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Alles andere als harmonisch war das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer auf dem CSU-Parteitag.

CDU sauer: "Unhöflich, ungehörig, unerträglich"

Seehofer verteidigt eisigen Merkel-Empfang auf Parteitag

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München/Berlin – Mit Ärger und Drohungen reagieren CDU-Politiker auf den eisigen Empfang ihrer Kanzlerin Angela Merkel auf dem CSU-Parteitag. Horst Seehofer verteidigt sein Vorgehen.

„Das ist unhöflich, ungehörig und nicht erträglich“, sagte der Europaabgeordnete Elmar Brok dem „Tagesspiegel“. Merkel-Vize Julia Klöckner sprach von „Testosteron“ und lehnte weitere Kommentare mit dem Hinweis ab, sie müsse dann „die klassischen Höflichkeitsformen verlassen“. CDU-Politiker drohen mit einem ähnlichen Empfang für CSU-Chef Horst Seehofer auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe Mitte Dezember.

Merkel hatte am Freitagabend in ihrer Rede vor der CSU keinerlei Kompromisslinie in der Flüchtlingspolitik erkennen lassen. Seehofer widersprach ihr in ihrer Gegenwart auf offener Bühne minutenlang. Merkel verließ den Saal grußlos durch einen Seitenausgang, fast alle CSU-Delegierten verweigerten ihr den Schlussapplaus. „Seehofer wird sich jetzt bestimmt fragen, wie er wohl in Karlsruhe empfangen wird“, sagte der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach. Präsidiumsmitglied Jens Spahn klagte, das sei „sicher kein Höhepunkt bayerischer Gastfreundschaft“ gewesen.

Seehofer zeigte sich unbeeindruckt. Er würde wieder so handeln, sagte er in mehreren Interviews sowie gegenüber unserer Zeitung. Er könne auch „beim besten Willen nicht auf der Bühne nach ihrer Rede kurz vor Weihnachten ein Märchen der Harmonie und der Konfliktfreiheit praktizieren“. Über den Auftritt in drei Wochen bei der CDU spottete er: „Ich sage meine Meinung. Ich komme so unverletzt aus der Halle, wie ich reingehe.“ Die CSU veröffentlichte am Sonntag ein ausführliches Video mit Höhepunkten des Parteitags – Merkels Rede ist darin komplett herausgeschnitten.

Auf dem Parteitag gab es für Seehofer donnernden Beifall. Allerdings erhielt er bei seiner Wiederwahl nur ein mattes Ergebnis von 87,2 Prozent. Einer der Gründe dürfte sein, dass Parteifreunde den Umgang mit Merkel als ungalant empfanden. Merkel gratulierte Seehofer allerdings per SMS zur Wiederwahl.  

Ein Kommentar zum CSU-Parteitag von Georg Anastasiadis

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