+
Saudi-Arabien trauert nach dem Tod von König Abdullah.

Halbruder tritt Nachfolge an

Saudi-Arabiens König Abdullah (91) gestorben

Riad - König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren. Sein Nachfolger steht bereits fest. Kanzlerin Merkel und andere Regierungschefs drückten ihr Beileid aus.

Abdullah war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht worden. Nach einer Mitteilung des Hofes soll er noch am Freitag nach dem Mittagsgebet in der Turk-bin-Abdullah-Moschee in Riad beigesetzt werden.

Abdullah bin Abdul Asis Al-Saud gehörte zu den beliebtesten Monarchen in der Geschichte des islamischen Königreichs. Seine Popularität dürfte dazu beigetragen haben, dass es während des Arabischen Frühlings 2011 in Saudi-Arabien nur wenige Protestaktionen gab.

Sein genaues Alter ist nicht bekannt, wird jedoch meist mit 91 Jahren angegeben. Er ist nach unterschiedlichen Angaben im August 1923 oder 1924 zur Welt gekommen. Erst mit über 80 Jahren hatte er 2005 nach dem Tod von König Fahd den Thron bestiegen.

Halbbruder wird Abdullahs Nachfolger

Seine Nachfolge hat nach offiziellen Angaben bereits sein Halbbruder, Kronprinz Salman (79), angetreten. Der bisherige Innenminister Prinz Mohammed bin Naif per Dekret zum stellvertretenden Kronprinzen ernannt worden. Mit dem 55-Jährigen rückte am Freitagmorgen damit erstmals ein Vertreter aus der Generation der Enkel des Staatsgründers Abdelasis ibn Saud in der Nachfolge auf.

Das Wirken von König Abdullah

In dem streng religiösen Königreich unternahm Abdullah in seinen letzten Lebensjahren Modernisierungsschritte. So gründete er gegen den Willen einflussreicher Islam-Gelehrter 2009 die König-Abdullah-Universität, in der Frauen und Männer gemeinsam studieren und forschen. 2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura- Rates (eine Art Parlament ohne Gesetzgebungskompetenz).

Politischen Gegnern gegenüber blieb er aber unnachgiebig: Proteste von Schiiten wurden niedergeschlagen; Frauen, die sich dem Fahrverbot widersetzten, wurden empfindliche Strafen angedroht. Aktuell sorgt die öffentliche Prügelstrafe für den islamkritischen Blogger Raif Badawi international für Empörung. Der Internetaktivist war zu zehn Jahren Haft und insgesamt 1000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt und den Säkularismus gerühmt haben soll.

In der Region mischte sich Saudi-Arabien ebenfalls in den Kampf gegen missliebige Gruppen ein. So unterstützte Riad 2013 in Ägypten den Sturz des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär. In Bahrain beteiligten sich saudische Panzer aktiv an der Niederschlagung der von Schiiten angeführten Massenproteste gegen das sunnitische Herrscherhaus. In Syrien förderte das Königshaus die Opposition im Kampf gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad.

Politiker weltweit würdigen Abdullah

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Saudi-Arabien zum Tod von König Abdullah kondoliert und dem gestorbenen Monarchen für „seine ausgewogene und vermittelnde Politik im Nahen Osten (...) Respekt und Anerkennung“ gezollt. Wie das Bundespresseamt am Freitag mitteilte, sprach Merkel in einem Kondolenztelegramm dem neuen König Salman ibn Abdelasis ihr „tief empfundenes Mitgefühl“ aus.

Weiter schrieb die Kanzlerin über den Monarchen: „Mit Klugheit, Weitsicht und großem persönlichen Einsatz ist er für eine behutsame Modernisierung seines Landes und für den Dialog der islamischen Welt mit dem Westen eingetreten.“

US-Präsident Barack Obama würdigte den Monarchen als aufrichtigen und mutigen Führer. "Die Nähe und Stärke der Partnerschaft zwischen unseren zwei Ländern ist Teil von König Abdullahs Vermächtnis", teilte Obama am Donnerstag (Ortszeit) in Washington mit. Er habe an die Wichtigkeit der US-saudischen Beziehungen als Kraft für Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten und darüber hinaus geglaubt.

Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Abdullah als Mann, "dessen Arbeit die Geschichte seines Landes zutiefst geprägt" habe. In einer vom Elysee verbreiteten Erklärung lobte Hollande zudem Abdullahs "Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten".

