Die neuen Bundessprecher der Grünen Jugend: Sarah-Lee Heinrich (l.) und Timon Dzienus auf dem 55. Bundeskongress.
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Die neuen Bundessprecher der Grünen Jugend: Sarah-Lee Heinrich (l.) und Timon Dzienus auf dem 55. Bundeskongress.

Aus Hartz IV an die Uni

Sprecherin der Grünen Jugend nach Wahl in der Kritik - das ist Sarah-Lee Heinrich

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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Sarah-Lee Heinrich feierte einen turbulenten Einstand als Sprecherin der Grünen Jugend. Doch wer ist die 20-Jährige an der Spitze der Grünen Nachwuchsorganisation?

Berlin – Jugendorganisationen von Parteien haben es sich oft zur Aufgabe gemacht, radikalere Positionen zu vertreten als ihre jeweilige Parteibasis. Durch ständige Kontrolle und Kritik nehmen sie dabei eine Art Oppositions-Rolle innerhalb der eigenen Parteistruktur an. Deswegen und wegen des Einflusses, den Jugendorganisationen auf ihre Parteien haben, stehen auch die jeweiligen Vorsitzenden verstärkt im Rampenlicht. Doch nur selten schlägt eine Personalie innerhalb einer Jugendorganisation so hohe Wellen wie bei Sarah-Lee Heinrich, die am Wochenende zur Sprecherin der Grünen Jugend gewählt wurde.

Die 20-Jährige geriet bereits kurz nach ihrer Wahl aufgrund von mehreren Tweets, die sie vor Jahren veröffentlicht hatte, ins politische Kreuzfeuer. Doch wer ist die neue Vorsitzende der Grünen Jugend eigentlich und wofür steht sie?

Sarah-Lee Heinrich: Neue Sprecherin der Grünen Jugend wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf

Im Mittelpunkt von Heinrichs politischem Engagement steht sicherlich der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Eine Ausrichtung die vor allem mit Blick auf die Biografie der 20-Jährigen Sinn ergibt. Heinrich wurde 2001 in Iserlohn geboren und wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf, die Hartz-IV-Empfängerin ist. Die Sprecherin der Grünen Jugend erfuhr also am eigenen Leib, was es bedeutet in ärmlichen Verhältnissen aufzuwachsen und aufgrund ihres sozialen Status‘ diskriminiert zu werden. Ebenso erlebte Heinrich wie schwer es sein kann, einen Ausweg aus der Armut zu finden.

Dass sie auf das Gymnasium gehen und schlussendlich ihr Abitur machen konnte, hat für Heinrich auch viel mit glücklichen Umständen zu tun. „Ich bin gut in der Schule und mit dem Lernen klargekommen“, erklärte die damals 19-Jährige vor etwa einem Jahr im Gespräch mit Focus Online. Auch ihre Lehrer hatten demnach einen großen Anteil an der erfolgreichen schulischen Laufbahn der GJ-Sprecherin: „Sie haben Potenzial in mir gesehen und mit ihrer Hilfe bin ich sogar in ein Schülerstipendium gerutscht“, so Heinrich. Ein Verlauf, den die 20-Jährige sich für mehr Kinder aus ärmlichen Verhältnissen wünschen würde. Dass jeder Mensch alleine durch harte Arbeit den sozialen Aufstieg schaffen kann, hält Sarah-Lee Heinrich für Wunschdenken.

Sarah-Lee Heinrich: Werdegang der GJ-Bundesprecherin - von Hartz-IV an die Uni

Mittlerweile studiert die 20-Jährige – als erste in ihrer Familie - Sozialwissenschaften an der Universität Köln und engagiert sich nebenbei in der Grünen Jugend. Ein Engagement, das mit ihrer Wahl zur Bundessprecherin am Wochenende seinen vorzeitigen Höhepunkt fand. In ihrer neuen Position will sich Heinrich nun genau für die Themen einsetzten, die sie in ihrer Jugend erfahren hat.

Soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit: Sarah-Lee Heinrichs politische Positionen

So kritisierte die 20-Jährige die Zuverdienstregel bei Hartz-IV, die das zusätzliche Einkommen beschränkt, dass Kinder von Hartz-IV-Empfängern durch Nebenjobs verdienen können und setzt sich für eine Kindergrundsicherung ein. Letztere war auch ein wichtiger Punkt im Parteiprogramm der Grünen zur Bundestagswahl 2021. „Kinder sollten sich nicht selbst aus der Armut herausarbeiten müssen“, forderte Heinrich gegenüber Focus Online.

Der Beginn von Sarah-Lee Heinrichs Amtszeit als Sprecherin der Grünen Jugend steht nun unter einem denkbar schlechten Stern. Debatten über Heinrichs Person und Aussagen stehen im Fokus und lenken von den inhaltlichen Punkten ab, über welche die 20-Jährige eigentlich streiten wollte. (fd)

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