

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Soldat des ultranationalistischen Rechten Sektors der Ukraine bei einem Einsatz nahe Donezk (Symbolbild)
Soldat des ultranationalistischen Rechten Sektors der Ukraine bei einem Einsatz nahe des Flughafens Donezk (Symbolbild). © imago stock&people

Mit Spenden am Krieg beteiligen? Das wird im Ukraine-Konflikt zur Realität. „Wohltätige“ Organisationen sammeln Geld, um an Russland gerichtete Geschosse zu präparieren.

Kiew - Im Ukraine-Krieg erfolgt eine erbitterte Schlacht um Landgewinne und strategische Schläge, die den Gegner schwächen. Jedoch lässt sich mit militärischen Auseinandersetzungen seit jeher auch Geld verdienen. Das betrifft im hohen Maße Rüstungskonzerne, deren Taschen sich angesichts des Leidens in Krisenregionen wie der Ukraine füllen.

Jedoch gibt es auch kleinere Alternativ-Methoden, an Geld zu kommen. Ukrainische Plattformen machen aus der Not eine Tugend und haben ein für sie neues Geschäftsmodell entwickelt: Gegen Geldspenden Raketen, Bomben und Granaten mit Botschaften zu beschriften, welche sich an das Militär des russischen Machthabers Wladimir Putin richten.

Laut dem ukrainischen Online-Nachrichtenportal Kyiv Independent setzen mehrere ukrainische Organisationen dieses Erlösmodell um, der zuletzt gesunkenen Spendenbereitschaft im Ukraine-Krieg entgegenzuwirken - und die Armee ihres Landes zu stärken.

Ukraine-News: Spendenaktion für Beschriftung von Raketen - „Emotionale Befriedigung“

So wird Geld für das ukrainische Militär gesammelt, indem Botschaften auf Artilleriegeschossen verkauft werden, die abgefeuert werden. Die platzierten Botschaften sind teils martialisch, teils vulgär: „Sch*** auf die Russen! Brenn in der Hölle." „Hey Ruskie! Ich hoffe, Sie mögen ukrainischen Heavy Metal“, nennt der Bericht extreme Beispiele.

Zweifellos ein fragwürdiges Unterfangen, doch die mit den Nachrichten versehenen Bomben finden beim Volk regen Anklang. Der Preis pro Artilleriegranate liege je nach Design zwischen 10 und 500 US-Dollar. Und wie erfolgt die Umsetzung? Freiwillige Soldaten nehmen Befehle direkt an der Front entgegen und schreiben die gewünschten Botschaften mit Permanentmarker auf die Geschosse. Andere wiederum würden Granaten im Voraus lackieren und die gebrandete Munition an die Kämpfer liefern.

Die Organisationen tun es dem Bericht zufolge nicht nur wegen des Geldes, sondern um den Menschen die „emotionale Befriedigung“ zu bringen, die mit dem Senden einer Nachricht direkt an die russische Armee einhergeht, so die These im Kyiv Independent. „Mit Botschaften auf Raketen können die Menschen ihren Schmerz, ihre Wut oder ihr Vertrauen in den Sieg der Ukraine zum Ausdruck bringen“, schildert Lyubov Galan, Mitbegründer des Projekts "BoomBoard". Der Ukrainer erklärt, ihr Projekt helfe dabei, den Hass auf Russen mit Angriffen in die Tat umzusetzen...

Laut Galan hinterlassen die Leute alle möglichen Nachrichten für die Russen. Manche wünschen ihnen den Tod, andere rächen sich für besetzte Städte oder getötete Angehörige.

Die Idee, Texte auf Raketen zu setzen, ist nicht neu. Was im Krieg in der Ukraine nun stattfindet, ist daraus einen Service zu machen: Menschen spenden Geld und wählen eine Nachricht aus, mit der das Kriegsmaterial versehen wird.

Ein weiteres Projekt – RevengeFor – richtet sich speziell an Ausländer, welche die Ukraine unterstützen wollen: Nazar Gulyk ist CEO des ukrainischen Startup-Studios Empat. Die Spendenkampagne bietet an, Botschaften auf Munition zu malen, die für eine Mindestspende von 500 US-Dollar auf Russen abgefeuert wird. Bis heute habe er etwa 35.500 US-Dollar gesammelt, darunter aus Ländern wie den USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Polen.

Ukraine-News: Granaten und Raketen mit Botschaften bestücken

Sein Team leitet diese Nachrichten an die ukrainischen Streitkräfte weiter, diese schreiben sie mit einem Permanentmarker auf das Kriegsgerät. Alle gesammelten Gelder werden an „ComeBackAlive“, die offenbar größte Wohltätigkeitsstiftung in der Ukraine, überwiesen. Mit dem Geld werden dann hauptsächlich Drohnen, Helme, Laptops und Autos für das Militär gekauft.

Ist das Beschriften von Munition nicht hinderlich im Kriegseinsatz, wenn es um Leben und Tod geht? Dem ukrainischen Militär macht es angeblich nichts aus, im Tausch gegen Spenden Botschaften auf Granaten zu hinterlassen. „Technisch ist es nicht schwierig. Wenn Sie Raketen haben, brauchen Sie nur einen Marker zu nehmen und zu schreiben“, erklärt die ukrainische Freiwillige Yevheniia Sobolieva, die dabei hilft, die Spendenkampagne beim Militär umzusetzen.

Derweil warnt die Ukraine russische Bürger vor einem „unangenehm heißen Sommerurlaub“ auf der Krim. (PF)

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