Kremlchef Wladimir Putin würdigte König Abdullah von Saudi-Arabien als „weisen und kontinuierlichen Staatsmann und Politiker“. „Seine Hoheit hat viel getan für die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung“, schrieb Putin am Freitag nach Kremlangaben an das Königreich. Der russische Präsident hob außerdem hervor, dass Abdullah sich auf „verschiedenen Ebenen“ um den internationalen Anti-Terror-Kampf sowie für eine „gerechte Regulierung des arabisch-israelischen Konflikts“ verdient gemacht habe.

Arabische Herrscher trauern um Abdullah

Die Führer der arabischen Welt haben mit Trauer und Beileidsbekundungen auf den Tod des saudischen Königs Abdullah reagiert. Der König des benachbarten Bahrain, Scheich Hamad, nannte den verstorbenen Monarchen einen weisen Herrscher, der sein Leben seinem Volk, der Nation, der Religion und der Menschlichkeit gewidmet habe, wie die Bahrain News Agency am Freitag berichtete. Bahrain erklärte zudem eine 40-tägige Trauerzeit. Das Königreich ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens.

Auch andere Regierungen riefen Trauerzeiten aus. In Jordanien soll sie 40 Tage dauern, in Ägypten sieben Tage, in den Vereinigten Arabischen Emiraten drei Tage. Der Emir von Kuwait, Scheich Sabah, erklärte, mit Abdullah habe die Welt „einen ihrer großen Männer“ verloren. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete hingegen den Tod Abdullahs nur in zwei Sätzen. Der verstorbene Monarch war einer der schärfsten Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad.

Trauerbotschaften und leise Kritik aus Saudi-Arabien

Der Tod des saudi-arabischen Königs hat im Kurznachrichtendienst Twitter eine Flut von Reaktionen ausgelöst. "Wir haben heute nicht einen König verloren, wir alle haben einen Vater verloren", lautete am Freitag ein typischer Tweet der vielen trauernden Saudi-Araber. Viele wiesen darauf hin, dass Abdallahs Tod an einem Freitag laut einem Ausspruch des Propheten Mohammed bedeute, dass sein Leben gut geendet habe.

Der gestandene Moderator Abdullah al-Schihri, der die Todesnachricht im Fernsehen verlesen hatte, stellte bei Twitter traurig fest: "Ich habe mir nicht gewünscht, diese Nachricht zu verkünden." Auf dem offiziellen Twitter-Account der Armee wurde angekündigt, als Zeichen der Trauer nun drei Tage lang keine Kurznachrichten zu versenden.

Es gab allerdings auch kritischere Töne als Reaktion auf Abdallahs Tod. Über das Twitter-Konto des inhaftierten Bloggers Raef Badawi wurde der Kommentar verbreitet: "Gott vergebe ihm und sei ihm gnädig." Der 30-jährige Badawi war zu 1000 Peitschenhieben und zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islams kritisiert hatte.

Vorsichtige Kritik kam auch von den Aktivistinnen, die dafür kämpfen, dass das Autofahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien aufgehoben wird. Zwar posteten sie ein Foto des verstorbenen Monarchen, jedoch fügten sie auch Fotos der Aktivistinnen Ludschain Hathlul und Maisaa Alamudi hinzu, die seit Anfang Dezember in Haft sind. Der Kommentar der Frauenrechtlerinnen lautete: "Für alle Kreaturen, ob groß oder klein - nichts bleibt, als Deine Taten und Dein Grab - und nur Gott bleibt für immer."

dpa/afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erststimme und Zweitstimme: So wählen Sie den Bundestag
Bundestagswahl 2017: Wieso gibt es eine Erststimme und eine Zweitstimme? Wen wähle ich heute damit überhaupt? Hier gibt es Antworten auf alle Fragen.
Erststimme und Zweitstimme: So wählen Sie den Bundestag
Hier finden Sie heute das Wahlergebnis sowie Karten aus allen Wahlkreisen Deutschlands
Hier finden Sie heute das Ergebnis der Bundestagswahl und erfahren außerdem, was Prognosen und Hochrechnungen sagen. Zudem liefern wir Ihnen Daten und Karten aus allen …
Hier finden Sie heute das Wahlergebnis sowie Karten aus allen Wahlkreisen Deutschlands
Bundestagswahl 2017: Warum zwei Stimmen?
Bei der Bundestagswahl am heutigen Sonntag, 24. September, stehen viele Wähler wieder vor der Frage: Warum habe ich zwei Stimmen? Und warum gilt die zweite als …
Bundestagswahl 2017: Warum zwei Stimmen?
Letzte Entscheidungshilfe: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017
Heute ist es soweit, der neue Bundestag wird gewählt. Falls Sie noch unentschlossen sind und Entscheidungshilfe brauchen: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur …
Letzte Entscheidungshilfe: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017

Kommentare