Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko schütteln sich in die Sotschi die Hände.
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Schnee und nette Gesten: Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko schütteln sich in die Sotschi die Hände.

„Ein mir nahe stehender Mensch“

Provokanter Freizeitspaß: Putin empfängt Lukaschenko in der Krise - zum Sporteln

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin haben derzeit einige Probleme. Die Präsidenten demonstrieren trotzdem Spaß - mit Sport und Freundschaftsbekundungen.

Sotschi/Gomel - Schon kurz nach dem Wahleklat in Weißrussland war eine brisante Frage aufgekommen: Könnte ein Sturz Alexander Lukaschenkos im Nachbarland indirekt auch das Ende der Ära Putin in Russland einläuten? Nun haben die autoritär veranlagten Präsidenten erneut den Schulterschluss geübt - in bemerkenswerter Kulisse.

Die beiden Staatschefs widmeten sich nach einem einstündigen Gespräch scheinbar unbeschwert dem Wintersport: Sie fuhren gemeinsam Ski. Eine demonstrative Leichtigkeit des Seins, die wohl als Statement verstanden werden darf. Nicht nur, dass Lukaschenko zuletzt nur mühsam Proteste unterdrücken konnte. Auch Putin hat im Fall Nawalny massiven Ärger mit dem Westen - und das Skifahren gilt in weiten Teilen Europas in der Corona-Krise weiter als äußerst heikles Vergnügen.

Russland: Putin und Lukaschenko üben Schulterschluss - beim Skifahren

Gut ein halbes Jahr nach Beginn der Proteste in Belarus betonten Lukaschenko und Putin die enge Zusammenarbeit beider Länder. „Es vergeht kein Tag, an dem unsere Kollegen nicht miteinander reden und bestimmte Probleme lösen“, sagte der Kremlchef bei einem Treffen in der russischen Stadt Sotschi, das in Ausschnitten im Staatsfernsehen zu sehen war. Lukaschenko nannte seinen Kollegen einen ihm „nahe stehenden Menschen“.

Alexander Lukaschenko (li.) und Wladimir Putin auf der Skipiste.

Putin kündigte weitere Lieferungen des russischen Corona-Impfstoffes Sputnik V nach Belarus an. „Wir müssen die Anstrengungen vereinen, auch mit unseren europäischen Kollegen“, sagte er. Lukaschenko zufolge will sein Land bis Herbst ein eigenes Vakzin entwickeln. Sogenannte Impf-Diplomatie hat derzeit Hochkonjunktur - beispielsweise auch in China.

Lukaschenko unter Druck: Geld von Putin? Industrielle Zusammenarbeit „wichtiger als direkte finanzielle Unterstützung“

Die beiden Staatschefs hatten sich das letzte Mal im September getroffen, ebenfalls in Sotschi. Dabei sicherte Putin dem finanziell angeschlagenen Nachbarland einen Milliardenkredit zu. Nun sagte der Kremlchef, die Zusammenarbeit der Industrien beider Länder sei wichtiger als „die direkte finanzielle Unterstützung“ aus Moskau.

Die Wirtschaft von Belarus ist stark abhängig von Russland, das etwa Öl und Gas liefert. Moskau sieht seinen Nachbarn und Verbündeten auch als strategisch wichtige Pufferzone zur Nato.

Putin und Lukaschenko: Heikle Frage kein Thema - zumindest im Staatsfernsehen

Nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl am 9. August kam es in Belarus zu Massenprotesten. Zuletzt gab es allerdings nur noch vereinzelt Aktionen. Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren an der Macht mit 80,1 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an und hat bereits Sanktionen gegen die autoritäre Führung verhängt. Russland drängte Lukaschenko immer wieder zu einer Verfassungsreform.

Zumindest in dem vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Teil der Gespräche war das kein Thema. Beobachter hatten erwartet, dass Putin bei dem Treffen den Prozess gegen den ersten prominenten inhaftierten Oppositionellen in Belarus thematisiert. Viktor Babariko war in Belarus Leiter der Tochter der russischen Gazprombank. Er wollte bei der Wahl gegen Lukaschenko antreten, wurde aber festgenommen.

In Weißrussland hatte Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja am Wochenende die Proteste für vorerst gescheitert erklärt. In einem anderen Interview bezeichnete sie die EU-Sanktionen gegen die autoritäre Führung in Minsk als „Lachnummer“. Die Justiz geht unterdessen weiter hart gegen Demonstranten vor: Ein 26 und ein 29 Jahre alter Mann seien in der Stadt Gomel wegen angeblicher Brandsatzwürfe zu sieben und acht Jahren strenger Lagerhaft verurteilt worden, teilte die Menschenrechtsorganisation Wesna am Montag mit. Ein weiterer 17-jähriger Jugendlicher erhielt sechs Jahre in einer Strafkolonie. Er flehte den Angaben zufolge im Gericht um seine Freilassung. (dpa/fn)

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