Das Rettungsschiff "Seefuchs" der Regensburger Organisation Sea-Eye im Mittelmeer. Foto: sea-eye.org
1 von 6
Das Rettungsschiff "Seefuchs" der Regensburger Organisation Sea-Eye im Mittelmeer. Foto: sea-eye.org
Will vor allem gegen private Seenotretter vorgehen: Italiens Innenminister Matteo Salvini. Foto: Luca Zennaro/ANSA
2 von 6
Will vor allem gegen private Seenotretter vorgehen: Italiens Innenminister Matteo Salvini. Foto: Luca Zennaro/ANSA
Im Mittelmeer nimmt das Rettungsschiff "Seefuchs" Flüchtlinge von einem überfüllten Schlauchboot an Bord. Foto: sea-eye.org
3 von 6
Im Mittelmeer nimmt das Rettungsschiff "Seefuchs" Flüchtlinge von einem überfüllten Schlauchboot an Bord. Foto: sea-eye.org
Der Kutter "Seefuchs" bricht in Richtung Mittelmeer auf, um Flüchtlingen in Seenot zu helfen. Foto: Stefan Sauer/Archiv
4 von 6
Der Kutter "Seefuchs" bricht in Richtung Mittelmeer auf, um Flüchtlingen in Seenot zu helfen. Foto: Stefan Sauer/Archiv
Im Mittelmeer besteigen Migranten ein Schlauchboot des Rettungsschiffs "Aquarius". Foto: Kenny Karpov/MSF/SOS Mediterranee
5 von 6
Im Mittelmeer besteigen Migranten ein Schlauchboot des Rettungsschiffs "Aquarius". Foto: Kenny Karpov/MSF/SOS Mediterranee
Vor der Küste Libyens bringen Matrosen des US-Marineschiffes "Trenton" Migranten in Sicherheit. Foto: Jonathan Nelson/U.S. Navy
6 von 6
Vor der Küste Libyens bringen Matrosen des US-Marineschiffes "Trenton" Migranten in Sicherheit. Foto: Jonathan Nelson/U.S. Navy

Harte Linie gegen Flüchtlinge

Italien weist weitere Rettungsschiffe mit Migranten ab

Das Hafenverbot für die "Aquarius" reicht Italiens rechtem Innenminister nicht. Salvini will auch andere Rettungsschiffe nicht in seinen Häfen sehen. Und für die Retter selber hat er eine klare Botschaft.

Rom/Valencia (dpa) - Die neue italienische Regierung will nicht länger gestatten, dass Flüchtlingsorganisationen im Mittelmeer aufgenommene Migranten routinemäßig nach Italien bringen.

Die guten Zeiten für diese Organisationen seien nun vorbei, erklärte Innenminister Matteo Salvini am Samstag via Twitter. "Wir sind die Herren in unserem eigenen Haus", schrieb der Chef der rechtsgerichteten Regierungspartei Lega weiter.

Zuvor hatte er angekündigt, zwei Schiffen deutscher Helfer die Einfahrt in italienische Häfen zu verweigern. Die "Seefuchs" und "Lifeline" werden von den Nichtregierungsorganisationen Sea-Eye und Mission Lifeline genutzt. Salvini schrieb: "Diese Leute sollten wissen, dass Italien nicht länger diesem illegalen Einwanderungsgeschäft Beihilfe leisten will, also werden sie sich andere Häfen zum Ansteuern suchen müssen."

Salvini warf den Organisationen vor, ihre Schiffe nah an der libyschen Küste stationiert zu haben, um viele Menschen aufzunehmen, die auf See von Menschenschmugglern ausgesetzt werden.

In den vergangenen Jahren war es Routine, dass im zentralen Mittelmeer geborgene Migranten nach Italien gebracht wurden. Im Jahr 2017 waren es gut 119 000. Tausende reisen weiter Richtung Österreich und Deutschland.

Die Seenotretter von Mission Lifeline bezeichneten Salvini daraufhin zunächst als "Faschisten". Salvini warnte die Helfer, durch Beleidigungen und Drohungen lasse man sich nicht aufhalten. Der Tweet der Helfer war später nicht mehr im Kurznachrichtendienst zu sehen. Salvini sei "natürlich kein Faschist", hieß es von Mission Lifeline auf Twitter.

Sea-Eye warnte, dass Retter und Migranten in große Gefahr geraten könnten, sollte Salvini bei seiner Linie bleiben. Kein europäischer Innenminister stehe über dem Gesetz, hieß es in einer per E-Mail verbreiteten Mitteilung der Organisation. Sea-Eye gehe davon aus, dass Italien weiterhin seinen humanitären und internationalen Verpflichtungen nachkommen werde.

Die Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und fremdenfeindlicher Lega hatte zuvor schon dem Rettungsschiff "Aquarius" von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée keine Erlaubnis gegeben, mit mehr als 600 Migranten in einen italienischen Hafen einzufahren. Das Schiff ist nun unterwegs ins 1500 Kilometer entfernte Spanien und soll am Sonntagvormittag im Hafen von Valencia eintreffen.

Der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, Elhadj As Sy, lobte Spanien: "Während andere zur Seite schauen, heißt Spanien diese Menschen willkommen."

Am Hafen Valencias sollen die Flüchtlinge zunächst vom Roten Kreuz betreut werden, wie die Regionalregierung mitteilte. Unter den Insassen seien 123 Minderjährige und mindestens sieben schwangere Frauen. Die "Aquarius" und ihre zwei Begleitschiffe sollen den Angaben zufolge ab sechs Uhr morgens nacheinander in Abständen von rund drei Stunden anlegen.

Anders als die Menschen auf der "Aquarius" durften Migranten, die von der italienischen Küstenwache oder der Marine aus dem Mittelmeer begorgen wurden, in den vergangenen Tagen weiter in italienischen Häfen an Land gehen.

Salvinis Politik findet indes Zustimmung bei den Wählern: Einer von der Zeitung "Corriere della Sera" veröffentlichten Umfrage zufolge unterstützen 59 Prozent seinen Kurs.

Post von Salvini auf Facebook, Italienisch

Tweet Salvini

Tweet Seenotrettung

Umfrage im Corriere della Sera

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Lira-Krise: Türkei unterdrückt Kritik an Wirtschaftslage
Der Streit zwischen Amerika und der Türkei eskaliert: Präsident Erdogan wütet gegen neue US-Zölle und nennt die USA die "Kraftmeier des globalen Systems". Die …
Lira-Krise: Türkei unterdrückt Kritik an Wirtschaftslage
Bericht: Deutsche Behörden weisen immer mehr Ausländer aus
Osnabrück (dpa) - Deutsche Behörden haben 2017 doppelt so viele Ausländer ausgewiesen wie noch zwei Jahre zuvor. Das berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung" am Freitag …
Bericht: Deutsche Behörden weisen immer mehr Ausländer aus
UN: Nordkorea hat Atom- und Raketenprogramm nicht gestoppt
New York (dpa) - Nordkorea soll sein Atom- und Raketenprogramm laut einer Analyse der Vereinten Nationen nicht eingestellt haben. Zu diesem Schluss kommen Experten in …
UN: Nordkorea hat Atom- und Raketenprogramm nicht gestoppt
UNHCR: Mittelmeer tödlichste Route für Flüchtlinge
Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um nach Europa zu kommen, und viele verlieren es. Mehr als 1500 Menschen sind in diesem Jahr im Mittelmeer ertrunken. Liegt das an den …
UNHCR: Mittelmeer tödlichste Route für Flüchtlinge