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Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht spricht sich bei Anne Will für einen Alleingang der Europäer aus. 

Trump Thema in der Talkrunde

Wagenknecht bei Will: „Schluss mit der Unterordnung!“

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Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr drehte sich bei „Anne Will“ alles um Donald Trump. Nach der Münchner Sicherheitskonferenz diskutieren die Gäste über das Verhältnis zu den USA und deren Außenpolitik. 

Wie steht der neue US-Präsident zur EU, zur Nato und zu Russland? Die drängendsten Fragen derMünchner Sicherheitskonferenz konnten am Sonntagabend auch die Gäste der ARD-Talkshow „Anne Will“ nicht beantworten. US-Vizepräsident Mike Pence hatte in München mit viel Pathos versichert, Amerika stehe weiter fest an der Seite der Nato-Partner. Einige Talkgäste zweifelten das an.

Geladen waren der Ex-US-Botschafter John Kornblum, Klaus Scharioth, ehemals deutscher Botschafter in den USA und Siko-Beobachter, CDU-Politiker und Kanzleramtschef Peter Altmaier, sowie Journalist Bernd Ulrich (Zeit) und Sahra Wagenknecht, Fraktionschefin der Linken. Abgesehen vom US-Botschafter und einem beschwichtigenden Kanzleramtschef zeigten sich die Gäste besorgt hinsichtlich der Frage, ob die USA unter Donald Trump noch ein verlässlicher Partner für Europa seien.

Wofür steht die Regierung Trump?

Vor allem der Vize-Chefredakteur der „Zeit“, Bernd Ulrich, griff US-Präsident Donald Trump wiederholt scharf an. „Das ist ein Mann, von dem man nicht weiß, ob er die Demokratie anerkennt oder ob er sie abschaffen will. Oder ob er sie aus Versehen abschafft.“ So bekam sich der Journalist immer wieder mit John Kornblum, von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Deutschland, in die Haare. Der bat darum, nicht ständig von Ulrich unterbrochen zu werden: „Darf ich um ein bisschen Höflichkeit bitten?“ Außerdem wiederholte er seine seit längerem geäußerte Forderung, Europa müsse selbst mehr aktiv für Frieden und Sicherheit in der Welt tun. „Europa hat die letzten 20 Jahre geschlafen“, sagte Kornblum, was ihm wenig Sympathien einbrachte.

Die neue Regierung in Washington lässt einen außenpolitischen Kurs derzeit noch vermissen, darin waren sich alle Talkgäste einig. Darunter auch Klaus Scharioth, der von 2006 bis 2011 deutscher Botschafter in den USA war. Er sprach von zwei Lagern, die derzeit auf Trump einredeten - eine gemäßigte Fraktion um Außenminister Rex Tillerson und eine radikale Gruppe um Trumps Chefberater Stephen Bannon. Aber auf wen wird der exzentrische US-Präsident hören?

Das sei auch nach der Sicherheitskonferenz nicht ersichtlich, meinte Altmaier. „Wir wissen etwas mehr als vorher, aber längst nicht genug.“ Wie dem auch sei: Europa müsse sich emanzipieren und mit einer Stimme sprechen.

Wagenknecht: Loslösen von den USA!

Nato-Gegnerin Sahra Wagenknecht (LINKE) sprach sich klar gegen die von den USA angemahnten Mehrausgaben für das Militär aus. „Ich halte diese ganze Aufrüstungsdebatte für völlig absurd“, sagte sie. Außerdem äußerte sie ihre Hoffnung auf ein besseres Verhältnis zu Russland. Der militärische Konflikt mit einer Atommacht sei jedenfalls „saugefährlich“. 

Die Chefin der Linken holt außerdem zum großen Schlag gegen Amerika aus: „Die USA waren noch nie verlässlich“, sagt sie und widerspricht direkt dem Thema der Sendung „Nach der Sicherheitskonferenz - Sind Trumps USA noch ein verlässlicher Partner?“. Die Unterordnung unter die USA sei eine „ganz gefährliche Politik“, die amerikanisch Russland-Politik beispielsweise gegen europäische Interessen. „Wir sollten unsere Interessen regeln, dann wären wir gut aufgestellt.“ Wagenknechts Ausführungen entsetzen vor allem Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU): „Das ist Antiamerikanismus!“ 

Trumps Verhältnis zur Presse: „Wir sollten uns an die eigene Brust fassen“

Neben dem Streit um Militärausgaben, dem Stellenwert der Nato und dem amerikanisch-russischen Verhältnis griffen die Gäste auch Trumps schwieriges Verhältnis zur Presse auf. Altmaier mahnte an, die Pressefreiheit als hohes Gut zu wahren und leistete sich dabei einen lustigen Versprecher. Er wolle seine Ausführungen zur Pressefreiheit nicht als Kritik an anderen verstanden wissen. „Wir sollten uns immer an die eigene Brust fassen“, sagte Altmaier - und verwechselte dabei offensichtlich Brust und Nase.

Am kommenden Sonntag macht die ARD-Talkshow eine Woche Pause und Platz für den Karneval. Aber auch auf den dortigen Sitzungen und Umzügen wird der aktuelle US-Präsident sicher Thema sein. Denn in einer Sache waren sich zumindest alle einig: Was Donald Trump wirklich will, weiß Donald Trump allein.

kb/dpa

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