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Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem der bittersten Momente ihrer FDP-Karriere – kurz nach der Landtagswahl. Ein schwacher Trost: Bei der Bundestagswahl erzielte sie als Direktkandidatin in Starnberg das bundesweit beste Ergebnis ihrer Partei, sie bekam 7,4 Prozent

Leutheusser-Schnarrenberger im Interview

Politikerin über Zukunft: „Dann bin ich frei“

München - Sie war jahrzehntelang die erfolgreichste bayerische FDP-Politikerin: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Nach zwei verlorenen Wahlen zieht sie sich aus der aktiven Politik zurück. Ein Interview über die Zukunft ihrer Partei – und ihre ganz persönlichen Pläne.

Wann hat es Ihnen erstmals gedämmert, dass es die FDP nicht in den Bundestag schafft?

Mir war in den vergangenen Wochen schon klar, dass die FDP im Bundestag wohl keine Koalitionsverhandlungen mit der Union mehr führen wird. Darauf habe ich nicht gesetzt. Meine Einschätzung war, dass es die FDP wie 1969 mit 5,5 Prozent knapp in den Bundestag schafft. Dass wir scheitern, war mir erst am Sonntag, 16 Uhr, bei ersten internen Prognosen klar.

Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Ich war geschockt. Es ging mir nicht um meine Stellung, aber mir schoss durch den Kopf: Das ist ein Desaster, das ist eine Zäsur. Seit 1949! Das war für mich unvorstellbar – aber ich war gefasst. Geweint habe ich nicht.

Sie treten als bayerische FDP-Chefin zurück, obwohl Ihnen niemand einen Vorwurf macht. Was werfen Sie sich selbst vor?

Ich trete nicht zurück, ich habe am Montag im Landesvorstand darauf hingewirkt, dass wir den Weg für vorgezogene Neuwahlen freimachen. Jetzt organisiere ich mit meinem Schatzmeister und dem Präsidium den Übergang. Fast alle haben am Montag gesagt, ich solle bleiben, ich sei die Einzige, die an den Wahlkampfständen als positive FDP-Ministerin genannt worden sei. Aber ich mache nicht weiter, weil wir den Neuanfang brauchen in Bayern, mit Jüngeren. Das ist so eine tiefe Zäsur, keinen Bundestagsabgeordneten zu haben.

Wen sehen Sie als Ihren Nachfolger?

Ich benenne keinen Nachfolger. Thomas Hacker hat seine Bereitschaft erklärt, für den Landesvorsitz zu kandidieren. Das ist ein guter Vorschlag, aber wir werden sehen. Ein Amt ist jetzt mit großem persönlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Der neue Inhaber muss das neben seinem Job machen, der seine Familie ernährt – das muss man sich leisten können.

Hätte sich die FDP früher neu aufstellen müssen?

Ich glaube, dass es gut war, dass ich als liberale Frau der Bürgerrechte noch einmal für den Bundestag kandidiert habe. Wir in Bayern haben unseren Beitrag geleistet, das sieht man an den Ergebnissen. An uns ist es nicht gescheitert. Wir haben viele junge Leute im Präsidium: Thomas Hacker, Katja Hessel, Horst Meierhofer...

Wir dachten dabei eher an den Bundesvorsitzenden Rösler...

Unser Team mit Philipp Rösler und Rainer Brüderle hat einen hervorragenden Wahlkampf gemacht.

Sind Sie wütend auf Angela Merkel und Horst Seehofer, weil sie die FDP haben verhungern lassen?

Nein. Die Ursachen müssen wir bei uns selbst suchen. Die Union hat für sich geworben, jetzt ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Mich beschäftigt das, was die FDP besser machen kann, wie wir unsere Inhalte besser verkaufen können. Das wird künftig nicht mehr mit der Schere im Kopf, einen Koalitionspartner zu haben, passieren.

Hat sich die FDP zu lange auf CSU und CDU als starke Partner verlassen?

Verlassen dürfen wir uns nicht auf Koalitionspartner. Unsere Politik war in vielen Punkten gut, ist aber vom Wähler nicht auf unser Haben-Konto gebucht worden. Jetzt ist eine gute Chance da, sich bei inhaltlichen Themen unabhängig und eigenständig auszurichten – ohne den Blick auf mögliche Koalitionen. Wir werden jetzt sehen, wie wir andere Gesprächsfäden aufnehmen können.

Was machen Sie denn jetzt? Sie haben in den letzten Jahren für die FDP gelebt.

Ich bleibe ein politischer Mensch, aber nicht mehr in herausgehobenen Ämtern. Wenn mein Bundestagsbüro aufgelöst ist, werde ich im November, Dezember erst einmal Distanz gewinnen. Ich werde mich erholen, werde dann überlegen, wie ich mich einbringen kann. Der bayerischen FDP bin ich gerne noch Ratgeberin.

Haben Sie Hobbys?

Ich bin begeisterte Wanderin, muss mehr für meine Gesundheit tun – die ist in den letzten 20 Jahren viel zu kurz gekommen. Auf mich wartet mein Hund, viele Freunde. Ich werde mich Kunst und Kultur widmen, das hat alles gar nicht stattgefunden. Zudem bin ich nach wie vor zugelassene Rechtsanwältin in einer Starnberger Kanzlei mit Niederlassung in München. Ich überlege, ob ich da wieder aktiv werde. Aber ich überstürze nichts. Wenn ich den schwierigen Übergang gestaltet habe, dann bin ich frei.

Interview: Carina Lechner

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