Sahra Wagenknecht spricht bei einer Online-Versammlung. Die Linke NRW wählte die Landesliste für die Bundestagswahl.
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Sahra Wagenknecht spricht bei einer Online-Versammlung. Die Linke NRW wählte die Landesliste für die Bundestagswahl.

Überraschend zwei Gegenkandidatinnen

NRW: Sahra Wagenknecht als Spitzenkandidatin nominiert - trotz heftiger Kritik der Linken an ihrem neuen Buch

Sahra Wagenknecht steht wegen ihres neuen Buches innerparteilich in der Kritik. Am Samstag wurde sie nun als Spitzenkandidaten der NRW-Linken für den Bundestag nominiert.

Berlin - Innerparteilich steht Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht aktuell in der Kritik. Grund dafür ist ihr neues Buch „Die Selbstgerechten“. Dennoch wurde Wagenknecht am Samstag erneut als Spitzenkandidatin der NRW-Linken für den Bundestag nominiert. Bei einer Abstimmung um Platz 1 in Essen erhielt sie 127 Stimmen (61 Prozent). Das teilte die Versammlungsleitung am Samstag mit. Wagenknecht hatte überraschend gleich zwei Gegenkandidatinnen. Im Vorfeld war nur die Kölner Verwaltungswirtin Angela Bankert bekannt gewesen. Sie erhielt 58 Stimmen. Die Münsteraner Klimaaktivistin Hannah Harhues bekam 12 Stimmen. Sie kritisierte Wagenknecht für einige Passagen des Buches scharf.

Wagenknecht ist Spitzenkandidaten der NRW-Linken - Kritik wegen neuem Buch

Bundestagsfraktionschefin Amira Muhamed Ali appellierte zu Beginn an die Teilnehmer, nicht aus dem Blick zu verlieren, um was es bei der Online-Aufstellungsversammlung geht. „Uns steht ein sehr zugespitzter Bundestagswahlkampf bevor.“ Es gelte Wähler mit Argumenten und Konzepten zu überzeugen. „Aber wenn wir stattdessen interne Konflikte nach vorne stellen, dann wird es schwierig für uns“, erklärte sie.

„Lasst uns nicht vergessen, wie viel uns alle verbindet. Lasst uns nicht vergessen, wo der politische Gegner steht“, mahnte Muhamed Ali. „Wir alle stehen klar gegen Faschismus und jede Form von Rassismus“, betonte sie. „Und ich finde es ehrlich gesagt schier unerträglich, wenn wir uns das gegenseitig absprechen oder auch nur Zweifel daran aufkommen lassen.“ Ja, man müsse reden und diskutieren. Die letzten Tage hätten einigen Bedarf geweckt auch bei ihr, räumte sie ein.

Sahra Wagenknechts Buch „Die Selbstgerechten“ - Linke fordern Verzicht auf Bundestagskandidatur

Das Buch erscheint erst am kommenden Mittwoch (14. April 2021), allerdings wurden mehrere Auszüge aus diesem bereits verbreitet. Genau wegen dieser Auszüge forderten vor der Versammlung in Essen mehrere Parteivorstandsmitglieder der Linken einen Verzicht ihrer ehemaligen Fraktionschefin Sahra Wagenknecht auf eine Bundestagskandidatur. Dies berichtete der Spiegel am Freitag.

Bereits jetzt sehen Kritiker:innen das Buch von Sahra Wagenknecht als eine Generalabrechnung mit der eigenen Partei. Der bayerische Politiker Johannes König warf ihr im Spiegel vor, dass sie mit ihrem neuen Buch Bewegungen wie Unteilbar, Black Lives Matter oder Fridays for Future gezielt verunglimpfe. Ihr Buch sei „eine Kriegserklärung an Hunderttausende junge Menschen, die uns wählen und sich für Klimaschutz und Antirassismus einsetzen“, sagte Linken-Abgeordneter Niema Movassat dem Nachrichtenmagazin. Wagenknecht selbst wies die Kritik an ihrem Buch zurück. „Also, ich hab wirklich kein dünnes Fell, aber das hat mir teilweise die Sprache verschlagen. Also wenn ich dort lesen muss, das ich rechte oder vielleicht sogar rassistische Ansichten vertrete - also ich frage mich, ob manche überhaupt wissen, was sie da schreiben“, so Wagenknecht. (dpa/at/aka)

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