1. Startseite
  2. Politik

Live-Protest im russischen TV sendet „Schockwellen durch die Gesellschaft“ - Nawalny bietet Hilfe an

Erstellt:

Von: Andreas Schmid, Franziska Schwarz

Kommentare

Der Staatssender unter der Regierung von Putin reagierte schnell - aber es gibt ein Video des Vorfalls. Und das geht im Ukraine-Krieg nun um die Welt.

Update vom 16. März, 12.40 Uhr: Nach Frankreich hat am Dienstag auch das Team des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny Unterstützung für die TV-Journalistin Marina Owssjannikowa angeboten. Mit einem Anti-Kriegs-Protest hatte die sie im Moskauer Staatsfernsehen für einen Eklat gesorgt (siehe Erstmeldung). Das Team um Nawalny hatte am Dienstag angekündigt, die TV-Redakteurin zu unterstützen. Mann wolle die Strafe zahlen, die gegen sie verhängt werden könnten, schrieb Maria Pewtschich von Nawalnys Team via Twitter. Russische Journalisten dürfen nicht von Krieg sprechen, sondern nur von einer „militärischen Spezial-Operation“. Owssjannikowa hatte während der Sendung unter anderem gerufen: „Stoppt den Krieg!“

Live-Protest im russischen TV schickte „Schockwellen durch die russische Gesellschaft“

Auf die Frage, ob die Aktion einen Einfluss auf die russische Bevölkerung habe, antwortete dem US-Nachrichtensender CNN am Dienstag ein US-Amerikaner mit russischen Wurzeln, der sich in Moskau aufhält. Die Protestaktion habe „Schockwellen durch die russische Gesellschaft“ geschickt, versuchte Yakov Kronrod gegenüber CNN eine persönliche Einordnung. Ihm zufolge würden auch staatstreue Medien über Owssjannikowas Portest berichten. Auf ihrer Facebook-Seite seien zudem tausende Kommentare hinterlassen worden. Die Menschen hätten sich angerufen und sich gegenseitig gefragt: „Hast du gesehen, was passiert ist?“ Menschenrechtsaktivisten, mit denen Kronrod gesprochen habe, meinten, dass „das sehr gut der Start einer ganzen Welle“ sein könnte.

Indes setzen sich die Ukraine-Russland-Verhandlungen fort. Der russische Außenminister sah die Verhandlungen in Teilen „vor der Einigung“.

Ukraine-Protest im russischen TV: Journalistin vor Gericht - „Verhör dauerte über 14 Stunden“

Update vom 15. März, 19.53 Uhr: Die russische Journalistin Marina Owsjannikowa, die live im staatlichen Fernsehen gegen den Ukraine-Krieg protestierte, steht vor Gericht (siehe vorheriges Update). Zuvor gab es längere Zeit kein Lebenszeichen von Owsjannikowa. Nun scheint klar, warum. Sie sei von russischen Behörden mehr als 14 Stunden verhört worden. Einen Rechtsbeistand habe es nicht gegeben.

Am Rande des Gerichtstermins sprach die Journalistin zu ausländischen Medien. „Das waren wirklich sehr schwierige Tage in meinem Leben“, zitiert der US-Sender CNN die Frau. „Ich habe buchstäblich zwei Tage ohne Schlaf verbracht. Das Verhör dauerte über 14 Stunden, ich durfte weder meine Verwandten noch meine Freunde kontaktieren, ich bekam keinen Rechtsbeistand. Ich befinde mich also in einer ziemlich schwierigen Lage.“

Ukraine-Krieg: Live-Protest im russischen TV: Journalistin nach Festnahme vor Gericht

Update vom 15. März, 16.27 Uhr: Die russische Journalistin Marina Owssjannikowa steht nach ihrer Protestaktion im russischen Fernsehen nun vor Gericht. Der russische Journalist Alexej Wenediktow veröffentlicht auf dem Messengerdienst Telegram ein Bild von Owssjannikowa und ihrem Anwalt Anton Gaschinski in einem Gerichtsgebäude. Den Angaben russischer Medien zufolge, werde sie wegen der Organisation einer nicht erlaubten öffentlichen Aktion belangt. Dafür drohen ihr eine Arreststrafe von zehn Tagen oder 30.000 Rubel (226 Euro) Ordnungsstrafe oder bis zu 50 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Es bestand die Sorge, dass sie auch nach einem neuen umstrittenen Gesetz wegen Diffamierung der russische Armee verurteilt werden würde. Dann hätten ihr 15 Jahre Haft gedroht.

