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Putin ruft Russen an die Waffen: So viel Sold können Reservisten erwarten

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Von: Stephanie Munk

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Russland braucht mehr Soldaten in der Ukraine und setzt auf die Mobilisierung von Reservisten. Auch finanzielle Anreize sollen die Russen zur Waffe locken.

Moskau - 300.000 Russen sollen an die Front - das hat Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag (20. September) verkündet. In einer TV-Ansprache ließ er sein Volk wissen, dass er die Teilmobilmachung der Streitkräfte veranlasst habe. Erste Einberufungsbescheide wurden offenbar sogleich verschickt. Tausende Männer verließen bereits fluchtartig das Land, berichtet die Nachrichtenagentur dpa am Freitag, 23. September.

Männer, die einberufen werden, würden den gleichen Status und die gleiche Bezahlung bekommen wie die jetzigen Vertragssoldaten, hatte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Dienstag erklärt. Doch wie viel ist das?

Teilmobiliserung in Russland: Wie viel Geld erhalten Reservisten?

Das herauszufinden, ist kein leichtes Unterfangen. Eine Recherche der russischen Investigativ-Plattform „Projekt“ hat im Mai die Solde und sozialen Hintergründe der russischen Soldaten analysiert und veröffentlicht. Die Bezahlung eines einfachen Soldaten liege demnach etwa bei 50.000 Rubel pro Monat, umgerechnet etwa 730 Euro.

Das klingt nach einem Hungerlohn. Doch stammen bisher viele der in der Ukraine kämpfenden Soldaten aus den ärmsten Regionen Russlands. Das Durchschnittseinkommen liegt dort laut Recherchen von „Projekt“ bei nur rund 300 Euro pro Monat. Für Menschen, die kaum über die Runden kommen, kann dieser Sold daher durchaus ein Anreiz sein, sich für die Armee zu melden. Zumal soziale Vergünstigungen und Vorteile laut einem Bericht des Podcasts „Spiegel Daily“ hinzukommen und Angehörige des Militärs in der russischen Gesellschaft hoch angesehen seien.

Putin braucht Nachschub: Russische Soldaten sollen mit rostigen Waffen in den Ukraine-Krieg ziehen (Symbolfoto).
Putin braucht Naschschub: Russische Soldaten in der Ukraine. © Sergei Bobylev/Imago

Sold für russische Soldaten: Berichte über üppige Summen für Kampf im Ukraine-Krieg

Putin hat außerdem Ende Mai - drei Monate nach Kriegsbeginn - einen höheren Wehrsold für in der Ukraine kämpfende russische Soldaten angeordnet. Wie viel mehr Sold es seither gibt, blieb unklar. In einem Bericht des Spiegel vom Juni ist allerdings die Rede von auffällig üppigen Bedingungen: „Gehälter von mindestens 200.000 Rubel im Monat, etwa 3000 Euro, werden künftigen Berufssoldaten versprochen, was vorher nur Söldnertruppen wie die Wagner-Gruppe erhielten“, heißt es. Bei höherem Rang und Erfahrung liege der Sold sogar höher. Ein junger Ukrainer schildert in dem Bericht, dass ihm sogar rund 4500 Euro pro Monat angeboten worden sei - mehr als siebenmal so viel, wie er sonst verdiene.

Ukrainischen Soldaten, die gegen die russischen Truppen kämpfe, erhalten ebenfalls satte Gehälter, wie die dpa Ende Mai meldete: Neben ihrem Wehrsold erhalten sie eine Sonderzulage von 100.000 Hryvnia (rund 3150 Euro) pro Monat oder 3000 Hryvnia pro Tag.

Teilmobilisierung in Russland: Erste Regionen zahlen Zuschläge für Reservisten

Russland setzt jetzt bei der Teilmobilisierung offenbar ebenfalls auf finanzielle Anreize. Zuständig für die Mobilisierung sind die Regionen und einige von ihnen versprachen bereits Sonderzulagen: Die russische Hauptstadt Moskau will jedem eingezogenen Moskauer monatlich 50.000 Rubel (830 Euro) zum Sold dazu zahlen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin am Donnerstag, 22. September, mit.

Im Fall einer schweren Verwundung solle eine Million Rubel gezahlt werden, bei einer leichten Verwundung die Hälfte. Beim Tod eines Soldaten erhalte die Familie drei Millionen Rubel, also knapp 50.000 Euro. Auch das Gebiet Kursk und die Teilrepublik Udmurtien versprachen nach Angaben der Agentur Tass Geldzulagen.

Teilmobilisierung: Kreml verkündet Nachbesserung und beklagt „Hysterie“

Die russische Führung verkündete am Freitag zudem einige Nachbesserungen bei der Teilmobilisierung, gleichzeitig beklagte der Kreml „Hysterie“ im Land. Der Chef des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Andrej Kartapolow, erklärte, dass zwar nach dem Gesetz zur Mobilmachung ein Ausreiseverbot für Reservisten bestehe. Weil es sich aber um eine Teilmobilmachung handelt, werde das Gesetz nicht angewendet. Reisen innerhalb Russlands und ins Ausland seien deshalb erlaubt.

Zugleich erklärte das russische Verteidigungsministerium, Reservisten mit bestimmten Berufen seien von der Zwangsrekrutierung ausgeschlossen. So müssten etwa IT-Spezialisten, Experten zur Sicherung des Finanzsystems oder auch Mitarbeiter der Massenmedien, die zu den „systemerhaltenden“ Berufen gehörten, nicht in den Ukraine-Krieg ziehen. (smu mit Material von dpa)

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