1. Startseite
  2. Politik

Geheimdienstbericht sieht „Brain-Drain“: Die schlauen Russen fliehen - die reichen offenbar auch

Erstellt:

Kommentare

Kasachstan
Russen stehen in einer Schlange, nachdem sie die Grenze nach Kasachstan überquert haben. © Denis Spiridonov/AP/dpa

Seit der russische Präsident Wladimir Putin die Teilmobilmachung verkündet hat, fliehen Zehntausende Russen aus dem Land. Darunter wohl vor allem reiche und gebildete Männer.

London - Die Flucht Zehntausender russischer Männer wegen der Teilmobilmachung hat nach britischer Einschätzung zu einem enormen intellektuellen Aderlass für Russland geführt. „Unter denjenigen, die versuchen, Russland zu verlassen, sind die Bessergestellten und Gutausgebildeten überrepräsentiert“, teilte das Verteidigungsministerium in London unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit. Wenn man auch die Einberufenen berücksichtige, dürften die binnenwirtschaftlichen Auswirkungen enorm sein, hieß es weiter. Die Behörde verwies auf die geringere Verfügbarkeit von Arbeitskräften und einen rasanten „Brain-Drain“, also einem Verlust von Fachkräften etwa in den Technikbranchen.

„In den sieben Tagen, seit Präsident (Wladimir) Putin die ‚Teilmobilmachung‘ angekündigt hat, hat ein beträchtlicher Exodus von Russen begonnen, die der Einberufung entgehen wollen“, hieß es aus London weiter. Zwar seien genaue Zahlen unklar. Aber vermutlich übertreffe die Zahl der Ausgereisten die Stärke der Invasionsarmee, mit der Russland im Februar 2022 die Ukraine angegriffen hatte. Schätzungen zufolge hatte Moskau vor dem Aufmarsch etwa 150.000 Soldaten an der Grenze zum Nachbarland aufmarschieren lassen.

Britischer Geheimdienst sieht „Brain-Drain“: Reiche und Gebildete fliehen aus Russland

Die Nachfrage nach Plätzen in Privatjets hat einem Bericht der britischen Zeitung The Guardian zufolge massiv zugenommen. Für einen Sitzplatz in solch einem Privatjet zahlen reiche Russen bis zu 25.000 Pfund, umgerechnet etwa 28.300 Euro. Der Preis für die Anmietung eines achtsitzigen Jets liegt derzeit bei bis zu 140.000 Pfund, in etwa 158.000 Euro, ist also um ein Vielfaches teurer als der Normaltarif. The Guardian zitierte den Leiter der Firma Your Charter mit den Worten: „Die Situation ist im Moment absolut verrückt. Früher bekamen wir 50 Anfragen pro Tag, heute sind es etwa 5.000.“

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor. (dpa/fmü)

Auch interessant

Kommentare