Frankreich bietet Marina Owsyannikova nach Protestaktion Schutz an

Update vom 15. März, 15.22 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußert sich Informationen der Nachrichtenagentur AFP zufolge zu der Protestaktion und möchte Owsyannikova konsularischen Schutz bieten. „Wir leiten diplomatische Maßnahmen ein, damit sie unter den Schutz der (französischen) Botschaft gestellt wird“, so Macron bei einem Besuch einer Aufnahmestelle für ukrainische Flüchtlinge im Département Maine-et-Loire. Außerdem wolle Macron, die Protestaktion und die russische Reaktion darauf bei seinem nächsten Treffen mit Kreml-Chef Putin ansprechen. „Frankreich verurteilt jede Inhaftierung von Journalisten“, betont Macron.

Kreml bezeichnet Protestaktion im russischen Fernsehen als „Rowdytum“

Update vom 15. März, 14.34 Uhr: Der Kreml verurteilt die Protestaktion der Journalistin Marina Owsyannikova auf das Schärfste. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagt, der Agentur Interfax zufolge: „Was dieses Mädchen angeht, das ist Rowdytum.“ Alles Weitere solle der Fernsehsender selbst regeln, dies sei deren Angelegenheit und nicht die Aufgabe des Kreml.

Anwälte dürfen keinen Kontakt zu Reporterin aus Russland aufnehmen

Update vom 15. März, 13.36 Uhr: Die Russin, die ihren Anti-Putin-Protest live ins Staatsfernsehen getragen hatte, ist seit ihrer Festnahme verschwunden. „Ihre Anwälte dürfen keinen Kontakt zu ihr aufnehmen“, fügte der Sprecher des EU-Chefdiplomaten Josep Borrell heute hinzu. Der Protest (siehe Erstmeldung) sei das jüngste Beispiel einer mutigen Haltung, welche die Lügen und Propaganda des Kremls widerlege. Die Regierung unter Präsident Wladimir Putin unterdrücke weiter die einheimische Opposition und die friedliebende Bevölkerung fort. Grundrechte wie die Meinungsfreiheit würden ihnen verweigert.

Nach Protestaktion im russischen Fernsehen: Marina Owsyannikova verschwunden

Nach Focus-Informationen gehört Daniil Berman zu Marina Owsjannikowa Anwälten. Dem Portal Meduza erklärte er, dass sie zur Polizeibehörde im Moskauer Bezirk Ostankinsky gebracht worden sei, schreibt Focus weiter. Laut der dortigen Polizei sei sie aktuell aber nicht mehr dort.

Anastasia Kostanova, eine weitere Anwältin der Russin, sprach mit dem Sender BBC über deren Verschwinden. Sie habe Owsjannikow seither mehrmals angerufen, aber nicht erreicht. „Das bedeutet, dass man sie vor ihren Anwälten versteckt und versucht, ihr den Rechtsbeistand zu entziehen“, sagte sie. „Und offensichtlich versucht man auch, die strengste Strafmaßnahme vorzubereiten,“ fügte sie hinzu.

Zwischenfall im Staatsfernsehen: Reporterin aus Russland im Video

Update vom 15. März, 9.32 Uhr:  Nun sind News zu der Kriegsgegnerin im Umlauf, die zur Prime Time eine politische TV-Sendung Russlands unterbrach (siehe Erstmeldung unten). Die Nachrichtenagentur dpa hat ein Video ins Deutsche übersetzt, das die Demonstrantin zeigen soll und vor der Aktion entstand.

Marina Owsjannikowa, eine russische TV-Mitarbeiterin, ist demnach zu sehen. Sie trägt in der Aufnahme eine Kette mit den Flaggenfarben Russlands und der Ukraine. In ihrer Ansprache bezieht sie sich auf Krim-Annexion 2014 sowie die Vergiftung des Kremlgegners Alexej Nawalny. Der Wortlaut im Clip:

„Das, was jetzt in der Ukraine geschieht, ist ein Verbrechen. Und Russland ist der Aggressor. Und die Verantwortung für diese Aggression liegt nur auf dem Gewissen eines Menschen - und dieser Mensch ist Wladimir Putin.

