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Russischer Militärzug in Richtung Ukraine weckt Atom-Ängste – Bericht über geheime Nato-Warnung

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Von: Stephanie Munk

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Ein russischer Militärtransport befeuert Sorgen: Bereitet Putin einen Nuklear-Einsatz im Ukraine-Krieg vor? Hinzu kommt eine angebliche Nato-Warnung vor einem Atom-U-Boot.

Update vom 4. Oktober, 16. 15 Uhr: Zusätzlich zu dem russischen Militärzug, der Befürchtungen weckt, dass Atomwaffen an die ukrainische Grenze gebracht werden (siehe Erstmeldung), kommt offenbar eine weitere bedrohliche Aktion Russlands. Laut einem Bericht der britischen Zeitung Daily Mail hat die Nato seine Mitgliedsstaaten angeblich gewarnt, dass das russische Atom-U-Boot „Belgorod“ seine Basis im Norden Russlands verlassen hat.

Die russische Marine hatte das weltweit größte Atom-U-Boot Mitte Juli in Betrieb genommen. Es ist in der Lage, atomare „Poseidon“-Torpedos zu transportieren und abzufeuern. Laut einem Bericht von RTL/ntv besteht die Befürchtung, dass Russland dies erstmals testen will.

Das russische Atom-U-Boot Belgorod wurde am 23. April 2019 mit einer Feier zu Wasser gelassen.
Das russische Atom-U-Boot Belgorod wurde am 23. April 2019 mit einer Feier zu Wasser gelassen. © Oleg Kuleshov/Imago

Der Atomwaffenexperte Andrew Futter betonte jedoch gegenüber der Times, das U-Boot sei nicht nur ein Träger für Nuklearwaffen, sondern könne auch andere Funktionen erfüllen. Seine Vermutung: Mit der Aktion sende Putin erneut eine Warnung an den Westen, sich nicht weiter in den Ukraine-Krieg einzumischen.

Die Times berichtet indes, die Nato habe seine Mitglieder vor einem Atomtest an der ukrainischen Grenze gewarnt, mit dem Putin seine Bereitschaft zum Nuklearschlag demonstrieren wolle. Die russische Regierung weist dies zurück. „Westliche Medien, westliche Politiker und Staatsoberhäupter üben sich zurzeit in nuklearer Rhetorik“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow laut Spiegel. „Daran wollen wir uns nicht beteiligen.“

Russischer Militärzug in Richtung Ukraine weckt Atomwaffen-Ängste – Experte beschwichtigt

Erstmeldung: Moskau - Videos und Fotos in sozialen Netzwerken im Internet zeigen einen langen russischen Güterzug, beladen mit gepanzerten Fahrzeugen und Waffen. Offenbar ist der Zug unterwegs von Zentralrussland zu ukrainischen Grenze. Und: Er weckt Ängste auf einen bevorstehenden Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine.

Ukraine-News: Langer Güterzug in Richtung Ukraine wird mit Atomwaffen-Abteilung assoziiert

Britische Medien wie die Daily Mail und Times berichten, dass der Zug mit einer Abteilung in der russischen Armee in Verbindung steht, die für die Bereitstellung von Atomwaffen zuständig ist. Angesichts wiederholter Drohungen des Kreml, im Ukraine-Krieg nicht vor dem Einsatz nuklearer Waffen zurückzuschrecken, weckt dies neue Befürchtungen: Bereitet Präsident Wladimir Putin bereits konkret einen nuklearen Einsatz in der Ukraine vor?

Laut dem Verteidigungsanalysten Konrad Musyka, auf den sich auch die britischen Medien in ihren Berichten beziehen, ist dies denkbar, aber unwahrscheinlich. Der polnische Experte widmet sich dem russischen Militärzug in mehreren Beiträgen auf Twitter. Demnach transportiert der Güterzug tatsächlich Ausrüstung, die der 12. Hauptdirektion des russischen Verteidigungsministeriums zugeordnet sind. Diese Direktion sei zuständig für die Lagerung, Bereitstellung und Transport von Atomwaffen zu den russischen Truppen.

Ukraine-News: Experte relativiert Sorge vor Atomwaffen-Einsatz - „Andere, wahrscheinliche Erklärungen“

Dennoch beschwichtigt der Experte: Der Güterzug würde „nicht wirklich“ auf einen bevorstehenden nuklearen Einsatz in der Ukraine hinweisen. Es gebe „andere, wahrscheinliche Erklärungen“: Die im Netz kursierenden Videos könnten demnach eine weitere Methode Russlands sein, „dem Westen zu signalisieren, dass Moskau eskaliert“. Der Analyst schreibt dazu auf Twitter: „Glauben Sie mir, solche Videos tauchen niemals zufällig auf.“ Tatsächlich wurde das Video, das den fahrenden Militärzug zeigt, offenbar ursprünglich vom pro-russischen Sender „Rybar“ auf Telegram veröffentlicht.

Ukraine-News: Russischer Militärzug womöglich für Übungen gedacht

Außerdem ist es laut dem Experten Konrad Muzyka möglich, dass der Zug Equipment für militärische Übungen transportiere. Die russischen Truppen für strategische Raketen hielten solche Übungen üblicherweise im Herbst ab. Es sei möglich, dass im Oktober Übungen zur nuklearen Abschreckung bevorstünden, schreibt der Verteidigungsexperte.

Russland hatte zuletzt wiederholt mit indirekt oder unverhohlen mit dem Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg gedroht. In seiner Rede zur Annexion ukrainischen Gebiete am Freitag (30. September) wiederholte Putin, Russland werde sein Territorium „mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen“. Putins Sprecher Dmitri Peskow relativierte jedoch am selben Tag entsprechende Drohungen. Amerikanische Experten halten einen Atomwaffeneinsatz Russland allerdings durchaus für realistisch.

Alles zu den militärischen Entwicklungen im Ukraine-Krieg lesen Sie im News-Ticker. (smu)

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