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„Schwache Reaktion“: Putins Kadyrow kritisiert Russland offen – und will nun brutal vorgehen

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Von: Richard Strobl

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Ramsan Kadyrow, wird mit dem Stern der Volksrepublik Donezk und einer Medaille für die Eroberung von Mariupol ausgezeichnet.
Ramsan Kadyrow, wird mit dem Stern der Volksrepublik Donezk und einer Medaille für die Eroberung von Mariupol ausgezeichnet. © IMAGO/Yelena Afonina/ITAR-TASS

Neue Ukraine-Schelte für Russland. Erneut kritisiert Ramsan Kadyrow das Vorgehen – und fordert von Wladimir Putin schwerwiegende Schritte.

Grosny – Einmal mehr meldet sich Tschetschenen-Anführer Ramsan Kadyrow zum Ukraine-Krieg zu Wort. Doch während er zuletzt meist positiv über Russlands Lage berichtete, ließ er nun kaum ein gutes Haar am Vorgehen des Kremls.

Von einer „schwachen Reaktion“ Russlands spricht Kadyrow in einem auf Telegram veröffentlichten Sprach-Memo, das das Medium Meduza in Ausschnitten übersetzt hat. Damit bezieht sich Kadyrow auf den Beschuss russischer Gebiete durch die Ukraine. Gemeint sind damit wohl auch die vier ukrainischen Gebiete, die Russland nach Scheinreferenden annektiert hatte. Dies wird weder von der Ukraine noch international anerkannt.

Putins Kadyrow wirft Russland „schwache Reaktion“ vor und bricht mit Kreml-Sprech

„Wir haben immer gesagt, dass wir eine besondere Militäroperation auf dem Territorium der Ukraine durchführen, aber auf unserem Territorium ist der Krieg bereits im Gange. Und meiner Meinung nach, falls Sie sich fragen, bin ich sehr unzufrieden damit“, so Kadyrow weiter. Damit spricht Kadyrow auch offen von einem Krieg – ein Bruch mit der Kreml-Propaganda, die weiterhin von einer Spezial-Operation spricht.

Kadyrow fordert nun ein wesentlich härteres Durchgreifen Russlands, da die Ukrainer weiter angreifen würden. Der Kreml antworte hierauf aktuell „schwach“. Nach Kadyrows Meinung müsse man „Städte von der Erde tilgen“, wenn von hieraus auf russisches Gebiet gefeuert werde. Dabei solle der Kreml auch nicht die Reaktion des Westens fürchten. „Alles, was möglich war, war bereits. Es wird nichts Schlimmeres mehr geben“, so der Tschetschenen-Anführer.

Russlands Ukraine-Lage: Kadyrow fordert brutales Vorgehen

Damit könnte Kadyrow auf den Einsatz von Atomwaffen anspielen. Russland hatte bereits mehrfach mit dem Einsatz taktischer Atomwaffen gedroht. Zuletzt hatte man zudem davor gewarnt, dass die Ukraine selbst eine „schmutzige Bombe“ einsetzen könnte. Der Westen wies dies genauso zurück, wie Kiew. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba twitterte zudem, dass die Vorwürfe gefährlich seien, da Russland „oft andere dessen beschuldige, was sie selber planen“.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kadyrow die Lage im Ukraine-Krieg offen kritisiert. Bereits im September drohte er öffentlich damit, nach Moskau zu kommen und die Befehlshaber über die „wahre“ Lage im Kriegsgebiet zu informieren. Das sorgte für Wirbel, zumal Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski zuvor von einem vermeintlichen Machtkampf im Kreml gesprochen hatte. Hier waren Kadyrow und Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin als Team bezeichnet worden.

Nach seiner öffentlichen Kritik war Kadyrow allerdings von Putin befördert worden. Das konnte als Zeichen dafür ausgelegt werden, dass der Kreml Kadyrow wieder auf Linie bringen wollte. Und tatsächlich folgten zuletzt sehr positive Aussagen Kadyrows zur Lage Russlands im Ukraine-Krieg. Der US-Thinktank Institute for the Study of War hatte nun allerdings berichtet, dass Kadyrows Einfluss in Russland zu sinken scheint. Auch Prigoschin soll sich vom Tschetschenen-Anführer distanziert haben. Demnach könnte Kadyrow sogar darum fürchten seine Kontrolle über Tschetschenien zu verlieren. (rjs)

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