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In Jemen versammeln sich Menschen neben einem brennendem Auto.

Sorge vor Flächenbrand

Saudi-Arabien setzt Angriffe im Jemen fort

Sanaa - Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe im Jemen fortgesetzt. Die USA fördern den militärischen Eingriff in den Bürgerkrieg, doch in Europa sehen es viele mit Sorge.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten haben erneut Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen geflogen. Augenzeugen berichteten von Angriffen auf die Militärbasis Al-Samaa und den Stützpunkt Al-Istiklal in der Hauptstadt Sanaa. Der von der Huthi-Miliz kontrollierte Sender Al-Massira berichtete ebenfalls, Kampfflugzeuge hätten ihre Stellungen in der Hauptstadt angegriffen, daraufhin habe die Miliz Luftabwehrwaffen eingesetzt.

Nach Angaben örtlicher Beamter sowie Augenzeugen zufolge war am Donnerstagabend außerdem der von den Huthi-Rebellen kontrollierte Militärstützpunkt Al-Tarik in der drittgrößten Stadt Taes im Südwesten des Landes aus der Luft angegriffen worden. Saudi-Arabien und mehrere weitere arabische Staaten hatten in der Nacht zum Donnerstag militärisch in den Konflikt im Jemen eingegriffen. Dort kämpft die Huthi-Miliz gegen die Führung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi.

Strategische Meerenge im Südjemen im Fadenkreuz der Huthi-Miliz

Mit dem Eingreifen einer Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens soll der Vormarsch der Huthi-Milizen auf die Hafenstadt Aden, der Heimatstadt und Hochburg von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi, gestoppt werden. Das sunnitische Bündnis fürchtet auch, dass die vom Iran unterstützten schiitischen Kämpfer die Kontrolle über die nahe gelegene Meerenge Bab al-Mandab erlangen könnten. Die rund 30 Kilometer breite Meeresstraße verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean - und ist von strategischer Bedeutung für den Welthandel.

Fast 40 Prozent des internationalen Handels per Schiff werden Schätzungen zufolge über den Bab al-Mandab abgewickelt, ein Großteil davon über den zum Mittelmeer führenden Suezkanal. Nicht nur für Ägypten und Israel, auch für die Großmächte spielt die Wasserstraße eine wichtige Rolle. Auf der der Arabischen Halbinsel gegenüberliegenden afrikanischen Seite der Meerenge, in Dschibuti, sind sowohl Frankreich als auch die USA militärisch präsent.

Sollte die Huthi-Miliz die Kontrolle über die Meerenge erlangen, wäre der Iran nach Ansicht des jemenitischen Politikexperten Bassem al-Hakimi der "Hauptgewinner". Teheran hätte dann eine "Trumpfkarte" in der Hand, die es bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm ausspielen könnte.

Jemen-Konflikt: Europa in Sorge - Steinmeier nennt Lage gefährlich

Der Bombenkrieg einer von Saudi-Arabien geführten Sunnitenallianz im Jemen wird von den USA aktiv unterstützt. Washington bestätigte am Donnerstag logistische Hilfe und die Lieferung von Geheimdienst-Informationen. Die USA und Saudi-Arabien bauten eine gemeinsame Planungsstelle zur Koordinierung der Hilfe auf, teilte das US-Außenministerium mit.

An Kämpfen sollen sich US-Truppen nicht beteiligen. Zudem bekräftigte das US-Außenministerium, Verhandlungen seien der beste Weg aus dem Bürgerkrieg; doch Washington verstehe das Vorgehen Saudi-Arabiens.

Dagegen äußerten die Vereinten Nation und die Europäische Union Besorgnis. Sie riefen die Konfliktparteien zu Verhandlungen auf. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die Lage gefährlich. Er hoffe nicht, dass sich die Situation in einen kriegerischen Flächenbrand ausweite, sagte er der „Bild“-Zeitung (Freitag).

"Wir haben es in nur 15 Minuten geschafft, die Herrschaft über den Luftraum zu gewinnen"

Die Luftwaffen Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten hatten am Donnerstag in den Bürgerkrieg im Jemen eingegriffen, um den rasanten weiteren Vormarsch schiitischer Huthi-Rebellen zu stoppen. Sie bombardierten Stellungen der Rebellen.

„Wir haben es in nur 15 Minuten geschafft, die Herrschaft über den Luftraum zu gewinnen“, sagte ein Sprecher des Bündnisses dem Sender Al-Arabia zufolge. Der Einsatz von Bodentruppen sei „derzeit nicht geplant“. Doch stünden Truppen notfalls bereit.

Der von den Huthis bedrängte Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi flüchtete in die saudische Hauptstadt Riad. Am Samstag will Hadi beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga im ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich um Unterstützung werben.

Der Liga-Gipfel soll zudem die Bildung einer panarabischen Eingreiftruppe beschließen. Bereits am Donnerstag einigten sich die Außenminister der Arabischen Liga unter dem Eindruck des Jemen-Konflikts auf die Aufstellung dieser Streitmacht, die bei Krisen in der arabischen Region eingesetzt werden solle.

Rebellen-Anführer: "Der Jemen wird der Friedhof der Angreifer sein"

An dem Einsatz „Sturm der Entschlossenheit“ beteiligen sich nach Angaben des Senders Al-Arabija neben Saudi-Arabien die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar, Jordanien, Marokko und der Sudan. Ägypten schickte Kriegsschiffe, Pakistan denkt nach eigenen Angaben noch über einen Einsatz nach.

Der Anführer der Rebellen, Abdulmalik al-Huthi, drohte in einer Fernsehansprache: „Der Jemen wird der Friedhof der Angreifer sein.“ Zuvor hatte ein Sprecher die Angriffe als Kriegserklärung bezeichnet und vor einem Regionalkrieg gewarnt.

Hadi hatte am Dienstag um Hilfe gegen die Rebellen gebeten. Die Huthis hatten in den vergangenen Monaten große Teile des Jemens unter ihre Kontrolle gebracht, darunter die Hauptstadt. Dort setzten sie Hadi und die Regierung ab. Der Präsident floh im Februar ins südjemenitische Aden, das er zur neuen Hauptstadt erklärte. Am Mittwoch rückten die Huthis bis in die Hafenstadt vor und zwangen Hadi erneut zur Flucht.

Saudi-Arabien wirft dem schiitischen Iran vor, die Rebellen im Kampf gegen die Regierung zu unterstützen. Der Iran die Angriffe.

dpa/AFP

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