Mein Vater ist Ukrainer, meine Mutter ist Russin - und sie waren nie Feinde. Diese Kette an meinem Hals ist wie ein Symbol dafür, dass Russland den Bruderkrieg sofort stoppen muss und unsere Brudervölker sich noch versöhnen können.

In den vergangenen Jahren habe ich leider beim Ersten Kanal gearbeitet und mich mit Kreml-Propaganda beschäftigt. Ich schäme mich jetzt sehr dafür. Ich schäme mich dafür, dass ich zuließ, dass vom TV-Bildschirm gelogen wurde. Ich schäme mich dafür, dass ich zuließ, dass Russen in Zombies verwandelt wurden.

Wir haben 2014 geschwiegen, als das alles anfing. Wir sind nicht für Demonstrationen rausgekommen, als der Kreml Nawalny vergiftet hat. Wir haben dieses menschenfeindliche Regime einfach nur stillschweigend beobachtet. Jetzt hat sich die ganze Welt von uns abgewendet. Und noch zehn Generationen unserer Nachfahren werden sich von der Schande dieses Brudermord-Krieges nicht reinwaschen können.

Wir, die russischen Menschen, können denken und sind klug. Es liegt nur an uns, diesen ganzen Wahnsinn zu beenden. Geht demonstrieren. Fürchtet nichts. Sie können uns nicht alle einsperren.“

Protest gegen Ukraine-Krieg: Frau unterbricht Nachrichten in Russlands Staats-TV

Erstmeldung vom 15. März: Moskau - Kriegsprotest zur besten Sendezeit - und das im russischen Staatsfernsehen: Eine Demonstrantin hat Russlands Hauptnachrichtensendung mit einem Plakat und lauten Rufen unterbrochen. Nach wenigen Sekunden brach der Sender „Perwy Kanal“ deshalb die Live-Übertragung ab und zeigte plötzlich einen Bericht über Krankenhäuser.

Die Frau tauchte während der Live-Sendung „Wremja“ Montagabend plötzlich hinter der Nachrichtensprecherin Jekaterina Andrejewa auf. „Stoppt den Krieg!“, rief sie, auf ihrem Schild war außerdem zu lesen: „Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“.

Ukraine-Krieg: Live-Protest in Russlands Staatsfernsehen

Es soll sich um Marina Owsjannikowa, eine Mitarbeiterin des Senders handeln. Der Clip des Vorfalls verbreitete sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken. Klassik-Starpianist Igor Levit zum Beispiel (34) teilte ihn mit den Worten „Was Mut wirklich bedeutet“.

Offenbar hat die Frau ihren Protest zuvor angekündigt: Die Organisation OVD-Info veröffentlichte laut der Nachrichtenagentur AFP ein Video. In diesem habe die Demonstrantin erklärt, dass ihr Vater Ukrainer und ihre Mutter Russin sei und der Krieg gegen das Nachbarland ein „Verbrechen“ sei, für das Kremlchef Wladimir Putin* verantwortlich sei.

„Leider habe ich in den vergangenen Jahren für Perwy Kanal gearbeitet und Propaganda für den Kreml gemacht. Dafür schäme ich mich heute sehr“, sagte sie demnach. Sie wurde laut Medienberichten nun festgenommen.

Kriegsprotest in Staats-TV unter Putin: Fernsehkanal spricht von „Vorfall“

Der erste russische Fernsehkanal sprach in einer Mitteilung lediglich von einem „Vorfall“ während der Sendung „Wremja“ und kündigte eine „interne Prüfung an“. Laut der Nachrichtenagentur Tass könnte die Frau wegen „Diskreditierung des Einsatzes der russischen Streitkräfte“ strafrechtlich verfolgt werden.

In Russland ist es Medien verboten, den russischen Einmarsch in die Ukraine als „Krieg“ oder „Invasion“ zu benennen. Stattdessen ist offiziell von einer „militärischen Spezialoperation“ die Rede. Das russische Parlament hatte vor kurzem ein Gesetz verabschiedet, das bis zu 15 Jahre Haft für die Verbreitung von „Falschnachrichten“ über das Militär vorsieht. Am Dienstag, 15. März sollen die Ukraine-Russland-Verhandlungen fortgesetzt werden, ein EU-Trio reist außerdem direkt ins umkämpfte Kiew. (AFP/dpa/frs)

Auch interessant

Kommentare