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Nach Drohungen: Norwegen erklärt Streit mit Russland über Lieferung für Spitzbergen für beendet

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Von: Florian Naumann

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Sowjetische Historie auf Spitzbergen: Die Bergbausiedlung Pyramida ist verlassen - andernorts siedeln Russen noch auf der Inselgruppe.
Sowjetische Historie auf Spitzbergen: Die Bergbausiedlung Pyramida ist verlassen - andernorts siedeln Russen noch auf der Inselgruppe. © Danita Delimont/www.imago-images.de

Russland bekommt Sanktionen zu spüren - gerade an geografisch neuralgischen Punkten. Nun naht ein Konflikt mit Norwegen. Erste Drohungen sind zu hören.

Update vom 6. Juli, 20 Uhr: Norwegen hat nach eigenen Angaben einen Streit mit Russland über eine Frachtlieferung für russische Bergleute auf Spitzbergen beigelegt. Das Außenministerium in Oslo teilte mit, die an der Grenze blockierten Container mit russischer Fracht seien von norwegischen Transportern bis zum Hafen von Tromsö gebracht worden und nun per Schiff unterwegs zu der Inselgruppe in der Arktis.

Die Lösung sei nach einem „guten Dialog“ mit Russland gefunden worden und bedeute keinen „Rückzieher“ Norwegens, erklärte eine Ministeriumssprecherin. „Wir hatten nie die Absicht, eine Lieferung zu blockieren“, die Lösungsmöglichkeiten hätten „von Anfang an bestanden“, betonte sie.

Russland im Sanktions-Streit: Nach Litauen nun auch Probleme mit Norwegen

Erstmeldung vom 6. Juli:

Oslo/Moskau – Russland besitzt und nutzt einige schwierig gelegene Territorien in Europa. Das wird im Ukraine-Konflikt zum Problem für Wladimir Putins Kreml: Nach der Ostsee-Exklave Kaliningrad gibt es nun auch Streit um eine weitere Region. Diesmal ist es die arktische Inselgruppe Spitzbergen.

Denn Norwegen hat wegen der Sanktionen im Ukraine-Krieg einen russischen Warentransport auf die Inselgruppe blockiert – nun droht das Unterhaus in Moskau mit der Aufkündigung eines durchaus heiklen Grenzabkommens mit den Skandinaviern. Das „Spitzbergen-Traktat“, wie es in Norwegen heißt, regelt die Seegrenzen in der Barentssee. Das Papier hatte 2010 einen jahrzehntelangen Streit um die rohstoffreiche Region beendet.

Russland im Sanktions-Streit: Parlamentarier drohen Norwegen mit Abkommens-Aufkündigung

Der russische Unterhaus-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin drohte am Dienstag (5. Juli) indirekt mit dem Aus für die damals mühsam von Dmitri Medwedew und dem heutigen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ausgehandelte Lösung. Der Vorsitzende des Außenausschusses solle das Abkommen unter die Lupe nehmen, erklärte Wolodin, Parlamentarier der putintreuen Partei Einiges Russland, laut russischen Agenturberichten.

Zuvor hatte der kommunistische Abgeordnete Michail Matwejew das Thema aufgebracht – in vergleichsweise aggressivem Tonfall, wie norwegische Medien notierten. „Wir haben 175.000 Quadratkilometer der Barentssee an Norwegen abgetreten. Heute erleben wir, dass Norwegen Nahrungslieferungen nach Spitzbergen, in unsere Siedlungen, unterbindet“, zitiert das Portal E24.no Matwejew unter Berufung auf die russische Agentur Ria Nowosti.

Fröhlichere Momente: Jens Stoltenberg und Dmitri Medwedew 2010 in Oslo.
Fröhlichere Momente: Jens Stoltenberg und Dmitri Medwedew 2010 in Oslo. © imago stock&people/itar-tass

Der russische Generalkonsul auf Spitzbergen, Sergej Gustsin, bemühte sich unterdessen offenbar, Norwegen bei der arktischen Ehre zu packen: „Das passt nicht zu einem arktischen Land wie Norwegen. Auf Spitzbergen lässt es sich schwer leben, und dass Norwegen die längst gewohnten russischen Siedlungen in der Arktis sabotiert, ist nicht sehr gut“, sagte er im TV-Kanal Rossija24, wie die norwegische Boulevardzeitung Verdens Gang notierte. Auch in das mittlerweile berüchtigte russische Staatsfernsehen fand die Frage also Eingang.

Russland und Norwegen: „Aushungern in der Arktis“ - Experte beobachtet „heftige Übertreibungen“

Der Hintergrund des Streits: Russland hatte Norwegen vergangene Woche vorgeworfen, die Verladung einer Schiffslieferung blockiert zu haben, die für russische Bergarbeiter auf Spitzbergen bestimmt war. Der Wissenschaftler Arild Moe vom Frditjof-Nansen-Institut relativierte auf Anfrage von Verdens Gang allerdings die Anschuldigungen: „Es geht um Lieferungen über das norwegische Festland. Das ist absolut kein Embargo für Warenlieferungen nach Spitzenbergen.“

Moe attestierte der russischen Debatte „heftige Übertreibungen“. Einzelne Kommentatoren im Netz hätten Norwegen gar vorgeworfen, Russen auf Spitzbergen „aushungern“ zu wollen. Das sei fern der Realität. Festzuhalten sei allerdings zugleich auch, dass das russische Außenministerium Oslo keinen Bruch des Spitzbergen-Abkommens vorgeworfen habe, sondern nur eine „freche“ Handlung.

Das norwegische Außenministerium wiederum rief Russland dazu auf, sich an das Abkommen zu halten. Es enthalte „keine Revisionsklausel“, erklärte das Ministerium. „Es ist üblich, dass diese Art von Grenzabkommen auf unbestimmte Zeit gültig ist.“ Norwegen ist - anders als Schweden und Finnland - bereits seit geraumer Zeit Mitglied der Nato. (fn mit Material von AFP)

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