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Protest gegen die Bestrafung des saudischen Bloggers Raif Badawi.

Prügelstrafe sorgt weltweit für Entsetzen

Saudi-Blogger Badawi wird wieder ausgepeitscht

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Dschidda - Wegen seiner entsetzlichen Wunden wurde die Bestrafung des zu 1000 Stockschlägen verurteilten saudischen Bloggers Raif Badawi für eine Woche ausgesetzt. Am Freitag soll er nun erneut ausgepeitscht werden.

Die entsetzliche Prügelstrafe für den saudisches Internet-Blogger Raif Badawi von insgesamt 1000 Stockschlägen soll an diesem Freitag fortgesetzt werden. Die ersten 50 Stockschläge hatte Badawi am 9. Januar nach dem Freitagsgebet vor einer Moschee in der saudischen Hafenstadt Dschidda erhalten. Die für den darauffolgenden Freitag geplante Fortsetzung der öffentlichen Auspeitschung wurde aus "medizinischen Gründen" verschoben, nachdem ein Gefängnisarzt zu dem Schluss gekommen war, dass die Wunden noch nicht ausreichend verheilt worden seien. Nun, eine weitere Woche später, geht die Bestrafung in die nächste Runde. Das habe Badawis Frau Ensaf Haidar gegenüber Bild.de bestätigt.

1000 Stockschläge für Internet-Blog

Der 30-Jährige war im Mai zu zehn Jahren Haft und insgesamt 1000 Schlägen verurteilt worden, weil er auf seiner Internet-Seite den Islam beleidigt haben soll. Die Bestrafung soll jeden Freitag bis Ende April fortgesetzt werden. Der Fall löste weltweit Kritik aus. Ein heimlich aufgenommenes Video der grausamen Szenen sorgte weltweit für Entsetzen.

Neben Menschenrechtsorganisationen hatten auch viele westliche Regierungen das Vorgehen der saudischen Behörden kritisiert. Das Auswärtige Amt erklärte am Freitag in Berlin: "Eine solche entsetzliche und grausame Strafe entspricht in keiner Weise unserem Verständnis von Menschenrechten."

Das streng-religiöse Königreich gehört zu den wichtigsten Partnern des Westens in der Golfregion. Mit Sorge wird auch beobachtet, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Saudi-Arabien an Einfluss gewinnt. In dem Zwölf-Millionen-Einwohner-Land liegen die beiden heiligsten Stätten des Islam, die Kaaba in Mekka und die Ruhestätte des Propheten Mohammed in Medina.

Badawis Ehefrau Haidar verglich die Stockschläge mit den Anschlägen islamistischer Terroristen in Paris. Die Strafe ähnele dem Angriff auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" bei dem vergangene Woche zwölf Menschen getötet wurden, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Haidar forderte die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Saudi-Arabien auszuüben. Sie lebt mittlerweile in Kanada im Asyl. Kontakt zu ihrem Mann hatte sie seit zwei Wochen nicht mehr.

dpa/vh

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