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Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Kontrahenten Florian Pronold (l.) und Michael Adam. 

Konflikt in der bayerischen SPD

Schadensbegrenzung an der Donau

München - Die bayerische SPD versucht, ihre Konflikte zu lösen. Die Partei hofft auf Ruhe im Wahlkampf, doch ein paar Unzufriedene sticheln weiter.

Hinterher vertragen sie sich, so gut sie nur können. Zweieinhalb Stunden haben sich der SPD-Landeschef Florian Pronold und sein niederbayerischer Bezirksvorsitzender Michael Adam am Samstagmorgen in der SPD-Geschäftsstelle von Deggendorf ausgesprochen. Hinterher fahren sie gemeinsam in Adams Wagen die knapp zehn Kilometer nach Plattling, wo schon der Bezirksvorstand wartet. Und weil Pronold Probleme mit seinem Handy hat, hilft Adam mit Akku und Ladegerät aus. „Es ging schon wieder richtig solidarisch zu“, versucht Pronold später einen Scherz. Der ist zwar höchstens mittellustig, aber er zeigt, wie erleichtert der Landesvorsitzende ist.

Die SPD versucht, Ruhe in den Laden zu bekommen. Und Michael Adam, 27-jähriger Landrat von Regen und bis vor kurzem der Sonnyboy der Partei, scheint mitmachen zu wollen. Massiv hatte Adam in der vergangenen Woche via Facebook auf die SPD eingedroschen – nur „Speichellecker und Ja-Sager“ gebe es in der Parteizentrale am Münchner Oberanger. Und gegenüber dem Genossen Pronold war der Jungstar richtig persönlich geworden: Gänsehaut bekomme er, wenn er den Parteichef am Telefon habe. Pronold, sonst selbst ein Freund deutlicher Worte, reagierte ungewohnt einsilbig. Die Anschuldigungen des niederbayerischen „Parteifreundes“ hatten ihn tief getroffen.

Glaubt man den Protagonisten, hat Adam die gemeinsame Autofahrt am Samstag ohne Gänsehaut überstanden. „Michael Adam machte nach dem Gespräch deutlich, dass die persönlichen Vorwürfe zum Zeitpunkt des Posts seinem Denken entsprachen“, heißt es in der hölzernen Erklärung, die die SPD nach dem Treffen veröffentlichte. „Nach intensiver Aussprache hält er sie für die Zukunft jedoch nicht mehr aufrecht.“ Die inhaltlichen Kritikpunkte bedürften „einer weiteren parteiinternen Diskussion“.

In diese Zeilen kann man nun einiges hineininterpretieren. Eine Entschuldigung Adams enthalten sie jedenfalls nicht. Tatsache ist auch, dass Adam wenig bis nichts von dem zurücknimmt, was er über die Debattenkultur seiner Partei gesagt hat. „Hier habe ich gestern einen Landesvorsitzenden erlebt, der sich solcher Kritik in der innerparteilichen Diskussion auch stellen will“, schrieb Adam am Sonntag (erneut auf Facebook). „Für mich hat das gestrige Gespräch also durchaus etwas gebracht.“

Adam und Pronold einigten sich zudem mit dem Bezirksvorstand darauf, die niederbayerischen Vorstandswahlen auf Februar vorzuziehen. Adam hatte intern bereits vor einiger Zeit den Plan geäußert, den Vorsitz abzugeben, um sich besser auf seine Arbeit als Landrat konzentrieren zu können. Vergangene Woche erklärte er sogar, er sehne den Tag der Neuwahl herbei.

Der SPD, die in den Umfragen keinen Schritt vorankommt, kommen solche Scharmützel zehn Monate vor der Wahl höchst ungelegen. Derzeit aber scheint es der Parteispitze zu gelingen, eine breite Diskussion zu vermeiden. Von Adam abgesehen melden sich nur altbekannte Kritiker zu Wort – der Niederbayer Thomas Asböck zum Beispiel, der Pronold als „Mühlstein am Hals der Partei“ bezeichnet. In der Vergangenheit nannte Asböck schon Otto Schily ein „Ekelpaket“ und sprach Gerhard Schröder den Charakter ab. Zuletzt zettelte Asböck im Januar 2011 einen Streit um Pronolds Führungsstil an. Unterstützung bekam er schon damals von der oberbayerischen Landtagsabgeordneten Adelheid Rupp. Auch Rupp, die im kommenden Herbst aus dem Landtag ausscheidet, legte nun nach. Und schließlich schoss der ehemalige Münchner Bundestagsabgeordnete Axel Berg gegen Pronold. Auch er ist ein ehemaliger Parteiliebling, war aber im Sommer bei der Aufstellungsversammlung mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Er selbst sprach damals von einer „politischen Hinrichtung“.

Interessanter als die Kritik der Enttäuschten könnte die nächste Debatte im Landesvorstand werden: Am 7. Dezember tagt das Gremium wieder – und eigentlich müsste auch Michael Adam am Tisch sitzen. Intern will er weiter diskutieren, öffentlich nicht mehr: „Irgendwann muss man auch mal einen Deckel drauf machen.“

Mike Schier

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