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Thilo Sarrazin geht mit vielen Thesen der AfD konform.

Interview nach der Bundestagswahl

„Verheerendes Erbe“: Sarrazin attackiert Merkel - und spricht über AfD-Erfolg

In einem Interview erklärt das umstrittene SPD-Mitglied Thilo Sarrazin den Wahlerfolg der AfD und attestiert Bundeskanzlerin Angela Merkel dabei ein „verheerendes Erbe“.

Zürich - Es ist ein bisschen still geworden um Thilo Sarazin. Sein aktuellstes Buch stammt aus dem Jahr 2016 und trägt den Titel „Wunschdenken. Europa, Währung, Bildung, Einwanderung – warum Politik so häufig scheitert“. Hier beschwert sich der Autor über das ständige Scheitern Deutschlands, angefangen beim Flughafen BER über die Missstände in der Bildungspolitik bis hin zu seinem Lieblingsthema, dem er am meisten Platz einräumt: Der Migration. Die angebliche allmähliche Überbevölkerung Deutschlands durch unqualifizierte, junge, männliche Muslime, die die deutsche Kultur abschaffen wollten. Nicht erst, aber spätestens seit seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ von 2010, welcher eine große Diskussion in Deutschland hervorgerufen hat, ist Thilo Sarrazin bekannt als heftiger Kritiker des Islam.

Nun hat die AfD mit ähnlichen Themen einen großen Wahlerfolg einfahren können und sich bei der Bundestagswahl als drittstärkste Kraft ins Parlament katapultiert. Thilo Sarrazin ist nach zwei gescheiterten Ausschlussverfahren gegen ihn immer noch Mitglied der SPD. Im einem Interview mit der Luzerner Zeitung sprach der 72-Jährige nun über die Gründe des Wahlerfolgs der AfD.

Sarrazin: „AfD hat ein Wählerpotential von bis 30%“

Ob er AfD oder SPD gewählt hat, will Sarrazin nicht sagen. Allerdings klingt in seinen Aussagen eine gewisse Anerkennung für die erst 2013 in Berlin gegründete Partei. Seiner Meinung nach ist die Partei „gekommen, um zu bleiben“. Auch das aktuelle Chaos, das sich um die ehemalige Frontfrau der Partei, Frauke Petry, und ihren Mann Markus Pretzell abspielt, sieht Sarrazin gelassen: "In neuen Parteien tummeln sich Chaoten und Egozentriker. Frau Petrys Auftritt am Montag und ihr späterer Parteiaustritt sprechen Bände. In allen etablierten Parteien wäre das so nicht möglich gewesen, weil es nicht den Regeln des sozialen Umgangs entspricht. Ich bin gespannt, wie die AfD künftig mit den rechtsextremen Tendenzen umgeht, welche Elemente sie wieder abstößt." Das aber interessiere die AfD-Wähler nur begrenzt.

Zweimal wollte die SPD Sarrazin ausschließen - zweimal scheiterte sie.

Für Sarrazin ist der Erfolg der AfD nur eine logische Konsequenz und das Ende der Fahnenstange sei keineswegs erreicht, da die Partei die Ängste des „kleinen Mannes“ konkret thematisiere und dieser kleine Mann nicht zufrieden sei mit den Antworten der etablierten Parteien. So würde Angela Merkel nicht verstehen, dass weder der Nahverkehr noch die Digitalisierung die Menschen in erster Linie beschäftige, sondern andere Themen gefragter seien. Demnach sei es ein Fakt, dass Deutschland bald jährlich 50 Milliarden für Flüchtlinge und deren Familiennachzug ausgeben werde. Die Befürchtung sei, dass dies auf Kosten des eigenen Lebensstandards passiere. Auch die verstärkte Konkurrenz am unteren Ende des Arbeitsmarkts hält er für bedenklich. „Zudem sind die 1,5 Millionen Menschen, die seit 2015 zu uns kamen, zumeist Moslems. Sie sind oft schlecht ausgebildet und vor allem junge Männer um die 20. Im Berliner Jugendknast sind mittlerweile 80 Prozent der Essensausgaben halal, also moslemisch. Das sagt alles über die relative Kriminalitätsverteilung“, wird Sarrazin in der Luzerner Zeitung zitiert.

Es ist also das bekannte Sarrazin-Muster: Er stellt eine These auf und sucht sich anschließend die passenden Statistiken dazu. 

„Merkel hat nicht die Deutschen oder das deutsche Volk im Blick“

Und genauso wie die AfD hat Thilo Sarrazin vor allem eine Person im Blick, wenn es um die Situation, in der sich Deutschland befindet, geht: Angela Merkel. Sie verfolge einen internationalistischen und universalistischen Politikansatz, den aber viele nicht gut fänden. Und weiter: „Man kann sich die Dinge immer schönreden. Die Wahlanalysen haben gezeigt, dass 50 Prozent der Bürger die Themen für wichtig halten, welche die AfD nach vorne stellt. Ich gehe davon aus, dass das Wählerpotenzial der AfD, wenn sie keine rechtsradikalen Elemente hätte, bei bis zu 30 Prozent liegt“. Anstatt sich in ideologische Leerformeln zu flüchten, sollten Angela Merkel und ihre Regierung sich eher auf die laut Sarrazin wirklich entscheidenden Themen konzentrieren: Zuwanderung, demographischer Wandel und kulturelle Überfremdung. Denn wenn die CDU-Chefin heute abtreten würde, hinterließe sie laut Sarrazin ein „verheerendes Erbe“. Weiter führt er aus: „Merkel tut so, als ob sie nicht verstanden hätte, was zu den Kernzuständigkeiten einer Zentralregierung gehört. Nämlich darüber zu entscheiden, wer ins Land kommen darf und wer sich hier aufhalten kann.“ 

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