Ukraine den Hahn zugedreht

Russland warnt EU vor Gas-Lieferproblemen

Moskau - Moskau hat der Ukraine das Gas abgestellt, weil Kiew seine Milliardenschulden nicht zahlt. Trotzdem bleibt der Gashahn offen, damit weiter Gas in die EU fließen kann. Drohen uns Engpässe?

Eskalation im Gasstreit: Russland hat seine Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt. Das teilte der Chef des ukrainischen Energieversorgers Naftogaz, Andrej Kobolew, am Montag auf einer Regierungssitzung in Kiew mit. Russland hatte zuvor angekündigt, der Ukraine Gas nur noch gegen Vorkasse zu liefern, weil die frühere Sowjetrepublik ihre Rechnungen nicht bezahlt.

Moskau warnte die Europäische Union vor möglichen Engpässen. Es könne Probleme geben, wenn die Ukraine für den Transit bestimmtes Gas für den Eigengebrauch abzweige, erklärte der russische Staatskonzern Gazprom. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russische Gaslieferungen in die EU. Deutschland deckt mehr als ein Drittel seines Gasbedarfs aus Russland, EU-weit liegt der Anteil bei 30 Prozent; die Baltenstaaten, Finnland, Slowakei und Bulgarien kommen auf bis zu 100 Prozent.

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Die Vermittlungsversuche von EU-Energiekommissar Günther Oettinger sind gescheitert.

In der Nacht zum Montag waren mehrstündige Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger ohne Ergebnis beendet worden. Die Konfliktseiten konnten sich nicht auf einen Preis für Gaslieferungen einigen. Am Montag um 8.00 Uhr MESZ lief eine neue Frist Moskaus zur Begleichung der ukrainischen Schulden aus, die Gazprom inzwischen auf 4,458 Milliarden US-Dollar (3,290 Milliarden Euro) beziffert.

Oettinger: "Kalter Winter könnte Problem werden"

Die deutsche Gasversorgung ist nach Angaben der Bundesregierung derzeit trotzdem nicht gefährdet. Das versicherte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Die 51 deutschen Gasspeicher sind aktuell zu fast 75 Prozent gefüllt. Das dürfte nach Einschätzung von Experten für mehrere Monate reichen. Die Bundesrepublik verfügt mit einer Kapazität von etwa 23 Milliarden Kubikmetern über die weltweit viertgrößten Speichermöglichkeiten. Dies entspricht rechnerisch mehr als einem Viertel des deutschen Jahresbedarfs an Gas.

Im Winter übersteigt der Bedarf in Europa jedoch oft die russischen Produktionskapazitäten. Die Europäische Kommission warnte daher vor möglichen Versorgungsproblemen. "Die nächsten Wochen werden kein Problem sein, da werden wir unsere Gasmengen bekommen", sagte Oettinger am Montag in Wien. Je nachdem, wie sich die Ukraine verhalte, "hätten wir bei einem kalten Winter ein Problem", so Oettinger weiter.

Er schloss nicht aus, dass Pipelines in der Ostukraine durch Separatisten angezapft werden könnten. Die Ukraine selbst werde sicher zu ihren Verpflichtungen stehen, das Gas nach Europa zu leiten. Das Land habe aktuell etwa knapp die Hälfte seines jährlichen Gasbedarfs in Speichern vorrätig. „Die Ukraine zu ertüchtigen, einen Vorrat anzulegen, ist ein Gebot der Stunde“, sagte Oettinger weiter.

Moskau zu weiteren Verhandlungen bereit

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew versicherte der Agentur Interfax zufolge, dass Moskau zu weiteren Verhandlungen bereit sei. Zunächst aber müsse Kiew seine Schulden bezahlen. Russland hatte mehrfach betont, dass die zuletzt angebotenen Konditionen zur Gaslieferung „äußerst vorteilhaft“ für die Ukraine gewesen seien. Oettinger kündigte in Wien an, er werde nach einer Sondierungsphase erneut zu trilateralen Gesprächen einladen.

Die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew seien keineswegs endgültig gescheitert, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. „Da sollte man die Hoffnung noch nicht begraben.“ Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ließ erklären, EU-Energiekommissar Oettinger habe die „vollste Unterstützung“ der Bundesregierung, um eine Verhandlungslösung zu finden.

dpa/afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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